Stammzellen: Heilung von Diabetes?

In einer frühen klinischen Studie zeigte die neuartige Stammzelltherapie Zimislecel bei Menschen mit Typ-1-Diabetes eine Wiederherstellung der Inselzellfunktion. 83 % der Teilnehmenden benötigten nach einem Jahr keine externe Insulinzufuhr mehr und es traten keine schweren Unterzuckerungen auf.

Zimislecel ist eine aus Stammzellen gewonnene, allogene Inselzelltherapie. Bisher gibt es bei Typ-1-Diabetes keine etablierte Behandlung, welche dauerhaft die körpereigene Insulinproduktion wiederherstellt. Hieraus ergibt sich die Forschungsfrage, wie sicher und wirksam die Stammzelltherapie bei Menschen mit Typ-1-Diabetes ist.

Stammzellentherapie Zimislecel: Chance bei Typ-1-Diabetes?

Die klinische Phase-1/2-Studie an Menschen mit Typ-1-Diabetes wurde in 3 Teilen durchgeführt. In Teil A erhielten die Teilnehmenden eine halbe Dosis Zimislecel (0,4×109 Zellen) über eine Infusion in die Pfortader, mit Option auf eine 2. Dosis innerhalb von 2 Jahren. In den Teilen B und C wurde eine volle Dosis (0,8×109 Zellen) verabreicht. Alle Teilnehmenden erhielten eine immunsuppressive Therapie ohne Glukokortikoide. Der primäre Endpunkt in Teil C war das Ausbleiben schwerer Unterzuckerungen zwischen Tag 90 und 365 bei gleichzeitigem HbA1c-Wert unter 7 % oder einer Reduktion von mindestens 1 % gegenüber dem Ausgangswert an mindestens einem Zeitpunkt zwischen Tag 180 und 365. Sekundäre Endpunkte in Teil C umfassten Sicherheit und Insulinunabhängigkeit zwischen Tag 180 und 365.

Der Nachweis von Serum-C-Peptid während eines 4-stündigen Mischmahlzeiten-Toleranztests diente zur Beurteilung der Inselzellfunktion.

Klinische Phase-1/2-Studie: Wirksamkeit und Sicherheit mit 14 Teilnehmern

Insgesamt 14 Menschen (2 aus Teil A, 12 aus Teil B/C) wurden für mindestens 12 Monate nachbeobachtet. Alle wiesen zu Beginn keine messbare C-Peptid-Produktion auf. Nach der Zimislecel-Infusion konnte bei allen ein C-Peptid-Nachweis erfolgen, was auf eine erfolgreiche Funktion der Inselzellen hinweist. Die häufigste schwerwiegende Nebenwirkung war Neutropenie, die bei 3 Teilnehmenden auftrat. Insgesamt 2 Todesfälle wurden dokumentiert: Einer durch Kryptokokken-Meningitis, ein weiterer durch schwere Demenz infolge einer bestehenden neurokognitiven Erkrankung.

Hohe Rate an Insulinunabhängigkeit und gute Blutzuckerkontrolle

Alle 12 Teilnehmenden aus den Teilen B und C blieben im Zeitraum zwischen Tag 90 und 365 frei von schweren Unterzuckerungen. Sie erreichten einen HbA1c-Wert unter 7 % und verbrachten über 70 % der Zeit im Zielbereich der Blutzuckerkonzentration (70 – 180 mg/dl).

Es waren 10 der 12 (83 %) Teilnehmer am Tag 365 insulinunabhängig, benötigten also keine externe Insulinzufuhr mehr.

Zimislecel zeigt Potenzial zur Wiederherstellung der Inselzellfunktion

Die Ergebnisse der kleinen Studie deuten darauf hin, dass Zimislecel die physiologische Funktion von Inselzellen bei Menschen mit Typ-1-Diabetes wiederherstellen kann. Weitere Studien sind erforderlich, um die Langzeitsicherheit und Wirksamkeit zu prüfen.

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal


 

Fachkräftemangel: Potenzial der Heimdialyse mehr nutzen

n Deutschland sind rund 100.000 Menschen auf eine regelmäßige Dialyse angewiesen, da ihre Nierenfunktion stark eingeschränkt oder vollständig ausgefallen ist. Diese Behandlung ist lebensnotwendig und gleichzeitig kosten- und personalintensiv. Angesichts des Fachkräftemangels weist die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN) auf die Heimdialyse hin, eine Therapieform, die im Gegensatz zur Dialysebehandlung in Zentren und Kliniken hierzulande noch viel zu wenig genutzt wird, aber großes Potenzial birgt. „Wir sehen im Ausbau der Heimdialyse eine Chance, die Versorgung langfristig zu sichern, Patientinnen und Patienten mehr Selbstbestimmung und Wohlbefinden zu ermöglichen und gleichzeitig das medizinische Personal zu entlasten”, sagt Prof. Dr. Martin Kuhlmann, Präsident der DGfN. Derzeit dialysieren nur knapp 7 Prozent der Betroffenen zu Hause – die DGfN hält eine Quote von 20 bis 30 Prozent, wie sie auch in anderen Ländern erreicht wird, für realistisch.

Heimdialyse: flexibel, alltagsnah, medizinisch sinnvoll

Bei der Heimdialyse wird die Behandlung von Patientinnen und Patienten eigenständig durchgeführt, entweder über das Bauchfell (Peritonealdialyse) oder als klassische Hämodialyse. Die daraus resultierenden Vorteile umfassen eine flexible, selbstbestimmte Zeitgestaltung, den Wegfall langer Anfahrten sowie einen gesundheitlichen Nutzen. „Je häufiger und kontinuierlicher dialysiert wird, desto besser wird die natürliche Nierenfunktion ersetzt“, sagt Kuhlmann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Nephrologie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain in Berlin. „Für berufstätige, aber auch für alle selbstständigen oder von der Familie unterstützten Betroffenen kann die Heimdialyse eine attraktive Option sein, die gleichzeitig auch eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität darstellt.“

Quelle: DGfN


 

Ein Thema, das regelmäßig aufkommt: Zusatzstoffe im Essen

Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach:
Wenn Sie selbst kochen, wissen Sie, was drin ist. Die Kartoffeln und das Gemüse vom Bauern aus der Nachbarschaft sollten gar kein Problem darstellen. Das Fleisch vom Metzger Ihres Vertrauens auch nicht, da der das Schlachtvieh ja auch von den Bauern der Umgebung bezieht. – Tja, schön wär´s.

