Stammzellen: Heilung von Diabetes?

In einer frühen klinischen Studie zeigte die neuartige Stammzelltherapie Zimislecel bei Menschen mit Typ-1-Diabetes eine Wiederherstellung der Inselzellfunktion. 83 % der Teilnehmenden benötigten nach einem Jahr keine externe Insulinzufuhr mehr und es traten keine schweren Unterzuckerungen auf.

Zimislecel ist eine aus Stammzellen gewonnene, allogene Inselzelltherapie. Bisher gibt es bei Typ-1-Diabetes keine etablierte Behandlung, welche dauerhaft die körpereigene Insulinproduktion wiederherstellt. Hieraus ergibt sich die Forschungsfrage, wie sicher und wirksam die Stammzelltherapie bei Menschen mit Typ-1-Diabetes ist.

Stammzellentherapie Zimislecel: Chance bei Typ-1-Diabetes?

Die klinische Phase-1/2-Studie an Menschen mit Typ-1-Diabetes wurde in 3 Teilen durchgeführt. In Teil A erhielten die Teilnehmenden eine halbe Dosis Zimislecel (0,4×109 Zellen) über eine Infusion in die Pfortader, mit Option auf eine 2. Dosis innerhalb von 2 Jahren. In den Teilen B und C wurde eine volle Dosis (0,8×109 Zellen) verabreicht. Alle Teilnehmenden erhielten eine immunsuppressive Therapie ohne Glukokortikoide. Der primäre Endpunkt in Teil C war das Ausbleiben schwerer Unterzuckerungen zwischen Tag 90 und 365 bei gleichzeitigem HbA1c-Wert unter 7 % oder einer Reduktion von mindestens 1 % gegenüber dem Ausgangswert an mindestens einem Zeitpunkt zwischen Tag 180 und 365. Sekundäre Endpunkte in Teil C umfassten Sicherheit und Insulinunabhängigkeit zwischen Tag 180 und 365.

Der Nachweis von Serum-C-Peptid während eines 4-stündigen Mischmahlzeiten-Toleranztests diente zur Beurteilung der Inselzellfunktion.

Klinische Phase-1/2-Studie: Wirksamkeit und Sicherheit mit 14 Teilnehmern

Insgesamt 14 Menschen (2 aus Teil A, 12 aus Teil B/C) wurden für mindestens 12 Monate nachbeobachtet. Alle wiesen zu Beginn keine messbare C-Peptid-Produktion auf. Nach der Zimislecel-Infusion konnte bei allen ein C-Peptid-Nachweis erfolgen, was auf eine erfolgreiche Funktion der Inselzellen hinweist. Die häufigste schwerwiegende Nebenwirkung war Neutropenie, die bei 3 Teilnehmenden auftrat. Insgesamt 2 Todesfälle wurden dokumentiert: Einer durch Kryptokokken-Meningitis, ein weiterer durch schwere Demenz infolge einer bestehenden neurokognitiven Erkrankung.

Hohe Rate an Insulinunabhängigkeit und gute Blutzuckerkontrolle

Alle 12 Teilnehmenden aus den Teilen B und C blieben im Zeitraum zwischen Tag 90 und 365 frei von schweren Unterzuckerungen. Sie erreichten einen HbA1c-Wert unter 7 % und verbrachten über 70 % der Zeit im Zielbereich der Blutzuckerkonzentration (70 – 180 mg/dl).

Es waren 10 der 12 (83 %) Teilnehmer am Tag 365 insulinunabhängig, benötigten also keine externe Insulinzufuhr mehr.

Zimislecel zeigt Potenzial zur Wiederherstellung der Inselzellfunktion

Die Ergebnisse der kleinen Studie deuten darauf hin, dass Zimislecel die physiologische Funktion von Inselzellen bei Menschen mit Typ-1-Diabetes wiederherstellen kann. Weitere Studien sind erforderlich, um die Langzeitsicherheit und Wirksamkeit zu prüfen.

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal


 

Besuch der Gruson Gewächshäuser Magdeburg

„Auf Grusons Spuren“ hieß am 21. März der 2. Punkt unseres Jahresplanes 2026 Wir erhielten vom Technischen Leiter der Gruson Gewächshäuser Magdeburg in einer 90-minütigen Führung einen kleinen Einblick in Leben und Wirken des Maschinenbauunternehmers und Pflanzensammlers Hermann Gruson (1821 – 1895).

Der Rundgang führte uns unter Anderem durch Tropen- und Subtropenhäuser.

Nach dem tropischen Bergregenwald zu Bromelien und Orchideen. Man konnte Kakaobaum, Bananenstaude, Zimtbaum und Papaya imposante Palmen und einen Riesenbambus entdecken.

Eine exotische Tierwelt bereichert die Gewächshäuser, darunter Kaimane, Straußenwachteln, Chamäleons, Pfeilgiftfrösche sowie eine große Vielfalt an Aquarienfischen.

