Anmerkungen des Landesverbandes zu obigem CGM-Artikel

Im „Tagesgeschäft“ der Landesgeschäftsstelle sind wir regelmäßig und auch immer wiederkehrend mit der Frage zur Genauigkeit der Messsysteme konfrontiert.

Das passiert, seit wir die Möglichkeit der Blutzuckermessung mit den BZ-Messgeräten der vielen unterschiedlichen Anbieter haben. Natürlich setzt sich diese Frage auch mit den CGM-Geräten fort, auch wenn dort gar nicht der Blutzuckerspiegel, sondern der Glucose-Anteil in der Gewebsflüssigkeit gemessen wird.

Oft bekam ich zu hören, dass der BZ-Wert zwischen zwei Messgeräten unterschiedlich angezeigt wird. Das ist logisch, denn diese Patientengeräte sollen uns in der täglichen Therapie unterstützen. Dafür ist es nicht notwendig, dass sie absolut genau sind und geeicht werden wie Laborgeräte. Also Abweichungen der Messwerte von Gerät zu Gerät in einem bestimmten Bereich sind völlig in Ordnung.

Nun kommen die CGM-Systeme dazu, dort ist es natürlich ähnlich. Unterschiedliche Hersteller und unterschiedliche Systeme bewirken auch hier Abweichungen vom geeichten Laborgerät. Dazu kommt dann noch, dass CGM-Systeme ja nicht den Blutzuckerspiegel sondern die Glucose in der Gewebsflüssigkeit messen. Da steigt und sinkt der Glucosespiegel immer ein bisschen verzögert zum Blutwert. Das wissen die Hersteller natürlich und versuchen, es im Algorithmus zu berücksichtigen.

Alles in allem ist es jedoch ein ganz fantastischer Fortschritt und eine wunderbare Therapieunterstützung, auch bei den Abweichungen, wenn Sie dagegen überlegen, dass wir vorher Urinteststreifen hatten. Die zeigen ja erst an, wenn die Nierenschwelle überschritten ist, dann ist der Zuckerspiegel aber eben auch garantiert zu hoch.

Matthias Böhmer


 

32. Gesundheitstag im Merse – Center in Merseburg

Am 09. April fand im Merse-Center in Merseburg unter dem Motto „Herz, Seele und Bewegung im Gleichgewicht“ der Gesundheitstag statt.

Es beteiligten sich viele Selbsthilfegruppen, verschiedene Fachabteilungen des Gesundheitsamts, Krankenkassen und Gesundheitseinrichtungen. So auch Frau Kirchhof mit der Selbsthilfegruppe Diabetes.

Am Nebenstand präsentierte sich die Selbsthilfegruppe Osteoporose und Morbus Bechterew hinter uns die SHG Borderline und SHG EU-Rentner.
So konnte man von Stand zu Stand in der gesamten Passage Informationen einholen. Diese große Auswahl fand regen Zuspruch von Interessenten, die einfach nur mal schauen wollten und Betroffenen, die sich über Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfsangebote informierten.

Wie jedes Jahr waren auch Schulklassen unterwegs, die an den Ständen gezielt Fragen zu Erkrankungen, Einrichtungen und Angeboten stellten. Auch an unserem Stand wollten die Kinder und teils Jugendlichen, Informationen zur Erkrankung Diabetes und vorbeugenden Maßnahmen wissen. Frau Kirchhof gab hier gezielt Antworten und beantwortete geduldig alle Fragen zum Thema Diabetes.

Im Regionalteil der Mitteldeutschen Zeitung wurde über den Gesundheitstag berichtet. Der Reporter war auch an unserem Stand und die Aussagen von Frau Kirchhof zu den Reporterfragen waren in der Samstagausgabe 11.04.2026 nachzulesen.

Auch im kommenden Jahr wird die SHG-Diabetes mit Frau Kirchhof wieder zum Gesundheitstag vertreten sein.

Annerose Winter


 

Diabetes und Straßenverkehr

Aktualisierte Leitlinie räumt mit überholten Annahmen im Verkehrs- und Berufsrecht auf und fordert Anpassungen