Leider bedeutet unsere moderne und vernetzte Welt eben auch, dass Obst, Gemüse, Fleisch etc. wahnsinnige Transportwege zurücklegt. Da geht es manchmal um Verfügbarkeiten, wie Erdbeeren zu Weihnachten, und meist um den Preis. Manchmal wird das Rind auch einmal quer durch Europa gefahren, wegen der Subventionen, das ist ein fast bodenloses Thema.
Diese Zusatzstoffe im Essen werden zugesetzt, damit es z.B. haltbar bleibt, wegen des Transportweges. Wegen einer kleinen Prise ist das vielleicht noch nicht einmal ein Problem. Aber schon Paracelsus sagte „Die Dosis macht das Gift“, auch wenn das nur die verkürzte Aussage ist.

Wir wissen, je höher verarbeitet ein Lebensmittel ist, umso weniger Nutzen hat es für den Körper (auch wenn es schmeckt). Wenn wir uns also nur von hochverarbeiteten Lebensmitteln wie Fertiggerichten (die müssen haltbar gemacht werden) und Fastfood ernähren, sind die Probleme natürlich vorprogrammiert.

Andererseits hat ein Apfel, der noch frisch und fröhlich am Baum hängt, ungespritzt und ökologisch gedüngt, auch schon Stoffe aus der E-Liste. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind das 16, kleines Beispiel? – E140 – Chlorophyll, E 160a – Beta-Carotin, E 296 – Apfelsäure, E 300 – Ascorbinsäure (Vitamin C), E 460 Cellulose.

Also diese E-Nummern sagen gar nicht, dass es schlecht ist. Zum Problem kann es erst werden, wenn diese E-Nummer sagt, dass der Stoff synthetisiert wurde und zugesetzt wurde um etwas nachzubilden oder einen Effekt zu erreichen.

Wir haben für Sie Artikel mit Tipps zur gesunden Ernährung zusammengestellt.

Viel Freude beim Lesen und guten Appetit!
Matthias Böhmer


 

Veganer und Schwangere sollten täglich mit Jodsalz würzen

Angesichts des neuerlichen Jodmangels in Deutschland rät der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) dringend, konsequent jodiertes Speisesalz in der Küche zu verwenden. Vor allem Schwangere und Personen, die sich rein pflanzenbasiert ernähren, müssten auf eine ausreichende Versorgung mit dem lebensnotwendigen Spurenelement achten.

„Wir sehen in unserer Ambulanz immer häufiger junge Veganerinnen, die in Folge eines Joddefizits Schilddrüsenknoten entwickeln“, berichtet BDN-Experte Professor Dr. med. Markus Essler. Warnzeichen für Jodmangelstörungen können neben Heiserkeit auch empfindliche Hälse sein – Halstücher und Rollkragenpullis werden als drückend empfunden.

Aktuelle Daten zeigen, dass Deutschland wieder klar als Jodmangelgebiet gilt: Rund 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen erreichen nicht die empfohlene tägliche Jodzufuhr, wie repräsentative Untersuchungen des Robert Koch-Instituts (RKI) belegen. Hauptgründe sind veränderte Ernährungsgewohnheiten, etwa der Trend zu mehr pflanzenbasierten Produkten, und der rückläufige Einsatz von Jodsalz in der Lebensmittelindustrie.(1) Die deutschen Referenzwerte liegen derzeit bei 150 µg Jod pro Tag für Jugendliche und Erwachsene, mit erhöhtem Bedarf für Schwangere (220 µg täglich) und Stillende (230 µg täglich).

Schon milde Joddefizite beeinträchtigen den IQ

Werden die Referenzwerte deutlich unterschritten, kann es bei Erwachsenen zu Jodmangelstörungen wie einer Größenzunahme der Schilddrüse („Kropf“) oder der Bildung von Schilddrüsenknoten kommen. „Besonders gefährlich ist ein Jodmangel jedoch für Ungeborene und Kleinkinder“, betont Essler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Bonn. „Eine Unterversorgung in dieser Phase erhöht das Risiko für spätere Einschränkungen der intellektuellen Fähigkeiten und der Feinmotorik.“ Bereits milde Joddefizite in der Schwangerschaft können messbare IQ Verluste und Lernschwierigkeiten verursachen, wie Studien belegen.(2)

Praxen schicken vermehrt junge Veganerinnen

Mit Sorge betrachtet der Schilddrüsenspezialist deshalb die Entwicklung, die er in Ambulanzen und Praxen beobachtet. „Typischerweise treten Schilddrüsenknoten erst im Alter auf“, so Essler. „Jetzt aber schicken hausärztliche Praxen vermehrt auch junge Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter zu uns, die sich vegan ernähren.“ Weil die jungen Frauen häufig ersatzlos auf wichtige Jodlieferanten wie Milch und Milchprodukte, Eier, Meeresfisch und -früchte verzichten, riskieren sie mit der Zeit einen Jodmangel und können in der Folge an Schilddrüsenknoten leiden. „Wir erkennen die Patientinnen oft schon daran, dass sie mit großen Pulloverausschnitten im Wartezimmer sitzen, weil sie Rollkragen als störend empfinden und den Hals frei haben möchten“, berichtet Essler.

Substituieren mit Jodsalz, Jodtabletten, Jodtropfen oder Seealgen

Wer sich vegan ernährt, so der BDN-Experte, sollte daher unbedingt täglich Jodsalz verwenden, Kaliumjodid-Tabletten einnehmen oder Jodtropfen in vegane Produkte zusetzen. Was das Salz betrifft, gilt die Faustregel: 5 Gramm jodiertes Speisesalz – ein gestrichener Teelöffel – enthalten 75 bis 125 µg Jod.