Nach der interessanten Führung ließen wir es uns bei einem gemeinsamen Mittagessen gut gehen,
Bei unserem Selbsthilfegruppenleiter Herrn Andreas Stephan bedanken wir uns für die Organisation des informativen Tages.

Jutta Heinemann
Teilnehmerin
SHG Magdeburg-Berufstätige


 

Fachkräftemangel: Potenzial der Heimdialyse mehr nutzen

n Deutschland sind rund 100.000 Menschen auf eine regelmäßige Dialyse angewiesen, da ihre Nierenfunktion stark eingeschränkt oder vollständig ausgefallen ist. Diese Behandlung ist lebensnotwendig und gleichzeitig kosten- und personalintensiv. Angesichts des Fachkräftemangels weist die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN) auf die Heimdialyse hin, eine Therapieform, die im Gegensatz zur Dialysebehandlung in Zentren und Kliniken hierzulande noch viel zu wenig genutzt wird, aber großes Potenzial birgt. „Wir sehen im Ausbau der Heimdialyse eine Chance, die Versorgung langfristig zu sichern, Patientinnen und Patienten mehr Selbstbestimmung und Wohlbefinden zu ermöglichen und gleichzeitig das medizinische Personal zu entlasten”, sagt Prof. Dr. Martin Kuhlmann, Präsident der DGfN. Derzeit dialysieren nur knapp 7 Prozent der Betroffenen zu Hause – die DGfN hält eine Quote von 20 bis 30 Prozent, wie sie auch in anderen Ländern erreicht wird, für realistisch.

Heimdialyse: flexibel, alltagsnah, medizinisch sinnvoll

Bei der Heimdialyse wird die Behandlung von Patientinnen und Patienten eigenständig durchgeführt, entweder über das Bauchfell (Peritonealdialyse) oder als klassische Hämodialyse. Die daraus resultierenden Vorteile umfassen eine flexible, selbstbestimmte Zeitgestaltung, den Wegfall langer Anfahrten sowie einen gesundheitlichen Nutzen. „Je häufiger und kontinuierlicher dialysiert wird, desto besser wird die natürliche Nierenfunktion ersetzt“, sagt Kuhlmann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Nephrologie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain in Berlin. „Für berufstätige, aber auch für alle selbstständigen oder von der Familie unterstützten Betroffenen kann die Heimdialyse eine attraktive Option sein, die gleichzeitig auch eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität darstellt.“

Quelle: DGfN


 

Lebensmittelunverträglichkeiten – was tun?

Lebensmittelunverträglichkeiten treten immer häufiger auf. Mittlerweile leidet jede vierte bis fünfte Person unter einer Intoleranz. Doch welche Unverträglichkeiten gibt es und was kann man dagegen tun? Tanja Napiontek, Beratungsärztin bei der AOK Sachsen-Anhalt, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist eine Unverträglichkeit?

Unverträglichkeit und Allergie werden oft als Synonyme verwendet. Das ist aber nicht ganz richtig, denn es gibt einen großen Unterschied zwischen den Krankheitsbildern. „Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf Lebensmittel oder Umwelteinflüsse. Bei einer Unverträglichkeit bzw. Intoleranz reagiert das Verdauungssystem mit verschiedenen Beschwerden und zeigt so, dass es bestimmte Nahrungsbestandteile nicht verdauen kann“, sagt Napiontek.
Das Problem bei der Diagnose von Intoleranzen: Die Symptome und Ursachen einer Unverträglichkeit sind von Person zu Person unterschiedlich. Zusätzlich treten Beschwerden erst nach sechs bis 48 Stunden auf. Das macht es schwer nachzuvollziehen, auf welchen Nahrungsbestandteil der Körper mit den jeweiligen Beschwerden reagiert.

Wie äußert sich eine Unverträglichkeit?

Da eine Lebensmittelunverträglichkeit eine Störung im Verdauungssystem ist, zeigen sich dort auch die Hauptbeschwerden. Krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall treten häufig auf. Und auch andere Symptome wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Schluckbeschwerden und Abgeschlagenheit können durch eine Intoleranz ausgelöst werden. Diese Aufzählung ist aber bei Weitem nicht komplett, denn die Beschwerden sind so individuell wie die Unverträglichkeiten selbst.

Die häufigsten Unverträglichkeiten

Zu den häufigsten Unverträglichkeiten bzw. Intoleranzen gehören:
Laktoseintoleranz: Hier reagiert die Verdauung empfindlich auf Laktose und der Bauch bläht sich auf. Vor allem frische Milchprodukte sind problematisch.
Fructoseintoleranz: Hierbei wird die Fructose bzw. der Fruchtzucker aus der Nahrung im Darm nicht ausreichend oder gar nicht aufgenommen. Anzeichen für eine Intoleranz sind vor allem Beschwerden im Magen-Darm-Trakt.
Histaminintoleranz: Histamin ist ein Eiweißstoff, der im Körper unter anderem den Blutdruck, die Darmaktivität und die Produktion von Magensaft reguliert. Er kommt u.a. in lang gereiftem Käse und verarbeiteten Fleischwaren sowie Rotwein und Schokolade vor. Symptome für ein Intoleranz sind u.a. Hautreizungen wie Jucken oder Rötungen, Hitzegefühl, Herzrasen oder Kopfschmerzen.
Glutenintoleranz: Eine Glutenintoleranz, die sog. Zöliakie, ist eine immunologische Erkrankung des Dünndarms. Das in den Getreidesorten Weizen, Dinkel, Gerste und Roggen enthaltene Klebereiweiß Gluten löst eine Entzündungsreaktion im Darm aus, wodurch es zu einer Vielzahl von Beschwerden kommen kann, die überwiegend nicht nur den Darmtrakt betreffen.

