Lebensmittelunverträglichkeiten – was tun?

Lebensmittelunverträglichkeiten treten immer häufiger auf. Mittlerweile leidet jede vierte bis fünfte Person unter einer Intoleranz. Doch welche Unverträglichkeiten gibt es und was kann man dagegen tun? Tanja Napiontek, Beratungsärztin bei der AOK Sachsen-Anhalt, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist eine Unverträglichkeit?

Unverträglichkeit und Allergie werden oft als Synonyme verwendet. Das ist aber nicht ganz richtig, denn es gibt einen großen Unterschied zwischen den Krankheitsbildern. „Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf Lebensmittel oder Umwelteinflüsse. Bei einer Unverträglichkeit bzw. Intoleranz reagiert das Verdauungssystem mit verschiedenen Beschwerden und zeigt so, dass es bestimmte Nahrungsbestandteile nicht verdauen kann“, sagt Napiontek.
Das Problem bei der Diagnose von Intoleranzen: Die Symptome und Ursachen einer Unverträglichkeit sind von Person zu Person unterschiedlich. Zusätzlich treten Beschwerden erst nach sechs bis 48 Stunden auf. Das macht es schwer nachzuvollziehen, auf welchen Nahrungsbestandteil der Körper mit den jeweiligen Beschwerden reagiert.

Wie äußert sich eine Unverträglichkeit?

Da eine Lebensmittelunverträglichkeit eine Störung im Verdauungssystem ist, zeigen sich dort auch die Hauptbeschwerden. Krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall treten häufig auf. Und auch andere Symptome wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Schluckbeschwerden und Abgeschlagenheit können durch eine Intoleranz ausgelöst werden. Diese Aufzählung ist aber bei Weitem nicht komplett, denn die Beschwerden sind so individuell wie die Unverträglichkeiten selbst.

Die häufigsten Unverträglichkeiten

Zu den häufigsten Unverträglichkeiten bzw. Intoleranzen gehören:
Laktoseintoleranz: Hier reagiert die Verdauung empfindlich auf Laktose und der Bauch bläht sich auf. Vor allem frische Milchprodukte sind problematisch.
Fructoseintoleranz: Hierbei wird die Fructose bzw. der Fruchtzucker aus der Nahrung im Darm nicht ausreichend oder gar nicht aufgenommen. Anzeichen für eine Intoleranz sind vor allem Beschwerden im Magen-Darm-Trakt.
Histaminintoleranz: Histamin ist ein Eiweißstoff, der im Körper unter anderem den Blutdruck, die Darmaktivität und die Produktion von Magensaft reguliert. Er kommt u.a. in lang gereiftem Käse und verarbeiteten Fleischwaren sowie Rotwein und Schokolade vor. Symptome für ein Intoleranz sind u.a. Hautreizungen wie Jucken oder Rötungen, Hitzegefühl, Herzrasen oder Kopfschmerzen.
Glutenintoleranz: Eine Glutenintoleranz, die sog. Zöliakie, ist eine immunologische Erkrankung des Dünndarms. Das in den Getreidesorten Weizen, Dinkel, Gerste und Roggen enthaltene Klebereiweiß Gluten löst eine Entzündungsreaktion im Darm aus, wodurch es zu einer Vielzahl von Beschwerden kommen kann, die überwiegend nicht nur den Darmtrakt betreffen.

Beschwerden nach dem Essen – was nun?

Bei Verdacht auf eine Intoleranz auf Lebensmittelbestandteile sollte der erste Ansprechpartner der Hausarzt sein. In einem persönlichen Gespräch werden dann Symptome, Lebensstil und Familiengeschichte besprochen. Es kann dann Sinn machen, ein Ernährungstagebuch zu führen, um die Ursachen für die Symptome leichter zu definieren. Falls nötig, kann der Hausarzt an einen Facharzt für Gastroenterologie oder Allergologie zur weiterführenden Diagnostik überweisen.

Wie Unverträglichkeiten behandeln?