Der Ausschuss „Soziales“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) hat die S2e-Leitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ aktualisiert. Die neue Fassung zeigt: Moderne Diabetestechnik und Medikamente, die keine Unterzuckerungen bewirken, erhöhen die Sicherheit im Straßenverkehr deutlich. Gleichzeitig schaffen sie neue Perspektiven für Millionen Menschen mit Diabetes, insbesondere bei Tätigkeiten mit hoher Verantwortung.
Experten fordern, veraltete berufliche und verkehrsrechtliche Vorgaben an den aktuellen medizinisch-diabetologischen Wissensstand anzupassen, um pauschale Vorverurteilungen von Menschen mit Diabetes und damit Diskriminierungen zu verhindern.
Seit der ersten Leitlinienfassung aus dem Jahr 2017 hat sich die Diabetesbehandlung spürbar weiterentwickelt. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes erhalten heute Medikamente, die keine Unterzuckerungen auslösen. Bei insulinpflichtigen Menschen kommen zunehmend Systeme zum Einsatz, die den Glukoseverlauf kontinuierlich anzeigen (CGM) oder die Insulinabgabe automatisiert anpassen (AID-Systeme). Warnsignale machen kritische Werte früh sichtbar.
„Diese Fortschritte haben die Stoffwechselkontrolle grundlegend verändert“, erklärt Mitautor der Leitlinie, Dr. med. Friedrich W. Petry. Eine Unterzuckerung bleibe zwar das größte Risiko im Straßenverkehr. Doch die Zahl solcher Ereignisse sei durch moderne Technik und Schulungen deutlich gesunken. Der Diabetologe am Medicum Wetzlar betont, dass das Risiko von Autounfällen bei Menschen mit Diabetes nur leicht erhöht sei, vor allem im Vergleich zu anderen Erkrankungen, die das Unfallrisiko wesentlich stärker steigern – wie ADHS oder obstruktive Schlafapnoe (OSAS). Die Leitlinie empfiehlt klare Regeln für den Alltag: Vor Fahrtantritt sollen Betroffene ihren Glukosewert prüfen und nur starten, wenn er ausreichend hoch ist. Menschen mit kontinuierlicher Glukosemessung sollen die Warnfunktionen aktiviert haben und auf Trendpfeile achten. Bei kritischen Werten sollen sie die Fahrt unterbrechen und ihren Glukosewert stabilisieren.

Leitlinie fordert Neubewertung beruflicher Vorgaben

Neben der Fahrsicherheit rückt durch die Leitlinie die berufliche Teilhabe in den Mittelpunkt. Viele Vorschriften, die Menschen mit Diabetes vom Zugang zu bestimmten Tätigkeiten – wie bei der Polizei, der Feuerwehr oder im Flug- oder Schifffahrtsverkehr – ausschließen, basieren nach Angaben des Ausschusses „Soziales“ der DDG auf überholten Einschätzungen. Die Fortschritte in Therapie und Technik werden dort bislang kaum berücksichtigt. „Viele berufsbezogene Vorgaben stammen aus einer Zeit, in der Glukosemessungen nur wenige Momentaufnahmen lieferten“, so Dr. med. Wolfgang Wagener, Koordinator der Leitlinie und Vorsitzender des DDG Ausschusses „Soziales“. Heute ermögliche die moderne Diabetologie ein hohes Maß an Kontrolle, Steuerung und Sicherheit im Arbeitsalltag. Pauschale Ausschlüsse allein aufgrund der Diagnose seien medizinisch nicht mehr gerechtfertigt und daher diskriminierend. Wagener fordert, alle berufsrechtlichen Vorgaben und Regelwerke zu überprüfen und an den aktuellen Stand anzupassen. „Dies ist auch aus volkswirtschaftlichen Gründen sinnvoll. Wir können es uns nicht erlauben, auf motivierte und einsatzfähige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu verzichten“, gibt Wagener zu bedenken. Die Leitlinie sieht deshalb vor, individuelle Risiken und Kompensationsmöglichkeiten stärker zu berücksichtigen. Dazu gehören Therapieform, Erfahrung im Umgang mit der Erkrankung, Nutzung von Warnsystemen und regelmäßige Schulungen.

Erfahrungsbericht zeigt: leistungsfähig trotz Diabetes

Wie moderne Behandlung berufliche Chancen erweitert, zeigt Jens Wicklein, Zollbeamter mit Typ-1-Diabetes und seit vielen Jahren in sicherheitsrelevanten Tätigkeiten aktiv. Er fährt Lkw und Bus, arbeitet im waffentragenden Ermittlungsdienst und engagiert sich seit vielen Jahren in Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdienst. „Ich lebe seit meinem 14. Lebensjahr mit Typ-1-Diabetes. Mit Disziplin, Verantwortung und moderner Technik kann ich meinen Alltag sicher gestalten – auch in Tätigkeitsbereichen, die hohe Konzentration verlangen“, sagt Wicklein. Moderne Sensoren und Pumpen machten möglich, was früher ausgeschlossen war: „Vor einigen Jahrzehnten wäre vieles, was ich heute mache, kaum denkbar gewesen. Warnsysteme geben mir ein hohes Maß an Sicherheit.“ Gegen Vorurteile setzt er ein klares Signal: „Einige Vorstellungen von Diabetes stammen aus einer Zeit, in der die Behandlung unzuverlässiger war. Heute zeigen mein Alltag und der vieler anderer, dass Diabetes kein Ausschlusskriterium mehr sein darf.“

Konkrete Empfehlungen für mehr Sicherheit und Teilhabe

Die Leitlinie fasst erstmals alle aktuellen Handlungsempfehlungen zusammen. Sie richtet sich an Menschen mit Diabetes, behandelnde Teams sowie Behörden und Gutachterinnen und Gutachter. Ziel ist es, eine verlässliche Grundlage für Beratung, Begutachtung, Bewertung und politische Entscheidungen zu schaffen. Demnächst wird es auch eine Patientenleitlinie geben, die sich ausschließlich an Betroffene richtet.
Petry betont: „Erhöhte Glukosewerte allein führen nicht zu einer eingeschränkten Fahreignung. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob Konzentration, Aufmerksamkeit oder Sehen beeinträchtigt sind.“ Die moderne Diabetologie könne viele Risiken ausgleichen. Kompensation ist vielfach möglich. Deshalb dürften Menschen mit Diabetes nicht pauschal von besonderen Tätigkeiten ausgeschlossen werden.