Beschwerden nach dem Essen – was nun?

Bei Verdacht auf eine Intoleranz auf Lebensmittelbestandteile sollte der erste Ansprechpartner der Hausarzt sein. In einem persönlichen Gespräch werden dann Symptome, Lebensstil und Familiengeschichte besprochen. Es kann dann Sinn machen, ein Ernährungstagebuch zu führen, um die Ursachen für die Symptome leichter zu definieren. Falls nötig, kann der Hausarzt an einen Facharzt für Gastroenterologie oder Allergologie zur weiterführenden Diagnostik überweisen.

Wie Unverträglichkeiten behandeln?

Es kann eine Eliminationsdiät helfen, bei der man auf die Lebensmittelbestandteile verzichtet, auf die der Körper reagiert. Sie kann auch zur Diagnosestellung hilfreich sein. Man sollte eine solche Ernährungsumstellung aber auf jeden Fall mit seinem Hausarzt absprechen. Zusätzlich können manche Unverträglichkeiten mit Medikamenten behandelt werden. „Bei einer Laktose- oder Histaminintoleranz können zum Beispiel die Enzyme, die dem Körper fehlen, zugeführt werden. Zusätzlich können bei einer Histaminintoleranz Medikamente, sog. Antihistaminika, zur akuten symptomatischen Therapie zum Einsatz kommen“, so Napiontek.
Weitere Informationen zu Unverträglichkeiten gibt es auf der Website der AOK:

 

Ein Thema, das regelmäßig aufkommt: Zusatzstoffe im Essen

Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach:
Wenn Sie selbst kochen, wissen Sie, was drin ist. Die Kartoffeln und das Gemüse vom Bauern aus der Nachbarschaft sollten gar kein Problem darstellen. Das Fleisch vom Metzger Ihres Vertrauens auch nicht, da der das Schlachtvieh ja auch von den Bauern der Umgebung bezieht. – Tja, schön wär´s.

Leider bedeutet unsere moderne und vernetzte Welt eben auch, dass Obst, Gemüse, Fleisch etc. wahnsinnige Transportwege zurücklegt. Da geht es manchmal um Verfügbarkeiten, wie Erdbeeren zu Weihnachten, und meist um den Preis. Manchmal wird das Rind auch einmal quer durch Europa gefahren, wegen der Subventionen, das ist ein fast bodenloses Thema.
Diese Zusatzstoffe im Essen werden zugesetzt, damit es z.B. haltbar bleibt, wegen des Transportweges. Wegen einer kleinen Prise ist das vielleicht noch nicht einmal ein Problem. Aber schon Paracelsus sagte „Die Dosis macht das Gift“, auch wenn das nur die verkürzte Aussage ist.

Wir wissen, je höher verarbeitet ein Lebensmittel ist, umso weniger Nutzen hat es für den Körper (auch wenn es schmeckt). Wenn wir uns also nur von hochverarbeiteten Lebensmitteln wie Fertiggerichten (die müssen haltbar gemacht werden) und Fastfood ernähren, sind die Probleme natürlich vorprogrammiert.

Andererseits hat ein Apfel, der noch frisch und fröhlich am Baum hängt, ungespritzt und ökologisch gedüngt, auch schon Stoffe aus der E-Liste. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind das 16, kleines Beispiel? – E140 – Chlorophyll, E 160a – Beta-Carotin, E 296 – Apfelsäure, E 300 – Ascorbinsäure (Vitamin C), E 460 Cellulose.

Also diese E-Nummern sagen gar nicht, dass es schlecht ist. Zum Problem kann es erst werden, wenn diese E-Nummer sagt, dass der Stoff synthetisiert wurde und zugesetzt wurde um etwas nachzubilden oder einen Effekt zu erreichen.

Wir haben für Sie Artikel mit Tipps zur gesunden Ernährung zusammengestellt.

Viel Freude beim Lesen und guten Appetit!
Matthias Böhmer


 

Veganer und Schwangere sollten täglich mit Jodsalz würzen

Angesichts des neuerlichen Jodmangels in Deutschland rät der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) dringend, konsequent jodiertes Speisesalz in der Küche zu verwenden. Vor allem Schwangere und Personen, die sich rein pflanzenbasiert ernähren, müssten auf eine ausreichende Versorgung mit dem lebensnotwendigen Spurenelement achten.