Es kann eine Eliminationsdiät helfen, bei der man auf die Lebensmittelbestandteile verzichtet, auf die der Körper reagiert. Sie kann auch zur Diagnosestellung hilfreich sein. Man sollte eine solche Ernährungsumstellung aber auf jeden Fall mit seinem Hausarzt absprechen. Zusätzlich können manche Unverträglichkeiten mit Medikamenten behandelt werden. „Bei einer Laktose- oder Histaminintoleranz können zum Beispiel die Enzyme, die dem Körper fehlen, zugeführt werden. Zusätzlich können bei einer Histaminintoleranz Medikamente, sog. Antihistaminika, zur akuten symptomatischen Therapie zum Einsatz kommen“, so Napiontek.
Weitere Informationen zu Unverträglichkeiten gibt es auf der Website der AOK:

 

Eagle eye – Heute: Geld-Geld-Geld

Wenn Sie schon so lange Mitglied im Diabetiker Bund sind, dass Sie ein paar Gesundheitsminister erlebt (oder überlebt?) haben, werden Sie sich erinnern, wie häufig die an der Versorgung der Diabetespatienten geschraubt haben, meist uns zum Nachteil. Nun herrschte einige Zeit Stille, das heißt ja aber oft, dass das dicke Ende noch kommt. Und siehe, die Finanzkommission Gesundheit hat ihren Bericht und ihre Empfehlungen vorgelegt. Wenn Sie sich dafür interessieren, finden Sie am Ende den Link dazu.

So viel lässt sich schon mal zusammenfassen: Es wird teurer!

Zum Beispiel sollen die Zuzahlungen auf Medikamente steigen bei 5,- Euro auf 7,50 Euro, bei jetzt 10,- Euro auf 15,- Euro. Beim Krankengeld sind die Überlegungen von jetzt 70% des Regelentgeldes auf 65% zu senken. Ich bin gespannt, was aus diesen Empfehlungen umgesetzt wird.
Wie gewohnt kämpfen wir im ersten Halbjahr um die Finanzen für den Verband. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses ist noch unklar, ob wir unsere Vorhaben in diesem Jahr umsetzen können, da die Förderbescheide noch nicht vorliegen, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt.

Wir werden das Thema Zusammenschluss, z.B. mit dem Landesverband Sachsen-Anhalt, spätestens im nächsten Jahr zur Mitgliederversammlung des Landesverbandes Sachsen wieder auf die Tagesordnung setzen und mit den Teilnehmern beraten. Vielleicht lässt sich dort dann auch schon ein Auftrag an den Vorstand formulieren, die Dinge entsprechend der Beschlusslage voranzutreiben.

Für das aktuelle Jahr steht jetzt erst einmal die Organisation der geplanten Projekte auf dem Programm, darunter auch wieder ein Austausch mit den Landesverbänden Ost, immer vorausgesetzt, dass die entsprechenden Fördermittel bewilligt werden.

Ich werde ein (Adler-)Auge darauf halten und berichten, kommen Sie gut durch den Sommer,

Ihr Matthias Böhmer

www.bundesgesundheitsministerium.de/finanzkommission-gesundheit


 

32. Gesundheitstag im Merse – Center in Merseburg

Am 09. April fand im Merse-Center in Merseburg unter dem Motto „Herz, Seele und Bewegung im Gleichgewicht“ der Gesundheitstag statt.

Es beteiligten sich viele Selbsthilfegruppen, verschiedene Fachabteilungen des Gesundheitsamts, Krankenkassen und Gesundheitseinrichtungen. So auch Frau Kirchhof mit der Selbsthilfegruppe Diabetes.

Am Nebenstand präsentierte sich die Selbsthilfegruppe Osteoporose und Morbus Bechterew hinter uns die SHG Borderline und SHG EU-Rentner.
So konnte man von Stand zu Stand in der gesamten Passage Informationen einholen. Diese große Auswahl fand regen Zuspruch von Interessenten, die einfach nur mal schauen wollten und Betroffenen, die sich über Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfsangebote informierten.

Wie jedes Jahr waren auch Schulklassen unterwegs, die an den Ständen gezielt Fragen zu Erkrankungen, Einrichtungen und Angeboten stellten. Auch an unserem Stand wollten die Kinder und teils Jugendlichen, Informationen zur Erkrankung Diabetes und vorbeugenden Maßnahmen wissen. Frau Kirchhof gab hier gezielt Antworten und beantwortete geduldig alle Fragen zum Thema Diabetes.

Im Regionalteil der Mitteldeutschen Zeitung wurde über den Gesundheitstag berichtet. Der Reporter war auch an unserem Stand und die Aussagen von Frau Kirchhof zu den Reporterfragen waren in der Samstagausgabe 11.04.2026 nachzulesen.

Auch im kommenden Jahr wird die SHG-Diabetes mit Frau Kirchhof wieder zum Gesundheitstag vertreten sein.