„Alternativ kommen Seealgen als natürliche Quelle in Frage“, sagt Essler. Aber Vorsicht: Aufgrund schwankender und oft sehr hoher Jodgehalte besteht bei den Meerespflanzen das Risiko einer Jodvergiftung. „Auch Schwangere, Stillende und Kinder sind gut beraten, zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung 150 µg Jod pro Tag einzunehmen“, betont der BDN-Experte.

Urintest am Morgen

Frühe Anzeichen für einen Jodmangel sind diffus und können leicht übersehen werden – etwa Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gewichtszunahme, Frieren, Verstopfung, Haarausfall, depressive Stimmung, trockene Haut und brüchige Nägel. „Heiserkeit, Schluckbeschwerden und ein empfindlicher Hals sind dann schon eindeutigere Symptome“, erläutert der Nuklearmediziner. Ob ein Jodmangel vorliegt, kann ein Urintest am Morgen klären. „Hausärztinnen und Hausärzte sind dann die erste Anlaufstelle für die weitere Abklärung“, so Essler.

Quelle. Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.


 

Wie wirken stark verarbeitete Lebensmittel auf die Gesundheit?

Erwachsene, die viele stark verarbeitete Lebensmittel (ultra-processed foods UPF) konsumieren, haben wahrscheinlich ein höheres Risiko für Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für das Metabolische Syndrom und Allergien gibt es nicht genügend Daten, um Aussagen zum Zusammenhang mit dem UPF-Verzehr machen zu können; für Übergewicht/Adipositas bei Kindern und Jugendlichen sind die Ergebnisse in den eingeschlossenen Studien zu 15. DGE-Ernährungsbericht (Erscheinung Ende 2024) heterogen.

Etwa 50 % der Energieaufnahme stammen aus stark verarbeiteten Lebensmitteln (UPF)

Süßigkeiten, Gebäck, frittierte Snacks, Würstchen, Fleischersatzprodukte, Brotaufstriche und Fertiggerichte sind Beispiele für häufig stark verarbeitete Lebensmittel. Sie verdrängen zunehmend natürliche Lebensmittel und frisch zubereitete Speisen. Eine Ernährung mit einem hohen Anteil an stark verarbeiteten Lebensmitteln enthält meist viel Zucker, Salz und Fett, insbesondere gesättigte Fettsäuren, und gleichzeitig wenig Ballaststoffe, Proteine und Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe. In Deutschland stammten laut Berechnungen der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) bereits Anfang der 2000er-Jahre etwa 50 % der gesamten Energieaufnahme von Erwachsenen aus stark verarbeiteten Lebensmitteln. Ihr Konsum wird mit Adipositas und chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes sowie einer erhöhten Sterblichkeitsrate in Verbindung gebracht. Der beobachtete Zusammenhang basiert bislang weitestgehend auf Querschnitt- und Kohortenstudien, die die zugrundeliegenden Wirkmechanismen wenig untersucht haben.

Grundsätzlich werden Lebensmittel und Getränke, deren Rohstoffe viele Verarbeitungsprozesse durchlaufen haben, als stark verarbeitete Lebensmittel bezeichnet. Je nach Rezeptur enthalten sie weitere, insbesondere energiereiche Zutaten wie gesättigte Fettsäuren und Zucker sowie Zusatzstoffe wie Aromen, Konservierungsmittel und Farbstoffe. Der Anteil an essenziellen Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist dagegen oft gering.

Ein typisches Beispiel für hochverarbeitete Lebensmittel sind pflanzliche Milchalternativen aus Soja, Hafer, Mandel, Reis oder Erbsen, die zunehmend Kuhmilch ersetzen. Dr. Britta Nagl, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin, weist in ihrer Risikobewertung von Pflanzendrinks darauf hin, dass diese sich in ihrem Nährstoffprofil erheblich von Kuhmilch unterscheiden, insbesondere, wenn sie nicht mit Nährstoffen angereichert sind. Zu den langfristigen Auswirkungen eines häufigeren Konsums als Ersatz für Kuhmilch und den Langzeitkonsum auf die Gesundheit liegen bisher nur wenige Daten vor. Besonders für vulnerable Gruppen wie Kinder, Schwangere und Stillende können Nährstoffdefizite entstehen, wenn nicht angereicherte Produkte regelmäßig anstelle von Kuhmilch konsumiert werden. Nagl thematisiert auch mögliche Belastungen durch Schwermetalle und Mykotoxine.

Die französische Kohortenstudie NutriNet-Santé mit über 180 000 Teilnehmenden war eine der ersten internationalen Langzeitstudien, die die Zusammenhänge zwischen UPF und chronischen Erkrankungen nachwies und dadurch Ernährungsrichtlinien in mehreren Ländern beeinflusste. Aktuell rücken insbesondere Zusatzstoffe in den Blick: Das Forschungsprogramm ADDITIVES untersucht die Wirkung von Nitriten, künstlichen Süßstoffen, Emulgatoren und weiteren Stoffen, die in UPF weit verbreitet sind. Erste Ergebnisse belegen ein höheres Risiko für verschiedene Krebsarten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck. Auch die mögliche Rolle von Verpackungskontaminanten wird erforscht.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.(DGE)


 

Jod wichtiger denn je!

Die bisher geltenden Werte von 200 µg/Tag für Erwachsene unter 51 Jahren und 180 µg/Tag für Erwachsene ab 51 Jahren hatten einen Zuschlag berücksichtigt, um die unzureichende Jodversorgung der Bevölkerung in Deutschland und Österreich zu verbessern. Dies entspricht nicht mehr der wissenschaftlichen Vorgehensweise sowie der Zielsetzung der Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, da sich diese nicht an Personen mit einem Nährstoffmangel richten.

Der Wert orientiert sich nun – wie bei Referenzwerten üblich – am durchschnittlichen Bedarf und nicht mehr am Ausgleich eines möglichen Defizits der Bevölkerung. Der neue Referenzwert für Säuglinge bis 4 Monate liegt bei 80 µg/Tag. Er hat sich verdoppelt, weil die Neubewertung zusätzlich auf aktuellen Bilanzstudien basiert und nicht, wie zuvor, nur auf dem Jodgehalt der Muttermilch.