„Wir sehen in unserer Ambulanz immer häufiger junge Veganerinnen, die in Folge eines Joddefizits Schilddrüsenknoten entwickeln“, berichtet BDN-Experte Professor Dr. med. Markus Essler. Warnzeichen für Jodmangelstörungen können neben Heiserkeit auch empfindliche Hälse sein – Halstücher und Rollkragenpullis werden als drückend empfunden.

Aktuelle Daten zeigen, dass Deutschland wieder klar als Jodmangelgebiet gilt: Rund 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen erreichen nicht die empfohlene tägliche Jodzufuhr, wie repräsentative Untersuchungen des Robert Koch-Instituts (RKI) belegen. Hauptgründe sind veränderte Ernährungsgewohnheiten, etwa der Trend zu mehr pflanzenbasierten Produkten, und der rückläufige Einsatz von Jodsalz in der Lebensmittelindustrie.(1) Die deutschen Referenzwerte liegen derzeit bei 150 µg Jod pro Tag für Jugendliche und Erwachsene, mit erhöhtem Bedarf für Schwangere (220 µg täglich) und Stillende (230 µg täglich).

Schon milde Joddefizite beeinträchtigen den IQ

Werden die Referenzwerte deutlich unterschritten, kann es bei Erwachsenen zu Jodmangelstörungen wie einer Größenzunahme der Schilddrüse („Kropf“) oder der Bildung von Schilddrüsenknoten kommen. „Besonders gefährlich ist ein Jodmangel jedoch für Ungeborene und Kleinkinder“, betont Essler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Bonn. „Eine Unterversorgung in dieser Phase erhöht das Risiko für spätere Einschränkungen der intellektuellen Fähigkeiten und der Feinmotorik.“ Bereits milde Joddefizite in der Schwangerschaft können messbare IQ Verluste und Lernschwierigkeiten verursachen, wie Studien belegen.(2)

Praxen schicken vermehrt junge Veganerinnen

Mit Sorge betrachtet der Schilddrüsenspezialist deshalb die Entwicklung, die er in Ambulanzen und Praxen beobachtet. „Typischerweise treten Schilddrüsenknoten erst im Alter auf“, so Essler. „Jetzt aber schicken hausärztliche Praxen vermehrt auch junge Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter zu uns, die sich vegan ernähren.“ Weil die jungen Frauen häufig ersatzlos auf wichtige Jodlieferanten wie Milch und Milchprodukte, Eier, Meeresfisch und -früchte verzichten, riskieren sie mit der Zeit einen Jodmangel und können in der Folge an Schilddrüsenknoten leiden. „Wir erkennen die Patientinnen oft schon daran, dass sie mit großen Pulloverausschnitten im Wartezimmer sitzen, weil sie Rollkragen als störend empfinden und den Hals frei haben möchten“, berichtet Essler.

Substituieren mit Jodsalz, Jodtabletten, Jodtropfen oder Seealgen

Wer sich vegan ernährt, so der BDN-Experte, sollte daher unbedingt täglich Jodsalz verwenden, Kaliumjodid-Tabletten einnehmen oder Jodtropfen in vegane Produkte zusetzen. Was das Salz betrifft, gilt die Faustregel: 5 Gramm jodiertes Speisesalz – ein gestrichener Teelöffel – enthalten 75 bis 125 µg Jod.

„Alternativ kommen Seealgen als natürliche Quelle in Frage“, sagt Essler. Aber Vorsicht: Aufgrund schwankender und oft sehr hoher Jodgehalte besteht bei den Meerespflanzen das Risiko einer Jodvergiftung. „Auch Schwangere, Stillende und Kinder sind gut beraten, zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung 150 µg Jod pro Tag einzunehmen“, betont der BDN-Experte.

Urintest am Morgen

Frühe Anzeichen für einen Jodmangel sind diffus und können leicht übersehen werden – etwa Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gewichtszunahme, Frieren, Verstopfung, Haarausfall, depressive Stimmung, trockene Haut und brüchige Nägel. „Heiserkeit, Schluckbeschwerden und ein empfindlicher Hals sind dann schon eindeutigere Symptome“, erläutert der Nuklearmediziner. Ob ein Jodmangel vorliegt, kann ein Urintest am Morgen klären. „Hausärztinnen und Hausärzte sind dann die erste Anlaufstelle für die weitere Abklärung“, so Essler.

Quelle. Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.


 

Wie wirken stark verarbeitete Lebensmittel auf die Gesundheit?

Erwachsene, die viele stark verarbeitete Lebensmittel (ultra-processed foods UPF) konsumieren, haben wahrscheinlich ein höheres Risiko für Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für das Metabolische Syndrom und Allergien gibt es nicht genügend Daten, um Aussagen zum Zusammenhang mit dem UPF-Verzehr machen zu können; für Übergewicht/Adipositas bei Kindern und Jugendlichen sind die Ergebnisse in den eingeschlossenen Studien zu 15. DGE-Ernährungsbericht (Erscheinung Ende 2024) heterogen.