Annerose Winter


 

16. Selbsthilfe-Forum in Lutherstadt Wittenberg

Am 21. März 2026 von 13.00. bis 17.00 Uhr fand in Lutherstadt Wittenberg das 16. Selbsthilfe-Forum statt.
Der Deutsche Diabetiker Bund, Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. war mit einem Stand vor Ort. Herr Biester, Herr Schröder, Frau Jungmann und Frau Kirchhof nahmen daran teil.
Im Fokus der Veranstaltung stand das Thema Diabetes „WISSEN IST STÄRKE“. Das Angebot an interessanten Themen war groß. Es fanden Blutzuckermessungen, Lipid-Messungen, Ernährungsquiz, Podologische Fußberatungen, Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche statt. Außerdem fanden Diabetes-Fachvorträge statt.
Herr Biester Vorsitzender vom Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. hielt einen Vortrag über „Diabetes verstehen! Welche Unterstützung steht uns zu?“
Die Beteiligung war groß und wir konnten an unserem Stand vielen Tipps und Hinweise zur Erkrankung und auch zur Prävention geben.
Mit dem Forum bot die Stadt ihren Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, um
sich einen Überblick über die verschiedenen Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise im gesamten Landkreis zu verschaffen,
sich über die überregionalen Angebote bei seltenen Erkrankungen zu informieren
Informationen über die Arbeit der einzelnen Selbsthilfegruppen zu erhalten.
Durch solche Veranstaltungen ist es möglich viele Menschen zu erreichen und teilweise Ängste bei Betroffenen abzubauen. Der Diabetes ist eine Erkrankung, bei der  die Betroffenen ihre Erkrankung selbst in die Hand nehmen und täglich managen müssen. Dazu gehört viel Wissen, welches der Landesverband anbietet.
Christa Kirchhof


Kicken mit dem FC Diabetes

Seit drei Jahren gibt es den FC Diabetes e. V. Es ist ein deutschlandweiter Verein von fußballbegeisterten Kindern und Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes und ihren Familien. Der FC Diabetes e.V. sucht weitere Mitstreiter(innen) – nicht zuletzt für das große internationale Fußballturnier im Herbst.

Du hast Typ 1 Diabetes, magst Fußball und würdest dich gerne mit Gleichgesinnten treffen oder spielen. Vielleicht trifft dies auf Ihr Kind zu. Dann auf zum FC Diabetes!

Der FC Diabetes e. V. ist ein Verein für Kinder und Jugendliche mit Typ 1 Diabetes, ihre Eltern und Geschwister sowie junge Diabetiker(innen). Unter anderem sind der Austausch und die Vernetzung untereinander, also zu zeigen, dass die Jungen und Mädchen mit ihrer Krankheit nicht allein sind, ein Ziel des Vereins. Dass die Krankheit kein Grund ist, nicht Sport zu treiben, im Gegenteil wollen wir damit deutlich machen.

Der Spaß am Kicken steht über allem

Der Verein hat gut 220 Mitglieder, die aus ganz Deutschland kommen. Wir bauen derzeit verschiedene regionale Stützpunkte auf. Bereits im Großraum München und Franken, Frankfurt/Main und Berlin sowie Baden-Württemberg, weitere sind geplant. Es ist kein Verein mit Mannschaften, die wöchentlich trainieren und am regelmäßigem Spielbetrieb teilnehmen. Wir treffen uns unregelmäßig zum Training, Spielen oder zu Turnieren, wie dem „K1ck Without Limits Football Cup“. Die Spieler(innen) werden nicht abgeworben, sondern bleiben bei ihrem Heimatverein registriert. Es ist kein Gastspielrecht erforderlich. Es gibt keine Altersgrenze. Bei uns kicken Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nahezu jeden Alters mit. Der zurzeit jüngste Kicker ist aktuell 6 Jahre und die ältesten sind volljährig. Freuen würden wir uns auch über ältere Erwachsene, die bei uns, sei es als Spieler(innen) oder als Trainer(innen) mitmachen wollen.