Obwohl sich durch die Einführung von jodiertem Speisesalz und Anreicherung des Tierfutters die Jodzufuhr insgesamt verbessert hat und sichtbare Jodmangelerscheinungen wie der Kropf in Deutschland fast nicht mehr vorkommen, zeigen Daten des Robert Koch-Institutes (RKI) einen rückläufigen Trend in der Jodversorgung: So haben 44 % der Kinder und Jugendlichen und 32 % der Erwachsenen ein Risiko für eine zu geringe Jodzufuhr. Nach WHO-Kriterien herrscht in Deutschland ein milder Jodmangel. Eine längerfristige Unterversorgung mit Jod kann zu Funktionsstörungen der Schilddrüse mit weitgehenden gesundheitlichen Auswirkungen führen.

Die DGE empfiehlt für eine ausreichende Jodzufuhr eine konsequente Verwendung von jodiertem Speisesalz, täglich Milch und Milchprodukte sowie ein bis zwei Mal pro Woche Seefisch oder andere marine Lebensmittel zu essen. Schwangere und Stillende sollten zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit jodiertem Speisesalz ein Supplement mit 100 µg (bis 150 µg) Jod pro Tag einnehmen; bei Schilddrüsenerkrankungen sollte vorab ärztliche Rücksprache erfolgen.

Wofür braucht der Körper Jod und was passiert, wenn wir zu wenig aufnehmen?

Jod ist ein unverzichtbares Spurenelement, das wir über die Nahrung aufnehmen müssen. Der Körper braucht es, um die Schilddrüsenhormone zu bilden. „Die Hormone beeinflussen zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper wie den Energiestoffwechsel, den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel, die Knochenbildung und die Regulation der Körpertemperatur. In der kindlichen Entwicklung sind sie besonders für ein normales Wachstum und die Gehirnentwicklung von Bedeutung“, sagt Prof. Dr. Roland Gärtner, 1. Vorsitzender des Arbeitskreises Jodmangel (AKJ). Um einem Mangel vorzubeugen, muss Jod regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden. „Wird es in zu geringen Mengen aufgenommen, kann es je nach Schweregrad zu erheblichen gesundheitlichen Folgen kommen. Schon ein leichter bis milder Jodmangel, wie er hierzulande vorliegt, wirkt sich auf die Gesundheit einer Bevölkerung aus. Begonnen in der Schwangerschaft sowie im Säuglings- und Kleinkindalter mit einer beeinträchtigten körperlichen und neuronalen Entwicklung sowie einer verminderten geistigen Leistungsfähigkeit bis hin zu einem steigenden Risiko für Schilddrüsenvergrößerungen und -knoten sowie Funktionsstörungen bei Erwachsenen“, ergänzt Prof. Gärtner.

Wie kann eine ausreichende Jodversorgung erreicht werden?

„Eine ausreichende Jodzufuhr ist entscheidend für Gesundheit, Entwicklung und Leistungsfähigkeit. Besonders bei Kindern, Jugendlichen, Schwangeren und Stillenden sollten wir wieder mehr auf eine gute Jodversorgung achten“, sagt Dr. Christina Breidenassel, Referat Wissenschaft der DGE und Co-Autorin des Referenzwert-Kapitels zu Jod. Lebensmittel mit hohem Jodgehalt sind Seefische wie Kabeljau oder Seelachs und andere Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen und Algen. Algen und -präparate, bei denen der Jodgehalt nicht ausgewiesen ist, sind aufgrund der stark schwankenden Gehalte nicht zu empfehlen. Dies ist insbesondere bei Vorliegen einer Funktionsstörung der Schilddrüse wichtig.

Tierische Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte sowie Eier sind bei entsprechender Tierfütterung ebenfalls gute Jodlieferanten, besonders bei vegetarischer Ernährung. Pflanzliche Lebensmittel wie Getreide, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte sind in der Regel jodarm, weil die Böden hierzulande nur wenig Jod enthalten. Jodiertes Speisesalz und damit hergestellte Lebensmittel sind eine wichtige Jodquelle. Es konsequent zu verwenden, trägt maßgeblich zur Jodversorgung bei. Egal, ob es darum geht, Salz zu Hause in der eigenen Küche, beim Essen außer Haus zu verwenden oder verarbeitete Lebensmittel im Supermarkt, in der Bäckerei oder Metzgerei zu kaufen. Daher gilt: Wenn Salz, dann Jodsalz! Hierzu informiert die Informationsoffensive des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wie die Jodversorgung einfach über die Verwendung von Jodsalz erreicht und gesichert werden kann.

Auch pflanzliche Milchalternativen wie Hafer-, Reis-, Mandel- und Sojadrinks enthalten praktisch kein Jod. Die DGE rät hier zu angereicherten Produkten, insbesondere bei veganer Ernährung. Ansonsten sollte eine Zufuhr aus anderen Lebensmitteln oder Nährstoffpräparaten erfolgen. So kann der regelmäßige Verzehr von Meeresalgen mit moderatem Jodgehalt, wie zum Beispiel Nori, zur Jodversorgung beitragen.

Besteht bei Jodsalz und anderen jodhaltigen Lebensmitteln das Risiko einer Überdosierung?

Das Risiko einer Überversorgung mit Jod über Lebensmittel ist gering. Der Jodgehalt in Salz ist in Deutschland streng geregelt und liegt bei 15 bis 25 mg Jod/kg Salz, somit enthält ein gehäufter Teelöffel Jodsalz nur circa 100 µg Jod. Auch für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sind jodhaltige Lebensmittel wie Seefisch oder Milch und jodiertes Speisesalz unkritisch. Eine übermäßige Jodzufuhr kann nur durch den Verzehr von Algen mit einem hohen Jodgehalt ≥ 20 mg/kg oder hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel entstehen.