Etwa 50 % der Energieaufnahme stammen aus stark verarbeiteten Lebensmitteln (UPF)

Süßigkeiten, Gebäck, frittierte Snacks, Würstchen, Fleischersatzprodukte, Brotaufstriche und Fertiggerichte sind Beispiele für häufig stark verarbeitete Lebensmittel. Sie verdrängen zunehmend natürliche Lebensmittel und frisch zubereitete Speisen. Eine Ernährung mit einem hohen Anteil an stark verarbeiteten Lebensmitteln enthält meist viel Zucker, Salz und Fett, insbesondere gesättigte Fettsäuren, und gleichzeitig wenig Ballaststoffe, Proteine und Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe. In Deutschland stammten laut Berechnungen der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) bereits Anfang der 2000er-Jahre etwa 50 % der gesamten Energieaufnahme von Erwachsenen aus stark verarbeiteten Lebensmitteln. Ihr Konsum wird mit Adipositas und chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes sowie einer erhöhten Sterblichkeitsrate in Verbindung gebracht. Der beobachtete Zusammenhang basiert bislang weitestgehend auf Querschnitt- und Kohortenstudien, die die zugrundeliegenden Wirkmechanismen wenig untersucht haben.

Grundsätzlich werden Lebensmittel und Getränke, deren Rohstoffe viele Verarbeitungsprozesse durchlaufen haben, als stark verarbeitete Lebensmittel bezeichnet. Je nach Rezeptur enthalten sie weitere, insbesondere energiereiche Zutaten wie gesättigte Fettsäuren und Zucker sowie Zusatzstoffe wie Aromen, Konservierungsmittel und Farbstoffe. Der Anteil an essenziellen Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist dagegen oft gering.

Ein typisches Beispiel für hochverarbeitete Lebensmittel sind pflanzliche Milchalternativen aus Soja, Hafer, Mandel, Reis oder Erbsen, die zunehmend Kuhmilch ersetzen. Dr. Britta Nagl, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin, weist in ihrer Risikobewertung von Pflanzendrinks darauf hin, dass diese sich in ihrem Nährstoffprofil erheblich von Kuhmilch unterscheiden, insbesondere, wenn sie nicht mit Nährstoffen angereichert sind. Zu den langfristigen Auswirkungen eines häufigeren Konsums als Ersatz für Kuhmilch und den Langzeitkonsum auf die Gesundheit liegen bisher nur wenige Daten vor. Besonders für vulnerable Gruppen wie Kinder, Schwangere und Stillende können Nährstoffdefizite entstehen, wenn nicht angereicherte Produkte regelmäßig anstelle von Kuhmilch konsumiert werden. Nagl thematisiert auch mögliche Belastungen durch Schwermetalle und Mykotoxine.

Die französische Kohortenstudie NutriNet-Santé mit über 180 000 Teilnehmenden war eine der ersten internationalen Langzeitstudien, die die Zusammenhänge zwischen UPF und chronischen Erkrankungen nachwies und dadurch Ernährungsrichtlinien in mehreren Ländern beeinflusste. Aktuell rücken insbesondere Zusatzstoffe in den Blick: Das Forschungsprogramm ADDITIVES untersucht die Wirkung von Nitriten, künstlichen Süßstoffen, Emulgatoren und weiteren Stoffen, die in UPF weit verbreitet sind. Erste Ergebnisse belegen ein höheres Risiko für verschiedene Krebsarten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck. Auch die mögliche Rolle von Verpackungskontaminanten wird erforscht.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.(DGE)


 

Eagle eye – Heute: Geld-Geld-Geld

Wenn Sie schon so lange Mitglied im Diabetiker Bund sind, dass Sie ein paar Gesundheitsminister erlebt (oder überlebt?) haben, werden Sie sich erinnern, wie häufig die an der Versorgung der Diabetespatienten geschraubt haben, meist uns zum Nachteil. Nun herrschte einige Zeit Stille, das heißt ja aber oft, dass das dicke Ende noch kommt. Und siehe, die Finanzkommission Gesundheit hat ihren Bericht und ihre Empfehlungen vorgelegt. Wenn Sie sich dafür interessieren, finden Sie am Ende den Link dazu.

So viel lässt sich schon mal zusammenfassen: Es wird teurer!

Zum Beispiel sollen die Zuzahlungen auf Medikamente steigen bei 5,- Euro auf 7,50 Euro, bei jetzt 10,- Euro auf 15,- Euro. Beim Krankengeld sind die Überlegungen von jetzt 70% des Regelentgeldes auf 65% zu senken. Ich bin gespannt, was aus diesen Empfehlungen umgesetzt wird.
Wie gewohnt kämpfen wir im ersten Halbjahr um die Finanzen für den Verband. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses ist noch unklar, ob wir unsere Vorhaben in diesem Jahr umsetzen können, da die Förderbescheide noch nicht vorliegen, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt.