Der „K1ck Without Limits Football Cup“ ist ein großes internationales Fußballturnier, das der FC Diabetes seit 2024 jedes Jahr veranstaltet und bei dem nur Kinder und Jugendliche mit Typ 1 Diabetes mitspielen dürfen. Am 14./15. November 2026 in München findet es das nächste Mal statt. Zwei Tage lang, mit mehr als 100 Spielerinnen und Spieler in verschiedenen Altersklassen, mit Teams nicht nur aus Deutschland, sondern beispielsweise auch aus Polen und Schweden. Drumherum gibt es ein buntes Rahmenprogramm. Geplant ist auch, dass Geschwisterkinder mitspielen dürfen, ebenso eine Mannschaft von Erwachsenen mit Diabetes Typ 1.
Nähere Informationen über den Verein und das Turnier finde ich unter:

www.fcdiabetes.de

www.instagram.com/fcdiabetes

oder einfach eine Mail schicken an:
info@fcdiabetes.de


 

Eagle eye

Heute: Sorgen mit dem Nachwuchs

Kinder wie die Zeit vergeht – da ist doch das Jahr fast schon wieder vorbei. Dabei warte ich eigentlich noch immer darauf, dass es Sommer wird. Kommt es Ihnen auch so vor, als wenn wir in 2025 gar keinen Sommer hatten? Gefühlt ging es vom Frühling direkt zum Herbst. Wobei wir eigentlich gut zu tun hatten, Gelder aufzutreiben und die geplanten Projekte voranzubringen. Vielleicht ist mir darum nicht viel vom Sommer in Erinnerung geblieben.

Unsere Finanzen sind zum Jahresende wie immer recht angespannt. Die Förderungen der Kassen, der öffentlichen Hand und der Industrie werden geringer. Es wird zunehmend schwieriger, unsere Projekte umzusetzen und neue Projekte zum Laufen zu bringen. Dazu kommen die sinkenden Mitgliederzahlen.

Leider fehlt jungen Menschen oft das Verständnis für die Notwendigkeit, sich zu organisieren um, wie in unserem Fall, eine chronische Erkrankung mit der Kraft und Unterstützung von Mitbetroffenen zu bewältigen. Wie häufig höre ich in Gesprächen, dass Informationen oder sogar konkreter Rat aus dem Internet geholt werden. Ich will gegen die vielen Möglichkeiten von Social Media gar nichts sagen, aber es steht eben auch viel Falsches im Netz. Und natürlich wird der Computer auch nicht helfen können, wenn mal ein Engpass auftaucht. Mal eben Insulin, Teststreifen, Sensoren oder die berühmte Tasse Mehl borgen – geht halt nur im echten Leben, mit echten Kontakten.

Letzten Endes ist es wichtig, als Gruppe von Gleichgesinnten oder Gleichbetroffenen zusammen zu stehen, um die eigenen Interessen vertreten zu können. Das empfiehlt sich auch eher analog als digital, denn im Netz ist viel falscher Glanz und Schein unterwegs.

Zumindest was die Vertretung unserer Interessen als von Diabetes betroffener Menschen anbelangt wird es weitergehen. Wir haben uns zum Ländertreffen erstmalig verständigt, wie die anderen Landesverbände langfristig planen und ob ein Zusammenschluss von einzelnen Landesverbänden denkbar ist.

Um weiterhin sinnvoll zu arbeiten, müssen wir in den einzelnen Ländern das Gespräch mit den Mitgliedern suchen, ob wir bei zu geringer Mitgliederzahl die Vereinigung mit einem anderen Landesverband in Angriff nehmen sollen. Das ist eine Möglichkeit, weiterhin mit Schlagkraft die Interessenvertretung fortzuführen. Ich werde dieses Thema zur Mitgliederversammlung anstoßen und auch weiterhin ein (Adler-)Auge darauf haben.

Für den Moment wünsche ich Ihnen alles Gute und kommen Sie gut, trotz der süßen Weihnachtsverlockungen, über die Feiertage,

Ihr Matthias Böhmer


 

Typ 1 Diabetes bei Kindern

Mit dem Ende der Sommerferien beginnt für viele Kinder wieder der Alltag in Kita, Schule und Sportverein. Kinder mit Typ-1-Diabetes können dabei genauso mitmachen wie andere Kinder. Wichtig ist, dass Betreuungspersonen informiert sind und eng mit den Eltern und Kindern zusammenarbeiten. Moderne Technik wie Systeme zur automatisierten Insulinabgabe (AID) kann den Alltag von Kindern mit Diabetes zusätzlich erleichtern. Doch sie werden noch nicht von allen betroffenen Kindern genutzt.

In Deutschland leben mehr als 37.000 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes. Die Erkrankung bedeutet einen erheblichen Einschnitt in ihr Leben. Umso wichtiger ist es, dass sie weiterhin an allen Lebensbereichen teilhaben können.

Mit der richtigen Therapie sind Kinder mit Diabetes genauso belastbar und leistungsfähig wie andere, stoffwechselgesunde Kinder. Sie können in Kita und Schule auch an Aktivitäten wie Sportunterricht und Ausflügen teilnehmen. Entscheidend ist, dass Betreuungspersonen über die Erkrankung und Therapie informiert sind und die nötige Unterstützung bieten können. Kleinkinder sind dabei vollständig auf Erwachsene angewiesen, Grundschulkinder benötigen oft noch Anleitung. Nach Ende der Grundschulzeit können viele Kinder ihre Therapie zunehmend selbstständig übernehmen.

Damit der Alltag in Kita und Schule gelingt, braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehr- und Erziehungskräften. Sie sollten wissen, wie im Notfall zu handeln ist. Wichtig ist auch, dass Kinder mit Typ-1-Diabetes jederzeit essen und trinken, den Blutzucker messen und sich Insulin verabreichen dürfen. Das gilt auch beim Sport oder im Unterricht. Die Mitschülerinnen und Mitschüler sollten ebenfalls darüber informiert sein. So bleibt ein normales Mitmachen möglich. Betreuungspersonen sollten Warnmeldungen des Sensors erkennen, schnellwirksame Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder Saft für den Notfall bereithalten und jederzeit die Eltern erreichen können.

Mit guter Vorbereitung und klaren Absprachen lassen sich auch Ausflüge oder Klassenfahrten sicher gestalten. AID-Systeme (engl.: Automated Insulin Delivery) bestehen aus einer Insulinpumpe, einem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und einer Software, die die Insulinzufuhr automatisch anpasst. Sie helfen dabei, sehr hohe oder niedrige Blutzuckerwerte zu vermeiden. Studien zeigen, dass AID-Systeme den Blutzuckerwert von Kindern über einen längeren Zeitraum im Zielbereich halten und Familien entlasten können.

Dennoch nutzen bislang nur etwa die Hälfte der Vorschulkinder und rund ein Drittel der Schulkinder mit Typ-1-Diabetes ein AID-System. Gründe für die Zurückhaltung könnten die begrenzte Verfügbarkeit, organisatorische Hürden oder Unsicherheiten im Umgang sein. Fachleute betonen jedoch, dass vor allem Vorschulkinder von der Verwendung profitieren können.

Frank-Burkhard Biester


 

Sachsen-Anhalt ist Osteoporose-Land

5,8 Prozent der Bevölkerung ab 35 betroffen, der höchste Anteil im Bundesgebiet

In Sachsen-Anhalt litten 2023 über 87.000 Menschen ab 35 Jahren an Osteoporose, umgangssprachlich auch Knochenschwund genannt. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsatlas Deutschland, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Vorfeld des Welt-Osteoporose-Tages am 20. Oktober veröffentlicht hat. Mit einem Anteil von 5,8 Prozent der Bevölkerung ab 35 Jahren liegt Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich an der Spitze.

Osteoporose zählt zu den häufigsten Muskel-Skelett-Erkrankungen, deutschlandweit litten 2023 über zwei Millionen Bürgerinnen und Bürger ab dem 35. Lebensjahr daran. Dabei verlieren die Knochen an Dichte und Stabilität, was das Risiko für Knochenbrüche erhöht.

„Aus Angst vor Stürzen schränkt Osteoporose das Leben vieler Betroffener deutlich ein. Um kein Risiko einzugehen, fahren sie ihre Alltagsaktivitäten oft herunter“, sagt Corinna Beutel, Leiterin des Geschäftsbereiches Gesundheitsversorgung und Pflege bei der AOK Sachsen-Anhalt. „Das Paradoxe: Weniger Bewegung kann dazu führen, dass die Erkrankung weiter voranschreitet.“

Frauen deutlich häufiger betroffen

Unter jüngeren Menschen kommt Osteoporose sehr selten vor. In Sachsen-Anhalt sind bei den 35- bis 49-Jährigen nicht einmal ein Prozent betroffen. Erst mit steigendem Alter nimmt auch die Osteoporose-Häufigkeit zu, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind. Für Sachsen-Anhalt bedeutet das: Im Alter von 60 bis 64 leiden 5,3 Prozent der Frauen an Osteoporose, von 75 bis 79 sind es bereits 18 Prozent. Ab 90 liegt der Anteil bei 34,9 Prozent – dreimal häufiger als bei Männern ab 90 (10,6 Prozent). Beutel: „Das lässt sich vor allem mit den hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren begründen. Der niedrige Östrogenspiegel führt dazu, dass vermehrt Knochensubstanz abgebaut wird.“

Landkreis Wittenberg mit höchstem Anteil an Osteoporose-Erkrankten

Innerhalb von Sachsen-Anhalt variiert der Anteil von Osteoporose-Erkrankten zwischen 4,9 und 6,9 Prozent (Tabelle). Vor allem die Landkreise Wittenberg, Anhalt-Bitterfeld, Dessau-Roßlau, Burgenlandkreis und Halle (Saale) sind betroffen.
Hier liegt der Anteil jeweils über 6 Prozent und somit über dem Landesdurchschnitt. Wittenberg, Anhalt-Bitterfeld und Dessau-Roßlau finden sich zudem unter den TOP 10 der bundesweit 400 Kreise mit den höchsten Anteilen. Der Landkreis mit dem geringsten Anteil ist Börde mit 4,9 Prozent. Betrachtet man bundesweit nur die kreisfreien Städte unter 500.000 Einwohnern, finden sich zudem Halle (Saale) mit 6,1 Prozent und Magdeburg mit 5,7 Prozent sogar auf Platz eins und zwei.

Mehr Risikofaktoren als nur das Alter

„Es ist deutlich, dass Sachsen-Anhalt ein Osteoporose-Problem hat“, sagt Beutel. Ein Teil kann laut Gesundheitsatlas durch die Bevölkerungsstruktur erklärt werden. „Es ist nun mal so, dass Sachsen-Anhalt die älteste Bevölkerung hat und damit auch von Osteoporose stärker betroffen ist“, so Beutel.

Die Daten deuten aber auch darauf hin, dass Faktoren wie der Lebensstil und die Lebensumstände eine Rolle spielen. Der Gesundheitsatlas analysiert z.B. auch den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Osteoporose und dem Rauchverhalten. Die Analyse zeigt, dass Osteoporose in Regionen mit einem hohen Raucheranteil häufiger vorkommt (4,6 Prozent) als in Regionen, in denen weniger Raucherinnen und Raucher leben (3,6 Prozent). „Und nahezu alle Landkreise in Sachsen-Anhalt haben im bundesweiten Vergleich mit die höchsten Raucheranteile“, so Beutel.

Der Gesundheitsatlas zeigt ähnliche Zusammenhänge auch mit Faktoren wie Siedlungsstruktur, Bluthochdruck und Deprivation, also einem niedrigen sozioökonomischen Status. In Regionen mit hoher Deprivation, also beispielsweise mit niedrigerem Einkommen, geringerer Bildung oder weniger Beschäftigung, ist auch der Osteoporose-Anteil höher. Ebenso ist in ländlich dünn besiedelten Regionen der Anteil an Osteoporose-Erkrankten deutlich größer als beispielsweise in Metropolen.

Ausreichend Bewegung und Rauchverzicht schützen vor Osteoporose

Doch was tun gegen Osteoporose? Beutel: „Die beiden größten Risikofaktoren sind Rauchen und mangelnde Bewegung. Rauchen wirkt sich auf den Knochenstoffwechsel aus. Und die Knochendichte wird maßgeblich durch körperliche Aktivität bestimmt. Daher spielen Nichtrauchen und Bewegung eine wichtige Rolle zur Prävention von Osteoporose.“

Ausreichend Bewegung sei deshalb schon in jungen Jahren wichtig, um zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr eine möglichst hohe maximale Knochendichte zu erreichen. Aber auch für Betroffene und im höheren Alter ist Bewegung relevant, denn neben der Knochendichte werden auch Beweglichkeit und die Muskelmasse positiv beeinflusst. Das wiederum kann einen großen Effekt auf das Sturzrisiko und damit das Risiko für Knochenbrüche haben.

Vernetzte Versorgungsprogramme für chronisch Kranke stärker nutzen

Ein weiterer Baustein ist laut AOK Sachsen-Anhalt, dass existierende Versorgungsprogramme weiter vorangetrieben und stärker genutzt werden. „2024 haben wir gemeinsam mit der IKK gesund plus und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt das DMP (Disease-Management-Programm) Osteoporose eingeführt. Sachsen-Anhalt war damit eines der ersten Bundesländer.“

DMPs sind vernetzte Versorgungsprogramme, um chronische Erkrankungen besser zu betreuen, die Krankheitsfolgen hinauszuzögern und die Lebensqualität zu verbessern. Im Zentrum steht der Hausarzt, der anhand von Leitlinien und regelmäßigen Kontrolluntersuchungen den Krankheitsverlauf im Auge behält und so Begleiterkrankungen und Verschlechterungen frühzeitig behandeln oder an Experten überweisen kann. „Bis heute nehmen über 400 Hausärzte an dem DMP teil, rund 1.000 Versicherte sind eingeschrieben. Wir können nur allen Osteoporose-Betroffenen empfehlen, am DMP teilzunehmen. Bei Fragen ist der behandelnde Arzt der erste Ansprechpartner“, so Beutel.

Osteoporose: Was ist das?

Bei der Osteoporose handelt es sich um eine Knochenerkrankung, die durch eine verringerte Knochenmasse und strukturelle Veränderungen des Knochengewebes gekennzeichnet ist, sodass die Knochen ihre Stabilität verlieren. Dadurch kommt es zu einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche. In der Regel treten diese Veränderungen generalisiert – also im ganzen Körper – auf, jedoch kann es in seltenen Fällen auch zu ausschließlich lokalisierten Veränderungen der Knochen kommen. Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung und betrifft ganz überwiegend Frauen.

Weitere Informationen zu Osteoporose und dem DMP gibt es unter:

www.deine-gesundheitswelt.de/osteoporose

Die Daten des Gesundheitsatlas gibt es hier:

https://www.gesundheitsatlas-deutschland.de/erkrankung/osteoporose

Quelle: AOK Sachsen Anhalt


 

Ost-Ländertreffen 2025

Inzwischen ist es schon zur Tradition geworden, dass wir uns einmal im Jahr zum Austausch mit den Ost-Landesverbänden treffen. In diesem Jahr wurde der Erfahrungsaustausch vom Landesverband Sachsen-Anhalt organisiert.

Wir haben uns vom 17. bis 18. Oktober in Nebra getroffen und uns von der Himmelsscheibe inspirieren lassen, die Arbeit in den Landesverbänden weiterzuführen und auch langfristig zusammen zu arbeiten.
Die einzelnen Landesverbände haben in den jeweiligen Bundesländern mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen. Uns allen macht die Fortführung der Arbeit Sorgen, da die finanzielle Unterstützung zunehmend geringer wird.

Sowohl die Kommunen als auch die Krankenkassen fahren ihre Unterstützung zurück, da sie ja selbst starken Belastungen ausgesetzt sind.

Auch das Problem der Altersstruktur und den Mangel an Nachwuchs beklagen alle Landesverbände.

Dennoch ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben und neue Wege zu gehen, so dass wir uns darauf verständigen konnten, auch im kommenden Jahr ein Treffen der Ost-Verbände auf die Agenda zu setzen und die gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit fortzuführen.

Matthias Böhmer


 

Diabetes Entwicklung/Trend

Lange Zeit galt Typ-2-Diabetes als eine Erkrankung älterer Menschen. Wenn Kinder oder Jugendliche an Diabetes erkrankten, handelte es sich fast ausschließlich um Typ-1-Diabetes. Inzwischen wird Typ-2-Diabetes jedoch immer häufiger auch bei Teenagern und jungen Erwachsenen diagnostiziert, insbesondere bei starkem Übergewicht.

Typ-2-Diabetes bei jungen Menschen ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Zwar ist die Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen noch immer vergleichsweise selten: Von 2014 bis 2022 gab es rund 2100 bekannte Neuerkrankungen bei 11- bis 17-Jährigen. Allerdings steigen die Zahlen seit Jahren kontinuierlich an – eine Entwicklung, die auch international zu beobachten ist. Der früher im Volksmund verwendete Begriff „Altersdiabetes“ ist daher nicht mehr zutreffend (Stand 10.04.2025).

Noch beunruhigender sind die Zahlen, wenn man die Vorstufe des Diabetes, den sogenannten Prädiabetes, berücksichtigt. In dieser Phase liegt noch keine krankhafte Stoffwechselstörung vor, aber die Blutzuckerwerte sind bereits erhöht, insbesondere nach dem Essen. Auch der Langzeitwert HbA1c kann bereits auffällig sein. Dies trifft auf mindestens 10 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland zu, die damit ein erhöhtes Risiko haben, später an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch höher.

Bei den Altersgruppen weisen die BARMER-Daten vor allem für Ältere hohe und zugleich steigende Betroffenenraten aus. Bei den 70- bis 79-Jährigen gab es demnach in den Jahren von 2013 bis 2022 einen Zuwachs von 24,5 auf 25,9 Prozent. Bei den 80- bis 89-Jährigen veränderte sich die Rate in derselben Dekade von 27,1 auf 29,0 Prozent. Die größte Steigerungsrate innerhalb von zehn Jahren gab es aber in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen. Dort stieg der Anteil von 3,4 auf 3,9 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 14,8 Prozent.

Auch bei jüngeren Menschen gelten Übergewicht, Bewegungsmangel und eine unausgewogene Ernährung als Hauptrisikofaktoren. Vor allem der regelmäßige Konsum stark zuckerhaltiger Getränke steht in der Kritik. Fachgesellschaften wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordern daher bereits seit Jahren eine Zuckersteuer nach dem Vorbild von Großbritannien.

Besorgniserregend ist nicht zuletzt der Umstand, dass ein in jungen Jahren diagnostizierter Typ-2-Diabetes häufig schon früh mit Folgeerkrankungen einhergeht. Viele Betroffene klagen bereits in jungen Jahren über Herz-Kreislauf-Probleme oder auch Nervenschäden. Die Wahrscheinlichkeit, im weiteren Verlauf auf eine Insulinbehandlung angewiesen zu sein, ist ebenfalls erhöht.

Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes entwickeln sich die Symptome bei Typ 2 meist schleichend und werden daher erst relativ spät ernst genommen. Oft ist Übergewicht bei jungen Menschen zunächst der einzige Hinweis auf eine Stoffwechselstörung. Dabei gäbe es gerade im Frühstadium durchaus Handlungsmöglichkeiten. Wird ein Prädiabetes frühzeitig erkannt, kann eine Lebensstiländerung mit Gewichtsabnahme und regelmäßiger Bewegung das Entstehen der Erkrankung Typ-2-Diabetes häufig noch verhindern.

Entsprechend des aktuellen deutschen Gesundheitsberichtes 2025 leben in Deutschland mehr als 9 Millionen Menschen mit Diabetes. Dazu kommt eine geschätzte Dunkelziffer von circa 2 Millionen Menschen. Daten der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland zeigen, dass jedes Jahr circa 500.000 Menschen neu an Typ 2 Diabetes mellitus erkranken. Nicht mitgezählt sind dabei Menschen mit einer gestörten Glukosetoleranz, also mit einem erst beginnenden Typ 2 Diabetes. Auch die Inzidenz und Prävalenz anderer endokrinologischer Erkrankungen nehmen seit vielen Jahren zu. Über 7 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Osteoporose, 15 % aller Frauen im fertilen Alter haben ein polyzystisches Ovarsyndrom mit den bekannten metabolischen Begleiterkrankungen. Dazu kommen Erkrankungen der Schilddrüse, die nahezu jeden dritten Erwachsenen in Deutschland betreffen. Darüber hinaus sind Endokrinologen und Diabetologen Experten für zahlreiche seltenere Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, die durch kein anderes Fachgebiet der inneren Medizin abgedeckt sind.

Laut Statistik der Bundesärztekammer, Stand 31.12.2023, gibt es in Deutschland 285 Ärzte und Ärztinnen mit dem Schwerpunkt “Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie“ , etwa die Hälfte davon ist im ambulanten Bereich tätig, die andere Hälfte im stationären Bereich. Kollegen mit der Zusatzbezeichnung Diabetologie/Diabetologe DDG sind dabei nicht erfasst.

Dagegen sind 2087 Ärzte und Ärztinnen „Innere Medizin und Gastroenterologie“ aufgeführt und 5187 „Innere Medizin und Kardiologie“.

Angesichts der geringen Anzahl an Fachärzten im Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie ist es nicht verwunderlich, dass die Wartezeit für einen ambulanten Sprechstundentermin oft mehrere Monate beträgt. In sehr vielen Kliniken ist das Spezialgebiet „Endokrinologie und Diabetologie“ überhaupt nicht vertreten.

In den Wahlprogrammen der verschiedenen Parteien findet sich jetzt das Versprechen einer patientenzentrierten Gesundheitsversorgung und zeitnaher fachärztlicher Termine ungeachtet des Versichertenstatus. Zugang zu Leistungen soll einzig der individuelle medizinische Bedarf sein. Das Ziel, die Sektorengrenzen durch Verzahnung und Vernetzung aller Versorgungsgebiete weiterzuentwickeln, findet sich ebenfalls parteiübergreifend. Gefordert wird – wie schon seit Jahrzehnten – eine Neuordnung der Rollenverteilung zwischen ambulantem und stationärem Sektor.

Wie diese Wahlversprechen aber realistisch umgesetzt werden können, angesichts der für den Schwerpunkt Endokrinologie/Diabetologie fehlenden Ärzte/Ärztinnen, ist in keinem Wahlprogramm konkretisiert.

Frank-Burkhard Biester
Landesvorsitzender