Quelle: Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.(DGE)


 

Fasten bei Diabetes: Religiöse Pflicht und Lifestyle-Trend

Mit Ramadan und Fastenzeit beschäftigen sich viele Menschen mit dem bewussten Verzicht auf Nahrung. Gleichzeitig erfreut sich Intervallfasten als Lifestyle-Trend wachsender Beliebtheit.
Für die über 9 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland ist Fasten jedoch keine reine Glaubens- oder Gesundheitsfrage, sondern stark mit ihrer Diabetestherapie gekoppelt. Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) ordnet die aktuelle Studienlage ein und zeigt, für wen Fasten infrage kommt, welche Regeln gelten und wann dringend davon abzuraten ist. Entscheidend sind Diabetestyp, Therapieform und Anlass des Fastens.
Religiöses Fasten – etwa im Ramadan – bedeutet meist einen vollständigen Verzicht auf Essen und Trinken über viele Stunden hinweg, verbunden mit nächtlichen Mahlzeiten, verändertem Schlaf und eingeschränkter Flüssigkeitszufuhr.
Lifestyle-Fasten wie das Intervallfasten erlaubt dagegen regelmäßiges Trinken und flexible Essensfenster. Diese Unterschiede wirken sich direkt auf den Blutzucker, den Flüssigkeitshaushalt und den Insulinbedarf aus. „Fasten ist also nicht gleich Fasten. Für Menschen mit Diabetes macht das einen entscheidenden Unterschied“, sagt Theresia Schoppe, Vorstandsmitglied des VDBD, Diabetesberaterin und Oecotrophologin B.Sc. aus Warstein.

Typ-2-Diabetes: strukturierte Fastenformen können helfen

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigen Studien klare Vorteile, wenn Fasten geplant und begleitet erfolgt. Klinische Untersuchungen wie die INTERFAST-2-Studie belegen, dass intermittierendes Fasten über zwölf Wochen den Langzeitblutzucker HbA1c um etwa 0,5 bis 1 Prozentpunkte senken kann. Gleichzeitig verloren die Teilnehmenden im Schnitt 4 bis 5 Kilogramm Gewicht, und der tägliche Insulinbedarf sank um rund 9 Einheiten, ohne dass schwere Unterzuckerungen auftraten.
Geeignet sind vor allem strukturierte Formen wie das 16:8-Modell oder das 5:2-Fasten. Wichtig ist ein vorsichtiger Einstieg: Zu Beginn sollten Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente häufig um 20 bis 30 Prozent reduziert werden. Der Blutzucker sollte mindestens viermal täglich kontrolliert werden, idealerweise mit kontinuierlicher Glukosemessung (CGM). Auch die Ernährung im Essensfenster spielt eine Rolle. Eiweiß- und ballaststoffreiche Mahlzeiten mit moderatem Kohlenhydratanteil entlasten den Stoffwechsel und helfen, starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. „Fasten kann den Stoffwechsel entlasten, aber nur, wenn die Therapie angepasst wird“, betont Schoppe. Ohne Beratung steige das Risiko für Unterzuckerungen deutlich.

Typ-1-Diabetes: Fasten ist eine Hochrisiko-Situation

Anders ist die Lage bei Typ-1-Diabetes (absoluter Insulinmangel) oder insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes mit verringerter Insulinsekretion. Schon kurze Fastenphasen können zu gefährlichen Unterzuckerungen oder zu einer diabetischen Ketoazidose führen. Studien und Erfahrungen aus dem Ramadan zeigen, dass sich das Risiko für schwere Stoffwechselentgleisungen dabei um ein Mehrfaches erhöht. Empfohlen werden dann höchstens milde Formen mit kurzen Essenspausen, eine Reduktion des Basalinsulins um bis zu 50 Prozent, sehr häufige Blutzuckerkontrollen – alle zwei bis drei Stunden – beziehungsweise die kontinuierliche Messung mit CGM sowie zusätzliche Keton-Messungen. Zusätzlich sollten Fastende dringend auf Symptome für erhöhte Ketonwerte, wie Übelkeit, Benommenheit oder Müdigkeit, achten.
Ramadan-Fasten: besondere Regeln für Menschen mit Diabetes
Beim Ramadan-Fasten gelten zusätzliche Anforderungen. Menschen mit Typ-2-Diabetes können fasten, wenn der Stoffwechsel stabil eingestellt ist, etwa bei einem HbA1c unter 8 Prozent. Die Medikation muss vorab angepasst werden, die Blutzuckerwerte sollten mehrfach täglich gemessen werden – vor dem Fastenbrechen, danach, nachts und vor der Mahlzeit vor Sonnenaufgang. Die abendliche Mahlzeit sollte den Blutzucker nicht unnötig belasten, und ausreichendes Trinken in der Nacht ist essenziell.
Bei Menschen mit Diabetes Typ 1 und instabilen Werten, Hypo-Neigung oder Diabetes-Komplikationen wie Nierenschäden rät der VDBD klar davon ab, zu fasten. „Allen anderen möchten wir nicht pauschal abraten, doch es braucht in jedem Fall eine spezialisierte Betreuung, klare Abbruchregeln und die Bereitschaft, das Fasten bei Auffälligkeiten sofort zu beenden“, so Schoppe. „Denn im Zweifel gilt immer: Sicherheit geht vor Fasten.“ So sollte bei einem Blutzuckerspiegel von unter 70 mg/dl oder über 250 mg/dl und nachgewiesenen Ketonen dringend ärztliche Hilfe eingefordert werden.
Für die passende Ernährung während der Fastenzeit empfiehlt die Diabetesberaterin für den Suhoor (Mahlzeit vor Sonnenaufgang) Lebensmittel mit einem hohen Ballaststoffgehalt zu wählen, die das Hungergefühl hinauszögern. Dazu gehören Vollkornprodukte bei Brot und Reis, Grieß, Haferflocken und Joghurt, Linsen und andere Hülsenfrüchte, gekochte Eier und viel Flüssigkeit, Das abendliche Fastenbrechen, der Iftar, sollte viel Gemüse oder Salat beinhalten, um den Stoffwechsel nicht übermäßig zu belasten.

Warum Diabetesberatung beim Fasten unverzichtbar ist

Fasten beeinflusst Blutzucker, Insulinwirkung und Flüssigkeitshaushalt zugleich. Diabetesberaterinnen und Diabetesberater unterstützen dabei, Risiken realistisch einzuschätzen, Messstrategien festzulegen und Notfallsituationen zu erkennen. „Fasten darf nie auf eigene Faust begonnen werden – weder aus religiöser Überzeugung noch aus gesundheitlichem Ehrgeiz“, betont Schoppe.