DDG appelliert an Politik und Behörden

Die DDG sieht die aktualisierte Leitlinie als Impuls, bestehende Gesetze und insbesondere berufsbezogene Vorschriften an den medizinischen Fortschritt anzupassen. Der Ausschuss „Diabetes und Soziales“ der DDG setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Diabetes nicht aufgrund ihrer Diagnose benachteiligt werden. „Es ist Zeit, alte Regeln zu überdenken“, sagt Wagener. Moderne Therapie und Technik ermöglichten eine stabile Stoffwechsellage und damit ein hohes Maß an Sicherheit – im Straßenverkehr und im Beruf. Die Leitlinie solle dazu beitragen, Menschen mit Diabetes neue Perspektiven zu eröffnen.

Kernaussagen der Leitlinie (LL)

Erhöhte Zuckerwerte:

Im Gegensatz zu Unterzuckerungen haben erhöhte und auch deutlich erhöhte Zuckerwerte allein aktuell keinen nachgewiesenen Einfluss auf die Fahrsicherheit und Fahreignung. Die LL und die Empfehlungen zur Fahrsicherheit von Menschen mit Diabetes (MmD) geben keine expliziten Einschränkungen der Fahrsicherheit oder einen Grenzwert des HbA1c-Wertes bezüglich der Hyperglykämie (erhöhter Glukosewerte). Nur wenn Konzentration, Reaktion und Aufmerksamkeit beeinträchtigt sind, ist die Fahrsicherheit gefährdet. Ebenso bei Stoffwechselentgleisung und Ketoazidose sowie dem Auftreten von Sehstörungen bei schneller Blutzuckersenkung, längerer Erhöhung oder bei Erstmanifestation. Die Fahreignung ist erst dann wieder vorhanden, wenn die Sehstörungen verschwunden sind und eine stabile Stoffwechsellage besteht.

Unterzuckerungen:

Die Gefährdung der Fahrsicherheit geht beim Diabetes in erster Linie vom Auftreten einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) mit Kontrollverlust, Verhaltensstörung oder Bewusstseinsbeeinträchtigung aus.
Eine uneingeschränkte Hypoglykämie-Wahrnehmung ist Voraussetzung für die Fahreignung. MmD mit mehr als einer Fremdhilfe bedürftigen Hypoglykämie im Wachzustand in den letzten 2 Monaten sind in der Regel für das Führen eines Kraftfahrzeugs so lange ungeeignet, bis wieder eine hinreichende Stabilität der Stoffwechsellage sowie eine zuverlässige Wahrnehmung von Hypoglykämien sichergestellt ist. Unverändert gilt, dass das größte Risiko im Straßenverkehr bei MmD eine starke Unterzuckerung ist.

Begleit- und Folgekrankheiten:

Begleit- und Folgekrankheiten können einen erheblichen Einfluss auf die Fahreignung von MmD haben. Kardiovaskuläre Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall), diabetisches Fußsyndrom (Amputation),
Retinopathie (Sehvermögen) und bei DM T2 besonders das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)können die Fahreignung passager oder dauerhaft einschränken.

Kontextfaktoren:

Umgebung, Beruf, Begleit- und Folgekrankheiten, soziale Faktoren und Stress können die Fahreignung passager oder dauerhaft einschränken.

Verhalten vor Fahrtantritt:

MmD mit einem Hypoglykämierisiko aufgrund ihrer Diabetestherapie sollen sicherstellen, dass sie vor Fahrtantritt einen für sie ausreichend hohen Glukosewert (Empfehlung in den meisten Fällen ≥ 90 mg/dl [5 mmol/l]; Schwangere ≥ 80 mg/dl [4,4 mmol/l]) aufweisen.
Liegt der Glukosewert unter 90 mg/dl (5 mmol/l) / Schwangere unter 80 mg/dl (4,4 mmol/l), soll vor Fahrtantritt durch Essen oder Trinken schnell resorbierbarer Kohlenhydrate sichergestellt werden, dass der Glukosespiegel wieder über diesem Schwellenwert liegt. Die Fahrt soll erst danach angetreten werden.
Nutzende von CGM sollen vor Fahrtantritt sicherstellen, dass die Alarmgrenzen so hoch eingestellt sind, dass rechtzeitig vor einer Hypoglykämie gewarnt wird, und die Trendpfeile beachten.
Quelle:

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)


 

Liebe Mitglieder des Landesverbandes,

nun gehört das 1. Quartal 2026 der Vergangenheit an und wir mussten uns durch die politische Lage in der medizinischen Versorgung, den ständig steigenden Fachärztemangel und auch der deutlichen Veralterung der Selbsthilfegruppen weiteren neuen großen Herausforderungen stellen.

Ich möchte mich auf diesem Weg herzlich bei den Mitgliedern des Vorstandes, insbesondere Frau Kirchhof und Frau Winter sowie den Selbsthilfegruppenleitern für ihr Engagement trotz der widrigen Umstände, ganz herzlich bedanken.

In Deutschland gibt es aktuell rund 11 Millionen Menschen mit Diabetes, darunter mindestens 9.1 Millionen mit einem diagnostizierten Typ-2-Diabetes und 340.000 Erwachsene sowie 37.000 Kinder und Jugendliche (bis zum Alter von 20 Jahren) mit Typ-1-Diabetes. Zusätzlich wissen mindestens weitere 2 Millionen noch nichts von ihrer Erkrankung. Pro Jahr treten 450.000 Neuerkrankungen an Typ-2-Diabetes auf. Es wird damit gerechnet, dass hierzulande bis zum Jahr 2040 etwa 12,3 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sein werden. Bei 95 Prozent der Betroffenen liegt ein Typ-2-Diabetes vor.

Jährlich erkranken rund 4.000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre neu an Typ-1-Diabetes. Die Rate der Typ-1-Diabetes-Neuerkrankungen steigt derzeit jährlich um 3 bis 5 Prozent an. Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes wird mit einer Insulinpumpe behandelt. Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Sozialstatus und/oder Migrationshintergrund haben ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Adipositas, dem stärksten Risikofaktor für Diabetes Typ 2. Mit der richtigen Therapie sind Kinder mit Diabetes genauso belastbar und leistungsfähig wie andere, stoffwechselgesunde Kinder.

Aktuell sind rund 7000 Diabetologen in Deutschland in verschiedenen ambulanten und stationären Einrichtungen tätig. Dadurch ist jedoch eine flächendeckende Versorgung nicht gewährleistet. Angesichts der geringen Anzahl an Fachärzten/-innen im Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie ist es nicht verwunderlich, dass die Wartezeit für einen ambulanten Sprechstundentermin oft mehrere Monate beträgt. In sehr vielen Kliniken ist das Spezialgebiet „Endokrinologie und Diabetologie“ überhaupt nicht vertreten. Gefordert wird – wie schon seit Jahrzehnten – eine Neuordnung der Rollenverteilung zwischen ambulantem und stationärem Sektor.

Durch die Umsetzung des im Januar 2025 in Kraft getretenen Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes (KHVVG) sollte sich die Qualität der Patientenversorgung verbessern. Nach wie vor wird die Umsetzung dieser Wahlversprechen im Interesse der Diabetespatienten gefordert.

Am 21.03 waren ich, Frau Kirchhof, Frau Silke Jungmann und Frank Schröder zum Selbsthilfetag in Wittenberg, welcher unter dem Motto Diabetes stand. Die Veranstaltung war hervorragend durch Frau Petra Trollius, Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle in Wittenberg und ihrem Team organisiert und daher auch gut besucht. Am 09.04.2026 waren Frau Kirchhof und Frau Winter beim Gesundheitstag im Merseburger Merse-Center.

Unser Landesverband feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Dies nehmen wir zum Anlass, am 10.10.2026 einen Diabetikertag in Halberstadt durchzuführen. Auch haben wir in diesem Jahr wieder einen Tag der offenen Tür am 17.06.2026 in unserer Landesgeschäftsstelle in Merseburg geplant.

Ich wünsche Ihnen alles Gute, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!
Ihr Frank-Burkhard Biester
Landesvorsitzender

Für einen gesunden Schlaf:

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Erholsamer Schlaf ist eine zentrale Voraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden. Dennoch haben viele Menschen damit Probleme: Eine aktuelle Befragung der Stiftung Gesundheitswissen zeigt, dass rund jede vierte Person in Deutschland unter Schlafstörungen leidet. Oft lässt sich die Schlafqualität bereits durch einfache Anpassungen der sogenannten Schlafhygiene spürbar verbessern. Passend dazu stellt die Stiftung Gesundheitswissen ihr aktualisiertes, kostenfreies Informationsangebot rund um das Thema Schlaf vor.
Laut der Befragung berichten 22 Prozent der Menschen in Deutschland, dass sie Schwierigkeiten haben, durchzuschlafen oder deutlich zu früh aufwachen. Neun Prozent geben an, Probleme beim Einschlafen zu haben. Die Folgen von schlechtem Schlaf sind vielfältig: Kurzfristig kommt es häufig zu Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und verlangsamten Reaktionen – ein nicht zu unterschätzendes Risiko, etwa im Straßenverkehr. Langfristig kann Schlafmangel die Gesundheit beeinträchtigen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Schlaf unter anderem das Immunsystem, den Stoffwechsel und das Hormonsystem beeinflusst. Umso wichtiger ist es, die eigenen Schlafgewohnheiten in den Blick zu nehmen – oft reichen schon kleine Veränderungen im Alltag.

Den eigenen Rhythmus finden – Grundlage für gesunden Schlaf

Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann wesentlich dazu beitragen, dauerhaft besser zu schlafen. Hilfreich sind dabei folgende Ansätze:
  • Regelmäßigkeit: Wer möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett geht und aufsteht – auch am Wochenende oder an Feiertagen – unterstützt seinen natürlichen Schlafrhythmus.
  • Chronotypen beachten: Der Schlafrhythmus sollte zum individuellen Schlaftyp passen. Menschen mit einem sogenannten „Eulen-Typ“, die abends spät müde werden und morgens länger schlafen möchten, haben es schwerer, sich an sehr frühe Aufstehzeiten anzupassen.
  • Mittagsschlaf mit Bedacht: Ein kurzer Mittagsschlaf kann erholsam sein, sollte jedoch nicht länger als 20 Minuten dauern. Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte besser ganz darauf verzichten.

Das Schlafzimmer als Ort der Ruhe gestalten

  • Auch die Schlafumgebung spielt eine entscheidende Rolle für erholsame Nächte. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich das Schlafzimmer schlaffördernd einrichten:
  • Dunkelheit: Licht kann den Schlaf stören. Blickdichte Vorhänge oder Rollläden sowie das Entfernen leuchtender Displays helfen, den Raum zu verdunkeln. Auch der Wecker sollte so stehen, dass das Zifferblatt nachts nicht sichtbar ist.
  • Frische Luft: Kurzes Lüften vor dem Schlafengehen sorgt für ein angenehmes Raumklima.
  • Angenehme Temperatur: Ideal ist eine Raumtemperatur von unter 18 Grad Celsius.
  • Ruhe: Eine möglichst geräuscharme Umgebung fördert den Schlaf.
  • Lassen sich Lärmquellen wie Straßenverkehr oder ein schnarchender Partner nicht vermeiden, können Ohrstöpsel eine einfache Lösung sein.
  • Gewohnheiten hinterfragen: Rituale statt Schlafmythen
Rund um das Thema Schlaf halten sich zahlreiche Mythen, die der Nachtruhe eher schaden als nutzen. Um die Gesundheitskompetenz zu stärken, klärt die Stiftung Gesundheitswissen darüber auf und zeigt schlaffördernde Alternativen auf:
Mythos „Schlummertrunk“: Alkohol vor dem Einschlafen kann zwar müde machen, verschlechtert jedoch die Schlafqualität. Der Alkoholabbau führt insbesondere in der zweiten Nachthälfte zu leichterem Schlaf und häufigerem Erwachen.
Leicht statt schwer: Schwere Mahlzeiten am Abend sowie Koffein und Nikotin können den Schlaf beeinträchtigen. Besser sind beruhigende Abendrituale, die beim Abschalten helfen – etwa eine Tasse warmer Milch oder Kräutertee, ein Buch lesen, ruhige Musik hören, Tagebuch schreiben oder Entspannungsübungen.

Weitere Informationen zum Thema Schlafhygiene:

Mit ihrem aktualisierten Informationsangebot unterstützt die Stiftung Gesundheitswissen dabei, Schlafprobleme besser zu verstehen und alltagstaugliche Wege zu einem erholsameren Schlaf zu finden.

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal


 

16. Selbsthilfe-Forum in Lutherstadt Wittenberg

Am 21. März 2026 von 13.00. bis 17.00 Uhr fand in Lutherstadt Wittenberg das 16. Selbsthilfe-Forum statt.
Der Deutsche Diabetiker Bund, Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. war mit einem Stand vor Ort. Herr Biester, Herr Schröder, Frau Jungmann und Frau Kirchhof nahmen daran teil.
Im Fokus der Veranstaltung stand das Thema Diabetes „WISSEN IST STÄRKE“. Das Angebot an interessanten Themen war groß. Es fanden Blutzuckermessungen, Lipid-Messungen, Ernährungsquiz, Podologische Fußberatungen, Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche statt. Außerdem fanden Diabetes-Fachvorträge statt.
Herr Biester Vorsitzender vom Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. hielt einen Vortrag über „Diabetes verstehen! Welche Unterstützung steht uns zu?“
Die Beteiligung war groß und wir konnten an unserem Stand vielen Tipps und Hinweise zur Erkrankung und auch zur Prävention geben.
Mit dem Forum bot die Stadt ihren Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, um
sich einen Überblick über die verschiedenen Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise im gesamten Landkreis zu verschaffen,
sich über die überregionalen Angebote bei seltenen Erkrankungen zu informieren
Informationen über die Arbeit der einzelnen Selbsthilfegruppen zu erhalten.
Durch solche Veranstaltungen ist es möglich viele Menschen zu erreichen und teilweise Ängste bei Betroffenen abzubauen. Der Diabetes ist eine Erkrankung, bei der  die Betroffenen ihre Erkrankung selbst in die Hand nehmen und täglich managen müssen. Dazu gehört viel Wissen, welches der Landesverband anbietet.
Christa Kirchhof


Kicken mit dem FC Diabetes

Seit drei Jahren gibt es den FC Diabetes e. V. Es ist ein deutschlandweiter Verein von fußballbegeisterten Kindern und Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes und ihren Familien. Der FC Diabetes e.V. sucht weitere Mitstreiter(innen) – nicht zuletzt für das große internationale Fußballturnier im Herbst.

Du hast Typ 1 Diabetes, magst Fußball und würdest dich gerne mit Gleichgesinnten treffen oder spielen. Vielleicht trifft dies auf Ihr Kind zu. Dann auf zum FC Diabetes!

Der FC Diabetes e. V. ist ein Verein für Kinder und Jugendliche mit Typ 1 Diabetes, ihre Eltern und Geschwister sowie junge Diabetiker(innen). Unter anderem sind der Austausch und die Vernetzung untereinander, also zu zeigen, dass die Jungen und Mädchen mit ihrer Krankheit nicht allein sind, ein Ziel des Vereins. Dass die Krankheit kein Grund ist, nicht Sport zu treiben, im Gegenteil wollen wir damit deutlich machen.

Der Spaß am Kicken steht über allem

Der Verein hat gut 220 Mitglieder, die aus ganz Deutschland kommen. Wir bauen derzeit verschiedene regionale Stützpunkte auf. Bereits im Großraum München und Franken, Frankfurt/Main und Berlin sowie Baden-Württemberg, weitere sind geplant. Es ist kein Verein mit Mannschaften, die wöchentlich trainieren und am regelmäßigem Spielbetrieb teilnehmen. Wir treffen uns unregelmäßig zum Training, Spielen oder zu Turnieren, wie dem „K1ck Without Limits Football Cup“. Die Spieler(innen) werden nicht abgeworben, sondern bleiben bei ihrem Heimatverein registriert. Es ist kein Gastspielrecht erforderlich. Es gibt keine Altersgrenze. Bei uns kicken Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nahezu jeden Alters mit. Der zurzeit jüngste Kicker ist aktuell 6 Jahre und die ältesten sind volljährig. Freuen würden wir uns auch über ältere Erwachsene, die bei uns, sei es als Spieler(innen) oder als Trainer(innen) mitmachen wollen.

Der „K1ck Without Limits Football Cup“ ist ein großes internationales Fußballturnier, das der FC Diabetes seit 2024 jedes Jahr veranstaltet und bei dem nur Kinder und Jugendliche mit Typ 1 Diabetes mitspielen dürfen. Am 14./15. November 2026 in München findet es das nächste Mal statt. Zwei Tage lang, mit mehr als 100 Spielerinnen und Spieler in verschiedenen Altersklassen, mit Teams nicht nur aus Deutschland, sondern beispielsweise auch aus Polen und Schweden. Drumherum gibt es ein buntes Rahmenprogramm. Geplant ist auch, dass Geschwisterkinder mitspielen dürfen, ebenso eine Mannschaft von Erwachsenen mit Diabetes Typ 1.
Nähere Informationen über den Verein und das Turnier finde ich unter:

www.fcdiabetes.de

www.instagram.com/fcdiabetes

oder einfach eine Mail schicken an:
info@fcdiabetes.de


 

Krankheitserreger nutzen auch hormonelle Signalwege im Körper

Infektionen und Stoffwechselkrankheiten können sich gegenseitig begünstigen

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass schädliche Wechselbeziehungen zwischen Virus-Infektionen und Erkrankungen des Stoffwechsels bestehen können.

Bestimmte Viren tragen dazu bei, hormonelle Erkrankungen des Stoffwechsels, etwa Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 oder Adipositas, auszulösen. Umgekehrt ist es möglich, dass eine bereits bestehende Störung des Stoffwechsels den Verlauf eines Infekts ungünstig beeinflusst.

Offensichtlich nutzen die Krankheitserreger auch Signalwege von Hormonen im Körper, etwa jene zur Regulation des Zucker- und Fettstoffwechsels. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) spricht sich deshalb für eine weitere Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Hormonsystemen und infektiösen Erregern aus. Idealerweise soll dies dazu beitragen, häufige, hormonell bedingte Stoffwechselkrankheiten zu verhindern, etwa durch gezielte Impfprogramme. Gleichzeitig könne möglicherweise der Verlauf von Infekten bei bereits Stoffwechsel-Erkrankten durch eine antivirale oder hormonelle Therapie abgemildert werden.

SARS-CoV-2, Enteroviren wie Coxsackie, Influenza-, Herpes-, Epstein-Barr- oder das HI-Virus stehen in Zusammenhang mit neu auftretenden chronischen Erkrankungen des Stoffwechsels nach der eigentlichen Infektion. So zeigen Daten aus der Corona-Pandemie, dass sich etwa durch eine COVID-Erkrankung die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Diabetes mellitus Typ 1 deutlich erhöht. Aber auch andere hormonell aktive Gewebe wie die Nebennieren oder der Hypothalamus können in ihrer Funktion durch den Kontakt mit bestimmten Viren gestört werden.

Umgekehrt deuten zahlreiche epidemiologische Daten auf einen robusten Zusammenhang mit bereits bestehenden Stoffwechselerkrankungen mit der Schwere des Verlaufs hin, wenn bestimmte Viren beteiligt sind.
„Aus neuesten Untersuchungen wissen wir, dass manche Viren insulinähnliche Eiweiße oder auch Hormone produzieren können, die in den Stoffwechsel des betroffenen Organismus eingreifen“, sagt Professor Dr. med. Stefan Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III sowie des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Neben der Stoffwechselregulation scheinen diese „viralen Hormone“ auch den Zellumsatz und den Zelltod zu beeinflussen. „Wir haben aber auch gesehen, dass antivirale Medikamente das Auftreten eines Diabetes mellitus Typ 1 durch den Erhalt der Funktion der insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse verzögern können“, fügt er hinzu. Umgekehrt habe sich gezeigt, dass klassische Medikamente, die zur Behandlung hormoneller Erkrankungen eingesetzt werden, die Anfälligkeit des Organismus für Infektionen verringern können – etwa antidiabetische Präparate wie DPP-4- Hemmer oder Metformin, so der Endokrinologe und Diabetologe.

„Man kann mittlerweile von einer endokrinen Virologie und sogar von dem Virom als einer zusätzlichen, hormonell stoffwechselaktiven Drüse sprechen“, so Bornstein, der 2024 die Berthold-Medaille der DGE erhielt. Doch viele Fragen sind noch offen: „Wir brauchen deshalb ein besseres Verständnis der Wechselwirkung der Hormonsysteme mit infektiösen Erregern – von den Grundlagen bis zur therapeutischen Anwendung“, sagt er.

So gehe es etwa darum, die Erkenntnisse für moderne therapeutische Ansätze zu nutzen: „Wenn Infektionskrankheiten Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten auslösen können, bedeutet es, dass wir durch Impfprogramme möglicherweise das Auftreten von häufigen Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes und dem metabolischen Syndrom verhindern können“, zeigt er Perspektiven eines neuen Forschungsgebiets auf.

Professor Dr. med. Stephan Petersenn, Mediensprecher der DGE aus Hamburg, sieht in diesen Forschungsarbeiten einen Beleg für die enge Verzahnung der verschiedenen internistischen Fachgebiete.

„Trotz der zunehmenden Spezialisierung und Wissensverdichtung auch in der Endokrinologie wird in diesen Arbeiten die Notwendigkeit deutlich, über den Tellerrand zu schauen und den Organismus nicht nur durch die Brille der eigenen Expertise zu betrachten. Die Interaktion der menschlichen Organe untereinander und mit der Umwelt muss wieder mehr, im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung des Menschen, in den Vordergrund rücken.“

Quelle: Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE)


 

Delegiertenversammlung
06.06.2026, ab 09.30 Uhr bis ca. 13.00 Uhr, Familienhaus, Hohepfortestr.14, Magdeburg

Tag der offenen Tür
17.06.2026, 10.00 – 14.00 Uhr in der Landesgeschäftsstelle Joachim-Quantz-Str. 17, Merseburg

Weiterbildung SHG-Leiter
09.10.2026 im K6-Seminarhotel, Kirschallee 6, Halberstadt

Diabetikertag Sachsen-Anhal
10.10.2026, 09.00 Uhr – 14.00 Uhr im K6-Seminarhotel, Kirschallee 6, Halberstadt

Weltdiabetestag
16.11.2026 im Europa-Rosarium Sangerhausen, Am Rosengarten 2 A, Sangerhausen

Zu wichtigen Veranstaltungen des Landesverbandes werden unsere Mitglieder per Post eingeladen.


 

Gleicher Mensch, unterschiedliche Glukose-Werte

Neue Studie verdeutlicht Grenzen der Vergleichbarkeit moderner Glukosemesssysteme

Kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM) sind ein zentrales Instrument der modernen Diabetestherapie. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch: Selbst moderne CGM-Systeme liefern bei derselben Person teils deutlich unterschiedliche, therapieentscheidende Kennzahlen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sieht darin einen wichtigen Hinweis, CGM-Daten differenziert zu bewerten und die Standardisierung von Mess- und Auswertungsverfahren voranzubringen – auch mit Blick auf das digitale Disease-Management-Programm (dDMP).

In der neu veröffentlichten Vergleichsstudie in der Fachzeitschrift Diabetes Care trugen Erwachsene mit Typ-1-Diabetes drei moderne CGM-Systeme parallel über einen Zeitraum von 14 Tagen. Ziel war es ausdrücklich nicht, einzelne Geräte zu bewerten, sondern zu analysieren, wie stark sich zentrale CGM-Kennzahlen bei identischen Stoffwechselsituationen unterscheiden. Untersucht wurden unter anderem die Zeit im Zielbereich (Time in Range), Zeiten mit Unter- und Überzuckerungen sowie der aus CGM-Daten „errechnete HbA1c-Wert“ (Glucose Management Indicator, GMI).

Unterschiede mit direkter Bedeutung für Therapieentscheidungen

Die Ergebnisse zeigen, dass sich diese CGM basierten Kennzahlen teils deutlich unterscheiden können – mit direkten Konsequenzen für die Therapie. „Unsere Daten zeigen, dass Glukoseverläufe je nach verwendetem CGM-System unterschiedlich gemessen und bewertet werden können“, erklärt Dr. med. Guido Freckmann, Studienautor und Vorstandsmitglied der DDG-Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie. „Das kann dazu führen, dass abhängig vom verwendeten CGM-System Therapieziele als erreicht oder nicht erreicht gelten – und damit Therapieanpassungen unterschiedlich ausfallen, insbesondere im Hinblick auf Unterzuckerungen.“

Da CGM-Daten heute sowohl von Ärztinnen und Ärzten als auch von Menschen mit Diabetes selbst genutzt werden – etwa zur Therapieanpassung oder zur Steuerung automatisierter Insulinsysteme (AID) –, haben diese Unterschiede eine hohe praktische Relevanz für den Versorgungsalltag.

Ursache liegt in der Kalibration der Systeme– nicht bei den Betroffenen

Nach Einschätzung der DDG sind die beobachteten Unterschiede nicht auf das Verhalten der Patientinnen und Patienten zurückzuführen, sondern auf technische Unterschiede zwischen den Systemen. „Jede Firma nutzt eigene Messverfahren, sowie eigene Algorithmen um die CGM-Messwerte zu ermitteln“, so Freckmann. „Dass diese Unterschiede einen Einfluss auf die angezeigten Kennzahlen haben, ist vielen bislang nicht bewusst.“ Hinzu kommt, dass Menschen mit Diabetes ihren Blutzucker im Alltag überwiegend kapillär messen – also mithilfe von herkömmlichen Blutzuckermessgeräten, während CGM-Systeme auf unterschiedlichen Referenzen basieren können.

Daher liegen Werte von CGM-Systemen entweder näher an den von in der Diabetestherapie genutzten kapillären oder den für die Diagnose verwendeten venösen Werten. Da ein systematischer Unterschied zwischen den Kompartimenten besteht, erschwert dies eine systemübergreifende Vergleichbarkeit der Daten.

DDG setzt auf Standardisierung statt gerätespezifischer Zielwerte

Vor diesem Hintergrund spricht sich die DDG klar für eine weitergehende Standardisierung von CGM-Messung und -Auswertung aus. „Die zentrale Frage ist nicht, ob wir für jedes CGM-System eigene Zielwerte brauchen“, betont Freckmann. „Vielmehr müssen wir die Systeme so weiterentwickeln, dass sie vergleichbare Messergebnisse und Kennzahlen liefern.“ Die DDG arbeitet daher derzeit an einem Positionspapier, das Empfehlungen zur besseren Vergleichbarkeit und Einordnung von CGM-Daten formulieren soll. Ziel ist es, die Grundlage für fundierte Therapieentscheidungen weiter zu stärken – sowohl in der klinischen Praxis als auch für Menschen mit Diabetes.

Bedeutung für digitale Disease-Management-Programme (dDMP)

Die Forderung nach einer besseren Vergleichbarkeit von CGM-Daten gewinnt auch im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung der Diabetesversorgung an Bedeutung. Die DDG hat sich bereits in früheren Stellungnahmen zur Digitalisierung der Disease-Management-Programme (DMP) grundsätzlich positiv geäußert, zugleich jedoch betont, dass digitale Versorgungsangebote nur dann wirksam sein können, wenn sie auf verlässlichen und transparenten Daten basieren. Digitale DMP sollen strukturierte Versorgung, ärztliche Betreuung und patientenseitiges Selbstmanagement enger miteinander verzahnen. Voraussetzung dafür ist eine systemübergreifend verständliche Datengrundlage – insbesondere bei CGM-Kennzahlen, die künftig stärker in digitale Auswertungen, Verlaufsbeobachtungen und Entscheidungsprozesse eingebunden werden. „Digitale DMP können ein wichtiger Baustein für eine moderne, vernetzte Diabetesversorgung sein“, sagt Dr. med. Tobias Wiesner, Vizepräsident der DDG und niedergelassener Diabetologe aus Leipzig. „Damit diese Programme ihr Potenzial entfalten können, brauchen wir CGM-Daten, die unabhängig vom verwendeten System vergleichbar und nachvollziehbar sind. Die aktuellen Studiendaten zeigen sehr deutlich, warum Standardisierung hier kein technisches Detail ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für digitale Versorgungskonzepte.“

CGM-Daten richtig einordnen

Für die aktuelle Versorgung bedeutet das: CGM-Systeme sind ein großer Fortschritt und aus der Diabetestherapie nicht wegzudenken. Ihre Daten sollten jedoch stets im Kontext des verwendeten Systems interpretiert werden – insbesondere bei Therapieanpassungen oder beim Wechsel des CGM-Systems.

Wenn ein optional kalibrierbares System mit seiner Werkskalibration Werte zeigt, die systematisch unter den kapillären Werten liegen, kann man durch die Kalibration mit einem verlässlichen Blutzuckermessgerät den Unterschied beseitigen.

„CGM liefert wertvolle Informationen“, so Freckmann. „Damit diese ihr volles Potenzial entfalten können, brauchen wir Transparenz, fachliche Einordnung und langfristig einheitlichere Standards.“

Quelle:
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)