Wir werden das Thema Zusammenschluss, z.B. mit dem Landesverband Sachsen-Anhalt, spätestens im nächsten Jahr zur Mitgliederversammlung des Landesverbandes Sachsen wieder auf die Tagesordnung setzen und mit den Teilnehmern beraten. Vielleicht lässt sich dort dann auch schon ein Auftrag an den Vorstand formulieren, die Dinge entsprechend der Beschlusslage voranzutreiben.

Für das aktuelle Jahr steht jetzt erst einmal die Organisation der geplanten Projekte auf dem Programm, darunter auch wieder ein Austausch mit den Landesverbänden Ost, immer vorausgesetzt, dass die entsprechenden Fördermittel bewilligt werden.

Ich werde ein (Adler-)Auge darauf halten und berichten, kommen Sie gut durch den Sommer,

Ihr Matthias Böhmer

www.bundesgesundheitsministerium.de/finanzkommission-gesundheit


 

Jod wichtiger denn je!

Die bisher geltenden Werte von 200 µg/Tag für Erwachsene unter 51 Jahren und 180 µg/Tag für Erwachsene ab 51 Jahren hatten einen Zuschlag berücksichtigt, um die unzureichende Jodversorgung der Bevölkerung in Deutschland und Österreich zu verbessern. Dies entspricht nicht mehr der wissenschaftlichen Vorgehensweise sowie der Zielsetzung der Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, da sich diese nicht an Personen mit einem Nährstoffmangel richten.

Der Wert orientiert sich nun – wie bei Referenzwerten üblich – am durchschnittlichen Bedarf und nicht mehr am Ausgleich eines möglichen Defizits der Bevölkerung. Der neue Referenzwert für Säuglinge bis 4 Monate liegt bei 80 µg/Tag. Er hat sich verdoppelt, weil die Neubewertung zusätzlich auf aktuellen Bilanzstudien basiert und nicht, wie zuvor, nur auf dem Jodgehalt der Muttermilch.

Obwohl sich durch die Einführung von jodiertem Speisesalz und Anreicherung des Tierfutters die Jodzufuhr insgesamt verbessert hat und sichtbare Jodmangelerscheinungen wie der Kropf in Deutschland fast nicht mehr vorkommen, zeigen Daten des Robert Koch-Institutes (RKI) einen rückläufigen Trend in der Jodversorgung: So haben 44 % der Kinder und Jugendlichen und 32 % der Erwachsenen ein Risiko für eine zu geringe Jodzufuhr. Nach WHO-Kriterien herrscht in Deutschland ein milder Jodmangel. Eine längerfristige Unterversorgung mit Jod kann zu Funktionsstörungen der Schilddrüse mit weitgehenden gesundheitlichen Auswirkungen führen.

Die DGE empfiehlt für eine ausreichende Jodzufuhr eine konsequente Verwendung von jodiertem Speisesalz, täglich Milch und Milchprodukte sowie ein bis zwei Mal pro Woche Seefisch oder andere marine Lebensmittel zu essen. Schwangere und Stillende sollten zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit jodiertem Speisesalz ein Supplement mit 100 µg (bis 150 µg) Jod pro Tag einnehmen; bei Schilddrüsenerkrankungen sollte vorab ärztliche Rücksprache erfolgen.

Wofür braucht der Körper Jod und was passiert, wenn wir zu wenig aufnehmen?

Jod ist ein unverzichtbares Spurenelement, das wir über die Nahrung aufnehmen müssen. Der Körper braucht es, um die Schilddrüsenhormone zu bilden. „Die Hormone beeinflussen zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper wie den Energiestoffwechsel, den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel, die Knochenbildung und die Regulation der Körpertemperatur. In der kindlichen Entwicklung sind sie besonders für ein normales Wachstum und die Gehirnentwicklung von Bedeutung“, sagt Prof. Dr. Roland Gärtner, 1. Vorsitzender des Arbeitskreises Jodmangel (AKJ). Um einem Mangel vorzubeugen, muss Jod regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden. „Wird es in zu geringen Mengen aufgenommen, kann es je nach Schweregrad zu erheblichen gesundheitlichen Folgen kommen. Schon ein leichter bis milder Jodmangel, wie er hierzulande vorliegt, wirkt sich auf die Gesundheit einer Bevölkerung aus. Begonnen in der Schwangerschaft sowie im Säuglings- und Kleinkindalter mit einer beeinträchtigten körperlichen und neuronalen Entwicklung sowie einer verminderten geistigen Leistungsfähigkeit bis hin zu einem steigenden Risiko für Schilddrüsenvergrößerungen und -knoten sowie Funktionsstörungen bei Erwachsenen“, ergänzt Prof. Gärtner.

Wie kann eine ausreichende Jodversorgung erreicht werden?

„Eine ausreichende Jodzufuhr ist entscheidend für Gesundheit, Entwicklung und Leistungsfähigkeit. Besonders bei Kindern, Jugendlichen, Schwangeren und Stillenden sollten wir wieder mehr auf eine gute Jodversorgung achten“, sagt Dr. Christina Breidenassel, Referat Wissenschaft der DGE und Co-Autorin des Referenzwert-Kapitels zu Jod. Lebensmittel mit hohem Jodgehalt sind Seefische wie Kabeljau oder Seelachs und andere Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen und Algen. Algen und -präparate, bei denen der Jodgehalt nicht ausgewiesen ist, sind aufgrund der stark schwankenden Gehalte nicht zu empfehlen. Dies ist insbesondere bei Vorliegen einer Funktionsstörung der Schilddrüse wichtig.