Diabetes-Checkliste zur Fastenzeit

Vorab klären

  • Risiken bei eigenem Diabetestyp kennen
  • Mit meinem Diabetesteam sprechen
  • Insulin oder Medikamente (z.B. SGLT-2-Hemmer) anpassen/reduzieren, um eine euglykämische Ketoazidose zu vermeiden
  • Unterzuckerungen und Ketoazidose erkennen und behandeln können

Während des Fastens

  • Blutzucker und Ketone häufiger messen
  • Ausreichend trinken
  • Warnzeichen ernst nehmen

Fasten sofort beenden bei

  • Unterzuckerung
  • stark erhöhtem Blutzucker
  • Schwindel, Übelkeit, Zittern
  • Unsicherheit oder schlechtem Gefühl

Quelle: Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V.

Anmerkungen des Landesverbandes zu obigem CGM-Artikel

Im „Tagesgeschäft“ der Landesgeschäftsstelle sind wir regelmäßig und auch immer wiederkehrend mit der Frage zur Genauigkeit der Messsysteme konfrontiert.

Das passiert, seit wir die Möglichkeit der Blutzuckermessung mit den BZ-Messgeräten der vielen unterschiedlichen Anbieter haben. Natürlich setzt sich diese Frage auch mit den CGM-Geräten fort, auch wenn dort gar nicht der Blutzuckerspiegel, sondern der Glucose-Anteil in der Gewebsflüssigkeit gemessen wird.

Oft bekam ich zu hören, dass der BZ-Wert zwischen zwei Messgeräten unterschiedlich angezeigt wird. Das ist logisch, denn diese Patientengeräte sollen uns in der täglichen Therapie unterstützen. Dafür ist es nicht notwendig, dass sie absolut genau sind und geeicht werden wie Laborgeräte. Also Abweichungen der Messwerte von Gerät zu Gerät in einem bestimmten Bereich sind völlig in Ordnung.

Nun kommen die CGM-Systeme dazu, dort ist es natürlich ähnlich. Unterschiedliche Hersteller und unterschiedliche Systeme bewirken auch hier Abweichungen vom geeichten Laborgerät. Dazu kommt dann noch, dass CGM-Systeme ja nicht den Blutzuckerspiegel sondern die Glucose in der Gewebsflüssigkeit messen. Da steigt und sinkt der Glucosespiegel immer ein bisschen verzögert zum Blutwert. Das wissen die Hersteller natürlich und versuchen, es im Algorithmus zu berücksichtigen.

Alles in allem ist es jedoch ein ganz fantastischer Fortschritt und eine wunderbare Therapieunterstützung, auch bei den Abweichungen, wenn Sie dagegen überlegen, dass wir vorher Urinteststreifen hatten. Die zeigen ja erst an, wenn die Nierenschwelle überschritten ist, dann ist der Zuckerspiegel aber eben auch garantiert zu hoch.

Matthias Böhmer


 

Diabetes und Straßenverkehr

Aktualisierte Leitlinie räumt mit überholten Annahmen im Verkehrs- und Berufsrecht auf und fordert Anpassungen

Der Ausschuss „Soziales“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) hat die S2e-Leitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ aktualisiert. Die neue Fassung zeigt: Moderne Diabetestechnik und Medikamente, die keine Unterzuckerungen bewirken, erhöhen die Sicherheit im Straßenverkehr deutlich. Gleichzeitig schaffen sie neue Perspektiven für Millionen Menschen mit Diabetes, insbesondere bei Tätigkeiten mit hoher Verantwortung.
Experten fordern, veraltete berufliche und verkehrsrechtliche Vorgaben an den aktuellen medizinisch-diabetologischen Wissensstand anzupassen, um pauschale Vorverurteilungen von Menschen mit Diabetes und damit Diskriminierungen zu verhindern.
Seit der ersten Leitlinienfassung aus dem Jahr 2017 hat sich die Diabetesbehandlung spürbar weiterentwickelt. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes erhalten heute Medikamente, die keine Unterzuckerungen auslösen. Bei insulinpflichtigen Menschen kommen zunehmend Systeme zum Einsatz, die den Glukoseverlauf kontinuierlich anzeigen (CGM) oder die Insulinabgabe automatisiert anpassen (AID-Systeme). Warnsignale machen kritische Werte früh sichtbar.
„Diese Fortschritte haben die Stoffwechselkontrolle grundlegend verändert“, erklärt Mitautor der Leitlinie, Dr. med. Friedrich W. Petry. Eine Unterzuckerung bleibe zwar das größte Risiko im Straßenverkehr. Doch die Zahl solcher Ereignisse sei durch moderne Technik und Schulungen deutlich gesunken. Der Diabetologe am Medicum Wetzlar betont, dass das Risiko von Autounfällen bei Menschen mit Diabetes nur leicht erhöht sei, vor allem im Vergleich zu anderen Erkrankungen, die das Unfallrisiko wesentlich stärker steigern – wie ADHS oder obstruktive Schlafapnoe (OSAS). Die Leitlinie empfiehlt klare Regeln für den Alltag: Vor Fahrtantritt sollen Betroffene ihren Glukosewert prüfen und nur starten, wenn er ausreichend hoch ist. Menschen mit kontinuierlicher Glukosemessung sollen die Warnfunktionen aktiviert haben und auf Trendpfeile achten. Bei kritischen Werten sollen sie die Fahrt unterbrechen und ihren Glukosewert stabilisieren.