Tierische Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte sowie Eier sind bei entsprechender Tierfütterung ebenfalls gute Jodlieferanten, besonders bei vegetarischer Ernährung. Pflanzliche Lebensmittel wie Getreide, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte sind in der Regel jodarm, weil die Böden hierzulande nur wenig Jod enthalten. Jodiertes Speisesalz und damit hergestellte Lebensmittel sind eine wichtige Jodquelle. Es konsequent zu verwenden, trägt maßgeblich zur Jodversorgung bei. Egal, ob es darum geht, Salz zu Hause in der eigenen Küche, beim Essen außer Haus zu verwenden oder verarbeitete Lebensmittel im Supermarkt, in der Bäckerei oder Metzgerei zu kaufen. Daher gilt: Wenn Salz, dann Jodsalz! Hierzu informiert die Informationsoffensive des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wie die Jodversorgung einfach über die Verwendung von Jodsalz erreicht und gesichert werden kann.

Auch pflanzliche Milchalternativen wie Hafer-, Reis-, Mandel- und Sojadrinks enthalten praktisch kein Jod. Die DGE rät hier zu angereicherten Produkten, insbesondere bei veganer Ernährung. Ansonsten sollte eine Zufuhr aus anderen Lebensmitteln oder Nährstoffpräparaten erfolgen. So kann der regelmäßige Verzehr von Meeresalgen mit moderatem Jodgehalt, wie zum Beispiel Nori, zur Jodversorgung beitragen.

Besteht bei Jodsalz und anderen jodhaltigen Lebensmitteln das Risiko einer Überdosierung?

Das Risiko einer Überversorgung mit Jod über Lebensmittel ist gering. Der Jodgehalt in Salz ist in Deutschland streng geregelt und liegt bei 15 bis 25 mg Jod/kg Salz, somit enthält ein gehäufter Teelöffel Jodsalz nur circa 100 µg Jod. Auch für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sind jodhaltige Lebensmittel wie Seefisch oder Milch und jodiertes Speisesalz unkritisch. Eine übermäßige Jodzufuhr kann nur durch den Verzehr von Algen mit einem hohen Jodgehalt ≥ 20 mg/kg oder hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel entstehen.

Quelle: Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.(DGE)


 

Fasten bei Diabetes: Religiöse Pflicht und Lifestyle-Trend

Mit Ramadan und Fastenzeit beschäftigen sich viele Menschen mit dem bewussten Verzicht auf Nahrung. Gleichzeitig erfreut sich Intervallfasten als Lifestyle-Trend wachsender Beliebtheit.
Für die über 9 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland ist Fasten jedoch keine reine Glaubens- oder Gesundheitsfrage, sondern stark mit ihrer Diabetestherapie gekoppelt. Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) ordnet die aktuelle Studienlage ein und zeigt, für wen Fasten infrage kommt, welche Regeln gelten und wann dringend davon abzuraten ist. Entscheidend sind Diabetestyp, Therapieform und Anlass des Fastens.
Religiöses Fasten – etwa im Ramadan – bedeutet meist einen vollständigen Verzicht auf Essen und Trinken über viele Stunden hinweg, verbunden mit nächtlichen Mahlzeiten, verändertem Schlaf und eingeschränkter Flüssigkeitszufuhr.
Lifestyle-Fasten wie das Intervallfasten erlaubt dagegen regelmäßiges Trinken und flexible Essensfenster. Diese Unterschiede wirken sich direkt auf den Blutzucker, den Flüssigkeitshaushalt und den Insulinbedarf aus. „Fasten ist also nicht gleich Fasten. Für Menschen mit Diabetes macht das einen entscheidenden Unterschied“, sagt Theresia Schoppe, Vorstandsmitglied des VDBD, Diabetesberaterin und Oecotrophologin B.Sc. aus Warstein.

Typ-2-Diabetes: strukturierte Fastenformen können helfen

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigen Studien klare Vorteile, wenn Fasten geplant und begleitet erfolgt. Klinische Untersuchungen wie die INTERFAST-2-Studie belegen, dass intermittierendes Fasten über zwölf Wochen den Langzeitblutzucker HbA1c um etwa 0,5 bis 1 Prozentpunkte senken kann. Gleichzeitig verloren die Teilnehmenden im Schnitt 4 bis 5 Kilogramm Gewicht, und der tägliche Insulinbedarf sank um rund 9 Einheiten, ohne dass schwere Unterzuckerungen auftraten.
Geeignet sind vor allem strukturierte Formen wie das 16:8-Modell oder das 5:2-Fasten. Wichtig ist ein vorsichtiger Einstieg: Zu Beginn sollten Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente häufig um 20 bis 30 Prozent reduziert werden. Der Blutzucker sollte mindestens viermal täglich kontrolliert werden, idealerweise mit kontinuierlicher Glukosemessung (CGM). Auch die Ernährung im Essensfenster spielt eine Rolle. Eiweiß- und ballaststoffreiche Mahlzeiten mit moderatem Kohlenhydratanteil entlasten den Stoffwechsel und helfen, starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. „Fasten kann den Stoffwechsel entlasten, aber nur, wenn die Therapie angepasst wird“, betont Schoppe. Ohne Beratung steige das Risiko für Unterzuckerungen deutlich.

Typ-1-Diabetes: Fasten ist eine Hochrisiko-Situation

Anders ist die Lage bei Typ-1-Diabetes (absoluter Insulinmangel) oder insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes mit verringerter Insulinsekretion. Schon kurze Fastenphasen können zu gefährlichen Unterzuckerungen oder zu einer diabetischen Ketoazidose führen. Studien und Erfahrungen aus dem Ramadan zeigen, dass sich das Risiko für schwere Stoffwechselentgleisungen dabei um ein Mehrfaches erhöht. Empfohlen werden dann höchstens milde Formen mit kurzen Essenspausen, eine Reduktion des Basalinsulins um bis zu 50 Prozent, sehr häufige Blutzuckerkontrollen – alle zwei bis drei Stunden – beziehungsweise die kontinuierliche Messung mit CGM sowie zusätzliche Keton-Messungen. Zusätzlich sollten Fastende dringend auf Symptome für erhöhte Ketonwerte, wie Übelkeit, Benommenheit oder Müdigkeit, achten.
Ramadan-Fasten: besondere Regeln für Menschen mit Diabetes
Beim Ramadan-Fasten gelten zusätzliche Anforderungen. Menschen mit Typ-2-Diabetes können fasten, wenn der Stoffwechsel stabil eingestellt ist, etwa bei einem HbA1c unter 8 Prozent. Die Medikation muss vorab angepasst werden, die Blutzuckerwerte sollten mehrfach täglich gemessen werden – vor dem Fastenbrechen, danach, nachts und vor der Mahlzeit vor Sonnenaufgang. Die abendliche Mahlzeit sollte den Blutzucker nicht unnötig belasten, und ausreichendes Trinken in der Nacht ist essenziell.
Bei Menschen mit Diabetes Typ 1 und instabilen Werten, Hypo-Neigung oder Diabetes-Komplikationen wie Nierenschäden rät der VDBD klar davon ab, zu fasten. „Allen anderen möchten wir nicht pauschal abraten, doch es braucht in jedem Fall eine spezialisierte Betreuung, klare Abbruchregeln und die Bereitschaft, das Fasten bei Auffälligkeiten sofort zu beenden“, so Schoppe. „Denn im Zweifel gilt immer: Sicherheit geht vor Fasten.“ So sollte bei einem Blutzuckerspiegel von unter 70 mg/dl oder über 250 mg/dl und nachgewiesenen Ketonen dringend ärztliche Hilfe eingefordert werden.
Für die passende Ernährung während der Fastenzeit empfiehlt die Diabetesberaterin für den Suhoor (Mahlzeit vor Sonnenaufgang) Lebensmittel mit einem hohen Ballaststoffgehalt zu wählen, die das Hungergefühl hinauszögern. Dazu gehören Vollkornprodukte bei Brot und Reis, Grieß, Haferflocken und Joghurt, Linsen und andere Hülsenfrüchte, gekochte Eier und viel Flüssigkeit, Das abendliche Fastenbrechen, der Iftar, sollte viel Gemüse oder Salat beinhalten, um den Stoffwechsel nicht übermäßig zu belasten.

Warum Diabetesberatung beim Fasten unverzichtbar ist

Fasten beeinflusst Blutzucker, Insulinwirkung und Flüssigkeitshaushalt zugleich. Diabetesberaterinnen und Diabetesberater unterstützen dabei, Risiken realistisch einzuschätzen, Messstrategien festzulegen und Notfallsituationen zu erkennen. „Fasten darf nie auf eigene Faust begonnen werden – weder aus religiöser Überzeugung noch aus gesundheitlichem Ehrgeiz“, betont Schoppe.

Diabetes-Checkliste zur Fastenzeit

Vorab klären

  • Risiken bei eigenem Diabetestyp kennen
  • Mit meinem Diabetesteam sprechen
  • Insulin oder Medikamente (z.B. SGLT-2-Hemmer) anpassen/reduzieren, um eine euglykämische Ketoazidose zu vermeiden
  • Unterzuckerungen und Ketoazidose erkennen und behandeln können

Während des Fastens

  • Blutzucker und Ketone häufiger messen
  • Ausreichend trinken
  • Warnzeichen ernst nehmen

Fasten sofort beenden bei

  • Unterzuckerung
  • stark erhöhtem Blutzucker
  • Schwindel, Übelkeit, Zittern
  • Unsicherheit oder schlechtem Gefühl

Quelle: Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V.