Leitlinie fordert Neubewertung beruflicher Vorgaben

Neben der Fahrsicherheit rückt durch die Leitlinie die berufliche Teilhabe in den Mittelpunkt. Viele Vorschriften, die Menschen mit Diabetes vom Zugang zu bestimmten Tätigkeiten – wie bei der Polizei, der Feuerwehr oder im Flug- oder Schifffahrtsverkehr – ausschließen, basieren nach Angaben des Ausschusses „Soziales“ der DDG auf überholten Einschätzungen. Die Fortschritte in Therapie und Technik werden dort bislang kaum berücksichtigt. „Viele berufsbezogene Vorgaben stammen aus einer Zeit, in der Glukosemessungen nur wenige Momentaufnahmen lieferten“, so Dr. med. Wolfgang Wagener, Koordinator der Leitlinie und Vorsitzender des DDG Ausschusses „Soziales“. Heute ermögliche die moderne Diabetologie ein hohes Maß an Kontrolle, Steuerung und Sicherheit im Arbeitsalltag. Pauschale Ausschlüsse allein aufgrund der Diagnose seien medizinisch nicht mehr gerechtfertigt und daher diskriminierend. Wagener fordert, alle berufsrechtlichen Vorgaben und Regelwerke zu überprüfen und an den aktuellen Stand anzupassen. „Dies ist auch aus volkswirtschaftlichen Gründen sinnvoll. Wir können es uns nicht erlauben, auf motivierte und einsatzfähige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu verzichten“, gibt Wagener zu bedenken. Die Leitlinie sieht deshalb vor, individuelle Risiken und Kompensationsmöglichkeiten stärker zu berücksichtigen. Dazu gehören Therapieform, Erfahrung im Umgang mit der Erkrankung, Nutzung von Warnsystemen und regelmäßige Schulungen.

Erfahrungsbericht zeigt: leistungsfähig trotz Diabetes

Wie moderne Behandlung berufliche Chancen erweitert, zeigt Jens Wicklein, Zollbeamter mit Typ-1-Diabetes und seit vielen Jahren in sicherheitsrelevanten Tätigkeiten aktiv. Er fährt Lkw und Bus, arbeitet im waffentragenden Ermittlungsdienst und engagiert sich seit vielen Jahren in Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdienst. „Ich lebe seit meinem 14. Lebensjahr mit Typ-1-Diabetes. Mit Disziplin, Verantwortung und moderner Technik kann ich meinen Alltag sicher gestalten – auch in Tätigkeitsbereichen, die hohe Konzentration verlangen“, sagt Wicklein. Moderne Sensoren und Pumpen machten möglich, was früher ausgeschlossen war: „Vor einigen Jahrzehnten wäre vieles, was ich heute mache, kaum denkbar gewesen. Warnsysteme geben mir ein hohes Maß an Sicherheit.“ Gegen Vorurteile setzt er ein klares Signal: „Einige Vorstellungen von Diabetes stammen aus einer Zeit, in der die Behandlung unzuverlässiger war. Heute zeigen mein Alltag und der vieler anderer, dass Diabetes kein Ausschlusskriterium mehr sein darf.“

Konkrete Empfehlungen für mehr Sicherheit und Teilhabe

Die Leitlinie fasst erstmals alle aktuellen Handlungsempfehlungen zusammen. Sie richtet sich an Menschen mit Diabetes, behandelnde Teams sowie Behörden und Gutachterinnen und Gutachter. Ziel ist es, eine verlässliche Grundlage für Beratung, Begutachtung, Bewertung und politische Entscheidungen zu schaffen. Demnächst wird es auch eine Patientenleitlinie geben, die sich ausschließlich an Betroffene richtet.
Petry betont: „Erhöhte Glukosewerte allein führen nicht zu einer eingeschränkten Fahreignung. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob Konzentration, Aufmerksamkeit oder Sehen beeinträchtigt sind.“ Die moderne Diabetologie könne viele Risiken ausgleichen. Kompensation ist vielfach möglich. Deshalb dürften Menschen mit Diabetes nicht pauschal von besonderen Tätigkeiten ausgeschlossen werden.

DDG appelliert an Politik und Behörden

Die DDG sieht die aktualisierte Leitlinie als Impuls, bestehende Gesetze und insbesondere berufsbezogene Vorschriften an den medizinischen Fortschritt anzupassen. Der Ausschuss „Diabetes und Soziales“ der DDG setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Diabetes nicht aufgrund ihrer Diagnose benachteiligt werden. „Es ist Zeit, alte Regeln zu überdenken“, sagt Wagener. Moderne Therapie und Technik ermöglichten eine stabile Stoffwechsellage und damit ein hohes Maß an Sicherheit – im Straßenverkehr und im Beruf. Die Leitlinie solle dazu beitragen, Menschen mit Diabetes neue Perspektiven zu eröffnen.

Kernaussagen der Leitlinie (LL)

Erhöhte Zuckerwerte:

Im Gegensatz zu Unterzuckerungen haben erhöhte und auch deutlich erhöhte Zuckerwerte allein aktuell keinen nachgewiesenen Einfluss auf die Fahrsicherheit und Fahreignung. Die LL und die Empfehlungen zur Fahrsicherheit von Menschen mit Diabetes (MmD) geben keine expliziten Einschränkungen der Fahrsicherheit oder einen Grenzwert des HbA1c-Wertes bezüglich der Hyperglykämie (erhöhter Glukosewerte). Nur wenn Konzentration, Reaktion und Aufmerksamkeit beeinträchtigt sind, ist die Fahrsicherheit gefährdet. Ebenso bei Stoffwechselentgleisung und Ketoazidose sowie dem Auftreten von Sehstörungen bei schneller Blutzuckersenkung, längerer Erhöhung oder bei Erstmanifestation. Die Fahreignung ist erst dann wieder vorhanden, wenn die Sehstörungen verschwunden sind und eine stabile Stoffwechsellage besteht.

Unterzuckerungen:

Die Gefährdung der Fahrsicherheit geht beim Diabetes in erster Linie vom Auftreten einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) mit Kontrollverlust, Verhaltensstörung oder Bewusstseinsbeeinträchtigung aus.
Eine uneingeschränkte Hypoglykämie-Wahrnehmung ist Voraussetzung für die Fahreignung. MmD mit mehr als einer Fremdhilfe bedürftigen Hypoglykämie im Wachzustand in den letzten 2 Monaten sind in der Regel für das Führen eines Kraftfahrzeugs so lange ungeeignet, bis wieder eine hinreichende Stabilität der Stoffwechsellage sowie eine zuverlässige Wahrnehmung von Hypoglykämien sichergestellt ist. Unverändert gilt, dass das größte Risiko im Straßenverkehr bei MmD eine starke Unterzuckerung ist.

Begleit- und Folgekrankheiten:

Begleit- und Folgekrankheiten können einen erheblichen Einfluss auf die Fahreignung von MmD haben. Kardiovaskuläre Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall), diabetisches Fußsyndrom (Amputation),
Retinopathie (Sehvermögen) und bei DM T2 besonders das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)können die Fahreignung passager oder dauerhaft einschränken.

Kontextfaktoren:

Umgebung, Beruf, Begleit- und Folgekrankheiten, soziale Faktoren und Stress können die Fahreignung passager oder dauerhaft einschränken.

Verhalten vor Fahrtantritt:

MmD mit einem Hypoglykämierisiko aufgrund ihrer Diabetestherapie sollen sicherstellen, dass sie vor Fahrtantritt einen für sie ausreichend hohen Glukosewert (Empfehlung in den meisten Fällen ≥ 90 mg/dl [5 mmol/l]; Schwangere ≥ 80 mg/dl [4,4 mmol/l]) aufweisen.
Liegt der Glukosewert unter 90 mg/dl (5 mmol/l) / Schwangere unter 80 mg/dl (4,4 mmol/l), soll vor Fahrtantritt durch Essen oder Trinken schnell resorbierbarer Kohlenhydrate sichergestellt werden, dass der Glukosespiegel wieder über diesem Schwellenwert liegt. Die Fahrt soll erst danach angetreten werden.
Nutzende von CGM sollen vor Fahrtantritt sicherstellen, dass die Alarmgrenzen so hoch eingestellt sind, dass rechtzeitig vor einer Hypoglykämie gewarnt wird, und die Trendpfeile beachten.
Quelle:

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)


 

Für einen gesunden Schlaf:

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Erholsamer Schlaf ist eine zentrale Voraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden. Dennoch haben viele Menschen damit Probleme: Eine aktuelle Befragung der Stiftung Gesundheitswissen zeigt, dass rund jede vierte Person in Deutschland unter Schlafstörungen leidet. Oft lässt sich die Schlafqualität bereits durch einfache Anpassungen der sogenannten Schlafhygiene spürbar verbessern. Passend dazu stellt die Stiftung Gesundheitswissen ihr aktualisiertes, kostenfreies Informationsangebot rund um das Thema Schlaf vor.
Laut der Befragung berichten 22 Prozent der Menschen in Deutschland, dass sie Schwierigkeiten haben, durchzuschlafen oder deutlich zu früh aufwachen. Neun Prozent geben an, Probleme beim Einschlafen zu haben. Die Folgen von schlechtem Schlaf sind vielfältig: Kurzfristig kommt es häufig zu Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und verlangsamten Reaktionen – ein nicht zu unterschätzendes Risiko, etwa im Straßenverkehr. Langfristig kann Schlafmangel die Gesundheit beeinträchtigen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Schlaf unter anderem das Immunsystem, den Stoffwechsel und das Hormonsystem beeinflusst. Umso wichtiger ist es, die eigenen Schlafgewohnheiten in den Blick zu nehmen – oft reichen schon kleine Veränderungen im Alltag.

Den eigenen Rhythmus finden – Grundlage für gesunden Schlaf

Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann wesentlich dazu beitragen, dauerhaft besser zu schlafen. Hilfreich sind dabei folgende Ansätze:
  • Regelmäßigkeit: Wer möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett geht und aufsteht – auch am Wochenende oder an Feiertagen – unterstützt seinen natürlichen Schlafrhythmus.
  • Chronotypen beachten: Der Schlafrhythmus sollte zum individuellen Schlaftyp passen. Menschen mit einem sogenannten „Eulen-Typ“, die abends spät müde werden und morgens länger schlafen möchten, haben es schwerer, sich an sehr frühe Aufstehzeiten anzupassen.
  • Mittagsschlaf mit Bedacht: Ein kurzer Mittagsschlaf kann erholsam sein, sollte jedoch nicht länger als 20 Minuten dauern. Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte besser ganz darauf verzichten.

Das Schlafzimmer als Ort der Ruhe gestalten

  • Auch die Schlafumgebung spielt eine entscheidende Rolle für erholsame Nächte. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich das Schlafzimmer schlaffördernd einrichten:
  • Dunkelheit: Licht kann den Schlaf stören. Blickdichte Vorhänge oder Rollläden sowie das Entfernen leuchtender Displays helfen, den Raum zu verdunkeln. Auch der Wecker sollte so stehen, dass das Zifferblatt nachts nicht sichtbar ist.
  • Frische Luft: Kurzes Lüften vor dem Schlafengehen sorgt für ein angenehmes Raumklima.
  • Angenehme Temperatur: Ideal ist eine Raumtemperatur von unter 18 Grad Celsius.
  • Ruhe: Eine möglichst geräuscharme Umgebung fördert den Schlaf.
  • Lassen sich Lärmquellen wie Straßenverkehr oder ein schnarchender Partner nicht vermeiden, können Ohrstöpsel eine einfache Lösung sein.
  • Gewohnheiten hinterfragen: Rituale statt Schlafmythen
Rund um das Thema Schlaf halten sich zahlreiche Mythen, die der Nachtruhe eher schaden als nutzen. Um die Gesundheitskompetenz zu stärken, klärt die Stiftung Gesundheitswissen darüber auf und zeigt schlaffördernde Alternativen auf:
Mythos „Schlummertrunk“: Alkohol vor dem Einschlafen kann zwar müde machen, verschlechtert jedoch die Schlafqualität. Der Alkoholabbau führt insbesondere in der zweiten Nachthälfte zu leichterem Schlaf und häufigerem Erwachen.
Leicht statt schwer: Schwere Mahlzeiten am Abend sowie Koffein und Nikotin können den Schlaf beeinträchtigen. Besser sind beruhigende Abendrituale, die beim Abschalten helfen – etwa eine Tasse warmer Milch oder Kräutertee, ein Buch lesen, ruhige Musik hören, Tagebuch schreiben oder Entspannungsübungen.

Weitere Informationen zum Thema Schlafhygiene:

Mit ihrem aktualisierten Informationsangebot unterstützt die Stiftung Gesundheitswissen dabei, Schlafprobleme besser zu verstehen und alltagstaugliche Wege zu einem erholsameren Schlaf zu finden.

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal