Eagle eye

Heute: Sorgen mit dem Nachwuchs

Kinder wie die Zeit vergeht – da ist doch das Jahr fast schon wieder vorbei. Dabei warte ich eigentlich noch immer darauf, dass es Sommer wird. Kommt es Ihnen auch so vor, als wenn wir in 2025 gar keinen Sommer hatten? Gefühlt ging es vom Frühling direkt zum Herbst. Wobei wir eigentlich gut zu tun hatten, Gelder aufzutreiben und die geplanten Projekte voranzubringen. Vielleicht ist mir darum nicht viel vom Sommer in Erinnerung geblieben.

Unsere Finanzen sind zum Jahresende wie immer recht angespannt. Die Förderungen der Kassen, der öffentlichen Hand und der Industrie werden geringer. Es wird zunehmend schwieriger, unsere Projekte umzusetzen und neue Projekte zum Laufen zu bringen. Dazu kommen die sinkenden Mitgliederzahlen.

Leider fehlt jungen Menschen oft das Verständnis für die Notwendigkeit, sich zu organisieren um, wie in unserem Fall, eine chronische Erkrankung mit der Kraft und Unterstützung von Mitbetroffenen zu bewältigen. Wie häufig höre ich in Gesprächen, dass Informationen oder sogar konkreter Rat aus dem Internet geholt werden. Ich will gegen die vielen Möglichkeiten von Social Media gar nichts sagen, aber es steht eben auch viel Falsches im Netz. Und natürlich wird der Computer auch nicht helfen können, wenn mal ein Engpass auftaucht. Mal eben Insulin, Teststreifen, Sensoren oder die berühmte Tasse Mehl borgen – geht halt nur im echten Leben, mit echten Kontakten.

Letzten Endes ist es wichtig, als Gruppe von Gleichgesinnten oder Gleichbetroffenen zusammen zu stehen, um die eigenen Interessen vertreten zu können. Das empfiehlt sich auch eher analog als digital, denn im Netz ist viel falscher Glanz und Schein unterwegs.

Zumindest was die Vertretung unserer Interessen als von Diabetes betroffener Menschen anbelangt wird es weitergehen. Wir haben uns zum Ländertreffen erstmalig verständigt, wie die anderen Landesverbände langfristig planen und ob ein Zusammenschluss von einzelnen Landesverbänden denkbar ist.

Um weiterhin sinnvoll zu arbeiten, müssen wir in den einzelnen Ländern das Gespräch mit den Mitgliedern suchen, ob wir bei zu geringer Mitgliederzahl die Vereinigung mit einem anderen Landesverband in Angriff nehmen sollen. Das ist eine Möglichkeit, weiterhin mit Schlagkraft die Interessenvertretung fortzuführen. Ich werde dieses Thema zur Mitgliederversammlung anstoßen und auch weiterhin ein (Adler-)Auge darauf haben.

Für den Moment wünsche ich Ihnen alles Gute und kommen Sie gut, trotz der süßen Weihnachtsverlockungen, über die Feiertage,

Ihr Matthias Böhmer


 

Typ 1 Diabetes bei Kindern

Mit dem Ende der Sommerferien beginnt für viele Kinder wieder der Alltag in Kita, Schule und Sportverein. Kinder mit Typ-1-Diabetes können dabei genauso mitmachen wie andere Kinder. Wichtig ist, dass Betreuungspersonen informiert sind und eng mit den Eltern und Kindern zusammenarbeiten. Moderne Technik wie Systeme zur automatisierten Insulinabgabe (AID) kann den Alltag von Kindern mit Diabetes zusätzlich erleichtern. Doch sie werden noch nicht von allen betroffenen Kindern genutzt.

In Deutschland leben mehr als 37.000 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes. Die Erkrankung bedeutet einen erheblichen Einschnitt in ihr Leben. Umso wichtiger ist es, dass sie weiterhin an allen Lebensbereichen teilhaben können.

Mit der richtigen Therapie sind Kinder mit Diabetes genauso belastbar und leistungsfähig wie andere, stoffwechselgesunde Kinder. Sie können in Kita und Schule auch an Aktivitäten wie Sportunterricht und Ausflügen teilnehmen. Entscheidend ist, dass Betreuungspersonen über die Erkrankung und Therapie informiert sind und die nötige Unterstützung bieten können. Kleinkinder sind dabei vollständig auf Erwachsene angewiesen, Grundschulkinder benötigen oft noch Anleitung. Nach Ende der Grundschulzeit können viele Kinder ihre Therapie zunehmend selbstständig übernehmen.

Damit der Alltag in Kita und Schule gelingt, braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehr- und Erziehungskräften. Sie sollten wissen, wie im Notfall zu handeln ist. Wichtig ist auch, dass Kinder mit Typ-1-Diabetes jederzeit essen und trinken, den Blutzucker messen und sich Insulin verabreichen dürfen. Das gilt auch beim Sport oder im Unterricht. Die Mitschülerinnen und Mitschüler sollten ebenfalls darüber informiert sein. So bleibt ein normales Mitmachen möglich. Betreuungspersonen sollten Warnmeldungen des Sensors erkennen, schnellwirksame Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder Saft für den Notfall bereithalten und jederzeit die Eltern erreichen können.

Mit guter Vorbereitung und klaren Absprachen lassen sich auch Ausflüge oder Klassenfahrten sicher gestalten. AID-Systeme (engl.: Automated Insulin Delivery) bestehen aus einer Insulinpumpe, einem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und einer Software, die die Insulinzufuhr automatisch anpasst. Sie helfen dabei, sehr hohe oder niedrige Blutzuckerwerte zu vermeiden. Studien zeigen, dass AID-Systeme den Blutzuckerwert von Kindern über einen längeren Zeitraum im Zielbereich halten und Familien entlasten können.

Dennoch nutzen bislang nur etwa die Hälfte der Vorschulkinder und rund ein Drittel der Schulkinder mit Typ-1-Diabetes ein AID-System. Gründe für die Zurückhaltung könnten die begrenzte Verfügbarkeit, organisatorische Hürden oder Unsicherheiten im Umgang sein. Fachleute betonen jedoch, dass vor allem Vorschulkinder von der Verwendung profitieren können.

Frank-Burkhard Biester


 

Sachsen-Anhalt ist Osteoporose-Land

5,8 Prozent der Bevölkerung ab 35 betroffen, der höchste Anteil im Bundesgebiet

In Sachsen-Anhalt litten 2023 über 87.000 Menschen ab 35 Jahren an Osteoporose, umgangssprachlich auch Knochenschwund genannt. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsatlas Deutschland, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Vorfeld des Welt-Osteoporose-Tages am 20. Oktober veröffentlicht hat. Mit einem Anteil von 5,8 Prozent der Bevölkerung ab 35 Jahren liegt Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich an der Spitze.

Osteoporose zählt zu den häufigsten Muskel-Skelett-Erkrankungen, deutschlandweit litten 2023 über zwei Millionen Bürgerinnen und Bürger ab dem 35. Lebensjahr daran. Dabei verlieren die Knochen an Dichte und Stabilität, was das Risiko für Knochenbrüche erhöht.

„Aus Angst vor Stürzen schränkt Osteoporose das Leben vieler Betroffener deutlich ein. Um kein Risiko einzugehen, fahren sie ihre Alltagsaktivitäten oft herunter“, sagt Corinna Beutel, Leiterin des Geschäftsbereiches Gesundheitsversorgung und Pflege bei der AOK Sachsen-Anhalt. „Das Paradoxe: Weniger Bewegung kann dazu führen, dass die Erkrankung weiter voranschreitet.“

Frauen deutlich häufiger betroffen

Unter jüngeren Menschen kommt Osteoporose sehr selten vor. In Sachsen-Anhalt sind bei den 35- bis 49-Jährigen nicht einmal ein Prozent betroffen. Erst mit steigendem Alter nimmt auch die Osteoporose-Häufigkeit zu, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind. Für Sachsen-Anhalt bedeutet das: Im Alter von 60 bis 64 leiden 5,3 Prozent der Frauen an Osteoporose, von 75 bis 79 sind es bereits 18 Prozent. Ab 90 liegt der Anteil bei 34,9 Prozent – dreimal häufiger als bei Männern ab 90 (10,6 Prozent). Beutel: „Das lässt sich vor allem mit den hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren begründen. Der niedrige Östrogenspiegel führt dazu, dass vermehrt Knochensubstanz abgebaut wird.“

Landkreis Wittenberg mit höchstem Anteil an Osteoporose-Erkrankten

Innerhalb von Sachsen-Anhalt variiert der Anteil von Osteoporose-Erkrankten zwischen 4,9 und 6,9 Prozent (Tabelle). Vor allem die Landkreise Wittenberg, Anhalt-Bitterfeld, Dessau-Roßlau, Burgenlandkreis und Halle (Saale) sind betroffen.
Hier liegt der Anteil jeweils über 6 Prozent und somit über dem Landesdurchschnitt. Wittenberg, Anhalt-Bitterfeld und Dessau-Roßlau finden sich zudem unter den TOP 10 der bundesweit 400 Kreise mit den höchsten Anteilen. Der Landkreis mit dem geringsten Anteil ist Börde mit 4,9 Prozent. Betrachtet man bundesweit nur die kreisfreien Städte unter 500.000 Einwohnern, finden sich zudem Halle (Saale) mit 6,1 Prozent und Magdeburg mit 5,7 Prozent sogar auf Platz eins und zwei.

Mehr Risikofaktoren als nur das Alter

„Es ist deutlich, dass Sachsen-Anhalt ein Osteoporose-Problem hat“, sagt Beutel. Ein Teil kann laut Gesundheitsatlas durch die Bevölkerungsstruktur erklärt werden. „Es ist nun mal so, dass Sachsen-Anhalt die älteste Bevölkerung hat und damit auch von Osteoporose stärker betroffen ist“, so Beutel.

Die Daten deuten aber auch darauf hin, dass Faktoren wie der Lebensstil und die Lebensumstände eine Rolle spielen. Der Gesundheitsatlas analysiert z.B. auch den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Osteoporose und dem Rauchverhalten. Die Analyse zeigt, dass Osteoporose in Regionen mit einem hohen Raucheranteil häufiger vorkommt (4,6 Prozent) als in Regionen, in denen weniger Raucherinnen und Raucher leben (3,6 Prozent). „Und nahezu alle Landkreise in Sachsen-Anhalt haben im bundesweiten Vergleich mit die höchsten Raucheranteile“, so Beutel.

Der Gesundheitsatlas zeigt ähnliche Zusammenhänge auch mit Faktoren wie Siedlungsstruktur, Bluthochdruck und Deprivation, also einem niedrigen sozioökonomischen Status. In Regionen mit hoher Deprivation, also beispielsweise mit niedrigerem Einkommen, geringerer Bildung oder weniger Beschäftigung, ist auch der Osteoporose-Anteil höher. Ebenso ist in ländlich dünn besiedelten Regionen der Anteil an Osteoporose-Erkrankten deutlich größer als beispielsweise in Metropolen.

Ausreichend Bewegung und Rauchverzicht schützen vor Osteoporose

Doch was tun gegen Osteoporose? Beutel: „Die beiden größten Risikofaktoren sind Rauchen und mangelnde Bewegung. Rauchen wirkt sich auf den Knochenstoffwechsel aus. Und die Knochendichte wird maßgeblich durch körperliche Aktivität bestimmt. Daher spielen Nichtrauchen und Bewegung eine wichtige Rolle zur Prävention von Osteoporose.“

Ausreichend Bewegung sei deshalb schon in jungen Jahren wichtig, um zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr eine möglichst hohe maximale Knochendichte zu erreichen. Aber auch für Betroffene und im höheren Alter ist Bewegung relevant, denn neben der Knochendichte werden auch Beweglichkeit und die Muskelmasse positiv beeinflusst. Das wiederum kann einen großen Effekt auf das Sturzrisiko und damit das Risiko für Knochenbrüche haben.

Vernetzte Versorgungsprogramme für chronisch Kranke stärker nutzen

Ein weiterer Baustein ist laut AOK Sachsen-Anhalt, dass existierende Versorgungsprogramme weiter vorangetrieben und stärker genutzt werden. „2024 haben wir gemeinsam mit der IKK gesund plus und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt das DMP (Disease-Management-Programm) Osteoporose eingeführt. Sachsen-Anhalt war damit eines der ersten Bundesländer.“

DMPs sind vernetzte Versorgungsprogramme, um chronische Erkrankungen besser zu betreuen, die Krankheitsfolgen hinauszuzögern und die Lebensqualität zu verbessern. Im Zentrum steht der Hausarzt, der anhand von Leitlinien und regelmäßigen Kontrolluntersuchungen den Krankheitsverlauf im Auge behält und so Begleiterkrankungen und Verschlechterungen frühzeitig behandeln oder an Experten überweisen kann. „Bis heute nehmen über 400 Hausärzte an dem DMP teil, rund 1.000 Versicherte sind eingeschrieben. Wir können nur allen Osteoporose-Betroffenen empfehlen, am DMP teilzunehmen. Bei Fragen ist der behandelnde Arzt der erste Ansprechpartner“, so Beutel.

Osteoporose: Was ist das?

Bei der Osteoporose handelt es sich um eine Knochenerkrankung, die durch eine verringerte Knochenmasse und strukturelle Veränderungen des Knochengewebes gekennzeichnet ist, sodass die Knochen ihre Stabilität verlieren. Dadurch kommt es zu einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche. In der Regel treten diese Veränderungen generalisiert – also im ganzen Körper – auf, jedoch kann es in seltenen Fällen auch zu ausschließlich lokalisierten Veränderungen der Knochen kommen. Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung und betrifft ganz überwiegend Frauen.

Weitere Informationen zu Osteoporose und dem DMP gibt es unter:

www.deine-gesundheitswelt.de/osteoporose

Die Daten des Gesundheitsatlas gibt es hier:

https://www.gesundheitsatlas-deutschland.de/erkrankung/osteoporose

Quelle: AOK Sachsen Anhalt


 

Ost-Ländertreffen 2025

Inzwischen ist es schon zur Tradition geworden, dass wir uns einmal im Jahr zum Austausch mit den Ost-Landesverbänden treffen. In diesem Jahr wurde der Erfahrungsaustausch vom Landesverband Sachsen-Anhalt organisiert.

Wir haben uns vom 17. bis 18. Oktober in Nebra getroffen und uns von der Himmelsscheibe inspirieren lassen, die Arbeit in den Landesverbänden weiterzuführen und auch langfristig zusammen zu arbeiten.
Die einzelnen Landesverbände haben in den jeweiligen Bundesländern mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen. Uns allen macht die Fortführung der Arbeit Sorgen, da die finanzielle Unterstützung zunehmend geringer wird.

Sowohl die Kommunen als auch die Krankenkassen fahren ihre Unterstützung zurück, da sie ja selbst starken Belastungen ausgesetzt sind.

Auch das Problem der Altersstruktur und den Mangel an Nachwuchs beklagen alle Landesverbände.

Dennoch ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben und neue Wege zu gehen, so dass wir uns darauf verständigen konnten, auch im kommenden Jahr ein Treffen der Ost-Verbände auf die Agenda zu setzen und die gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit fortzuführen.

Matthias Böhmer


 

Diabetes Entwicklung/Trend

Lange Zeit galt Typ-2-Diabetes als eine Erkrankung älterer Menschen. Wenn Kinder oder Jugendliche an Diabetes erkrankten, handelte es sich fast ausschließlich um Typ-1-Diabetes. Inzwischen wird Typ-2-Diabetes jedoch immer häufiger auch bei Teenagern und jungen Erwachsenen diagnostiziert, insbesondere bei starkem Übergewicht.

Typ-2-Diabetes bei jungen Menschen ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Zwar ist die Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen noch immer vergleichsweise selten: Von 2014 bis 2022 gab es rund 2100 bekannte Neuerkrankungen bei 11- bis 17-Jährigen. Allerdings steigen die Zahlen seit Jahren kontinuierlich an – eine Entwicklung, die auch international zu beobachten ist. Der früher im Volksmund verwendete Begriff „Altersdiabetes“ ist daher nicht mehr zutreffend (Stand 10.04.2025).

Noch beunruhigender sind die Zahlen, wenn man die Vorstufe des Diabetes, den sogenannten Prädiabetes, berücksichtigt. In dieser Phase liegt noch keine krankhafte Stoffwechselstörung vor, aber die Blutzuckerwerte sind bereits erhöht, insbesondere nach dem Essen. Auch der Langzeitwert HbA1c kann bereits auffällig sein. Dies trifft auf mindestens 10 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland zu, die damit ein erhöhtes Risiko haben, später an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch höher.

Bei den Altersgruppen weisen die BARMER-Daten vor allem für Ältere hohe und zugleich steigende Betroffenenraten aus. Bei den 70- bis 79-Jährigen gab es demnach in den Jahren von 2013 bis 2022 einen Zuwachs von 24,5 auf 25,9 Prozent. Bei den 80- bis 89-Jährigen veränderte sich die Rate in derselben Dekade von 27,1 auf 29,0 Prozent. Die größte Steigerungsrate innerhalb von zehn Jahren gab es aber in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen. Dort stieg der Anteil von 3,4 auf 3,9 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 14,8 Prozent.

Auch bei jüngeren Menschen gelten Übergewicht, Bewegungsmangel und eine unausgewogene Ernährung als Hauptrisikofaktoren. Vor allem der regelmäßige Konsum stark zuckerhaltiger Getränke steht in der Kritik. Fachgesellschaften wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordern daher bereits seit Jahren eine Zuckersteuer nach dem Vorbild von Großbritannien.

Besorgniserregend ist nicht zuletzt der Umstand, dass ein in jungen Jahren diagnostizierter Typ-2-Diabetes häufig schon früh mit Folgeerkrankungen einhergeht. Viele Betroffene klagen bereits in jungen Jahren über Herz-Kreislauf-Probleme oder auch Nervenschäden. Die Wahrscheinlichkeit, im weiteren Verlauf auf eine Insulinbehandlung angewiesen zu sein, ist ebenfalls erhöht.

Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes entwickeln sich die Symptome bei Typ 2 meist schleichend und werden daher erst relativ spät ernst genommen. Oft ist Übergewicht bei jungen Menschen zunächst der einzige Hinweis auf eine Stoffwechselstörung. Dabei gäbe es gerade im Frühstadium durchaus Handlungsmöglichkeiten. Wird ein Prädiabetes frühzeitig erkannt, kann eine Lebensstiländerung mit Gewichtsabnahme und regelmäßiger Bewegung das Entstehen der Erkrankung Typ-2-Diabetes häufig noch verhindern.

Entsprechend des aktuellen deutschen Gesundheitsberichtes 2025 leben in Deutschland mehr als 9 Millionen Menschen mit Diabetes. Dazu kommt eine geschätzte Dunkelziffer von circa 2 Millionen Menschen. Daten der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland zeigen, dass jedes Jahr circa 500.000 Menschen neu an Typ 2 Diabetes mellitus erkranken. Nicht mitgezählt sind dabei Menschen mit einer gestörten Glukosetoleranz, also mit einem erst beginnenden Typ 2 Diabetes. Auch die Inzidenz und Prävalenz anderer endokrinologischer Erkrankungen nehmen seit vielen Jahren zu. Über 7 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Osteoporose, 15 % aller Frauen im fertilen Alter haben ein polyzystisches Ovarsyndrom mit den bekannten metabolischen Begleiterkrankungen. Dazu kommen Erkrankungen der Schilddrüse, die nahezu jeden dritten Erwachsenen in Deutschland betreffen. Darüber hinaus sind Endokrinologen und Diabetologen Experten für zahlreiche seltenere Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, die durch kein anderes Fachgebiet der inneren Medizin abgedeckt sind.

Laut Statistik der Bundesärztekammer, Stand 31.12.2023, gibt es in Deutschland 285 Ärzte und Ärztinnen mit dem Schwerpunkt “Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie“ , etwa die Hälfte davon ist im ambulanten Bereich tätig, die andere Hälfte im stationären Bereich. Kollegen mit der Zusatzbezeichnung Diabetologie/Diabetologe DDG sind dabei nicht erfasst.

Dagegen sind 2087 Ärzte und Ärztinnen „Innere Medizin und Gastroenterologie“ aufgeführt und 5187 „Innere Medizin und Kardiologie“.

Angesichts der geringen Anzahl an Fachärzten im Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie ist es nicht verwunderlich, dass die Wartezeit für einen ambulanten Sprechstundentermin oft mehrere Monate beträgt. In sehr vielen Kliniken ist das Spezialgebiet „Endokrinologie und Diabetologie“ überhaupt nicht vertreten.

In den Wahlprogrammen der verschiedenen Parteien findet sich jetzt das Versprechen einer patientenzentrierten Gesundheitsversorgung und zeitnaher fachärztlicher Termine ungeachtet des Versichertenstatus. Zugang zu Leistungen soll einzig der individuelle medizinische Bedarf sein. Das Ziel, die Sektorengrenzen durch Verzahnung und Vernetzung aller Versorgungsgebiete weiterzuentwickeln, findet sich ebenfalls parteiübergreifend. Gefordert wird – wie schon seit Jahrzehnten – eine Neuordnung der Rollenverteilung zwischen ambulantem und stationärem Sektor.

Wie diese Wahlversprechen aber realistisch umgesetzt werden können, angesichts der für den Schwerpunkt Endokrinologie/Diabetologie fehlenden Ärzte/Ärztinnen, ist in keinem Wahlprogramm konkretisiert.

Frank-Burkhard Biester
Landesvorsitzender


 

Delegiertenversammlung 2025

Der Landesverband Sachsen-Anhalt e.V. lud am 03.Mai seine Selbsthilfegruppenleiterinnen und Selbsthilfegruppenleiter sowie deren Stellvertreterinnen und Stellvertreter zur Delegiertenversammlung ins Familienhaus in Magdeburg ein. Auf der Tagesordnung standen die Rechenschaftsberichte über die Arbeit des Vorstandes, der Schatzmeisterin und der Revisionskommission in 2024. Zu Beginn wurde mit einer Schweigeminute der verstorbenen Selbsthilfegruppenleiter Frau Schiddel (Gruppe Osterburg) und Herrn Theilig, (Gruppe Zeitz) gedacht.

Zuerst berichtete Herr Biester als 1. Vorsitzender über die Arbeit des Vorstandes im Geschäftsjahr 2024, die sich nicht immer einfach gestaltete. Dennoch konnten Treffen und Vorträge zu sozialen und krankheitsbezogenen Themen bei den Selbsthilfegruppen umgesetzt werden. Traditionell fand am 14.November der Diabetikertag in Sangerhausen statt, der hervorragend von der SHG-Leiterin Frau Seeger organisiert wurde. Frau Melcher nahm an einer Schulung zum Teilhabeassistenten in Dachwig teil. Leider stellte sich die Weiterführung der von der Diabetesstiftung geförderten Veranstaltung als nicht sinnvoll heraus und wurde daher auch nicht fortgesetzt. Die Teilnahme am Ländertreffen der Ostverbände in Dresden war für den Austausch untereinander ein wichtiger Termin.

Herr Biester dankte allen Selbsthilfegruppenleiterinnen und -leitern, dem gesamten Vorstand und besonders unserem 2. Vorsitzenden, der trotz seiner bundesweiten beruflichen Tätigkeit immer für die Lösung technischer Probleme oder digitale Ausstattung offen ist, für die geleistete Arbeit.

Frau Kirchhof als Schatzmeisterin legte im Anschluss den Finanzbericht für das Geschäftsjahr 2024 vor. Die Revisionskommission konnte in ihrem Bericht die ordnungsgemäße und korrekte Buchführung feststellen. Ein Dank an Frau Kirchhof für ihre hervorragende Arbeit. Alle drei Berichte wurden durch die Delegierten bestätigt und im Anschluss der Landesvorstand und die Revisionskommission für das Jahr 2024 durch das Votum der Delegierten, entlastet.

Für 2025 werden der Bundesverband und die Landesverbände des Deutschen Diabetiker Bundes die Umsetzung der Wahlversprechen zur patientenzentrierten Gesundheitsversorgung sowie zum Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) intensiv beobachten, zu Trends Stellung beziehen und ggfls. auch intervenieren – ganz im Interesse der Mitglieder.

Das Zusammenwirken aller Kräfte gerade auch in der Selbsthilfe ist enorm wichtig, um den weiteren Herausforderungen gewachsen zu sein.

Annerose Winter


 

Eagle eye
Heute: spring break

Es ist Frühling und alles neu macht der Mai? Zumindest sieht es nicht so aus, als ob der Merz alles neu machen würde. Welch eine unglaubliche Überraschung, also damit hat ja nun wirklich keiner gerechnet.

Wenn Sie die aktuelle Ausgabe des Mitteilungsblattes in den Händen halten, wird es Mai sein und der Frühling sollte in voller Blüte stehen.

Wenn wir uns in der Gesundheitspolitik umschauen, bleibt ja auch nur das Hoffen auf bessere Zeiten. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich mir eigentlich wünschen soll, dass die Koalitionäre einen neuen Gesundheitsminister finden oder dass die mit dem alten weiter machen.

Vielleicht hat der neue Bundesgesundheitsminister Zeit, sich mal wieder um die Nationale Diabetesstrategie der Bundesregierung zu kümmern. Die wurde doch im Juli 2020 vom Bundestag verabschiedet und liegt seitdem in der Schublade. Falls Sie sich nicht erinnern können, Ziel war es u.a., die Früherkennung zu verbessern, ein nationales Diabetesregister aufzubauen und die Forschung zu unterstützen. Dafür war auch mal Geld im Bundeshaushalt geplant, das wurde aber vor 2 Jahren um mehr als die Hälfte gekürzt. Übrig blieb rund eine Million, ich vermute mal, die haben ein paar Informationsblätter dafür gedruckt, dann war das Geld alle. Naja, vielleicht hat auch jemand einen gut dotierten Posten bekommen.

Der Gipfel ist der neueste Vorschlag, dass wir zuzahlen sollen, wenn wir ohne Überweisung zum Facharzt wollen. Das würde bedeuten, dass wir viel öfter unseren Hausarzt treffen. Der hat ja auch die „meiste Zeit“, um einen Blick auf ein Problem zu werfen und dann zu entscheiden, dass wir zum Facharzt dürfen, also die Überweisung schreibt. Eine großartige Idee, könnte glatt von dem Wahnsinnigen aus Übersee stammen. Ich hoffe mal, dass die begreifen, dass das auch wieder nur den Verwaltungsaufwand steigert. Was ich dagegen durchaus verstehen kann, ist der Vorschlag, einen nicht abgesagten und nicht wahrgenommenen Termin in Rechnung zu stellen. Es kommt sicher vor, dass man mal zu einem Termin nicht gehen kann, aber eine Absage muss doch möglich sein. Wem das egal ist, der sollte auch eine Rechnung dafür bekommen.

Für den Moment kann ich nur sagen, warten wir es ab und lassen es herankommen und schauen dann, wie wir damit umgehen. Ich werde ein (Adler-)Auge darauf haben.

Alles Gute und kommen Sie gut über den Sommer, Ihr Matthias Böhmer


 

Neuigkeiten aus dem DiabetesNetzwerk Sachsen

Nachdem wir zum Weltdiabetestag 2009 mit dem Newsletter im Diabetes-Netzwerk gestartet sind, haben wir in 15 Jahren 180 Ausgaben herausbringen können. Nun endet mit der Oktoberausgabe 2024 die Ära des Newsletters, denn leider fehlt die Finanzierung, um dieses Projekt fortzuführen.

Als die Krankenkassen vor einigen Jahren die Förderbedingungen geändert haben, hieß es, dass Projekte nur noch in sehr geringem Umfang gefördert werden und alle permanenten Aufgaben über die Pauschalförderung abgedeckt werden. Das hat leider nur eine Förderperiode lang funktioniert. Dann wurden die benötigten Mittel beschnitten. Für das laufende Jahr wurden dem Landesverband nur rund 45 Prozent der benötigten Fördermittel bewilligt, was die kontinuierliche Arbeit sehr einschränkt.

Für den Augenblick ist es uns, mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse, gelungen, ein Projekt zu entwickeln und so den Informationsfluss im DiabetesNetzwerk Sachsen aufrecht zu erhalten.

Wir stellen Ihnen vor:
Infoblatt Diabetes WTT – Wissen, Tipps & Tricks

Mit dem Start zum Weltdiabetestag 2024 möchten wir monatlich unsere Mitglieder, die Selbsthilfegruppen, aber auch interessierte Personen, Apotheken, Podologie- und Arztpraxen mit aktuellen Themen und Wissen rund um den Diabetes informieren.
Gerade die neuen technischen Möglichkeiten und Assistenz-Systeme bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten in der Diabeteswelt zur Unterstützung der Betroffenen. Da der Fehler oft im Detail steckt möchten wir versuchen, unkomplizierte Lösungen einfach weiterzugeben. Oftmals ist es eine Einstellung im Smartphone oder am Gerät, welche den entscheidenden Unterschied macht. Hier wollen wir ansetzen und diese Tipps und Tricks verbreiten. Dazu kommen monatlich aktuelle Informationen und Veröffentlichungen aus der Diabetesmedizin, um so auf einem aktuellen Wissensstand zu bleiben. Dabei wenden wir uns alle Betroffenen, altersunabhängig, denn selbst jüngeren Menschen gelingt es nicht immer, sich aktuell zu informieren.

Eine besondere Möglichkeit bietet der Wissensaustausch untereinander. Wir planen eine Fragen-Antworten-Rubrik, in der Fragen, die wir noch nicht beantworten können zur Diskussion gestellt werden. So bieten wir anderen Lesern die Möglichkeit, ihre vielleicht schon gemachten Erfahrungen und Lösungswege weiterzugeben. Wir werden das Infoblatt „Diabetes WTT – Wissen, Tipps & Tricks“ auf der Plattform im Netzwerk, wie den bisherigen Newsletter, zur Verfügung stellen.

Melden Sie sich am Besten gleich für das für das Infoblatt an:

https://www.diabetikerbundsa.de/infoblatt/

Matthias Böhmer

Aktuelle Diabetesfakten und -zahlen

Wer einen Diabetes hat, kennt sie: die Diabetesassistentinnen und -assistenten, Diabetesberaterinnen und -berater. Sie übernehmen bereits heute viele Aufgaben, wenn es um das Betreuen und Schulen von Menschen mit Diabetes geht, sei es in Arztpraxen oder in Kliniken. Was sie dabei tun dürfen, ist klar geregelt.

Im vergangenen Jahr haben sich durch neue Vorgaben aus Gesetzen die Rahmenbedingungen für Gesundheitsfachberufe verändert. Diese betreffen auch den Bereich der Berufe in der Diabetesbetreuung. „Hierdurch ergab sich ein besonderer Bedarf, die Aufgaben der Diabetesfachkräfte hervorzuheben und alle Leistungen transparent zu machen“, so die VDBD-Vorstandsvorsitzende Kathrin Boehm. Die neuen Rahmenempfehlungen zur interprofessionellen Diabetesversorgung geben eine Übersicht über die Möglichkeiten, heilkundliche Tätigkeiten zu übertragen. Grundlage ist der Rahmenvertrag zu den Modellvorhaben nach § 64d des Sozialgesetzbuchs (SGB) V.

„Wir haben uns an den Kompetenzen von Diabetesberate/innen und Diabetesassistent/innen orientiert, verdeutlichen aber auch die Grenzen dessen, was delegiert werden kann“, erklärt Boehm. In der Präambel der Rahmenempfehlungen heißt es: „Neben den objektiv messbaren fachlichen Qualifikationen sollen auch die subjektiven menschlichen Fähigkeiten wie Empathie und Teamfähigkeit berücksichtigt werden, die in diesem Dokument nicht explizit genannt sind. Es liegt im Ermessen der delegierenden Ärzte/innen, basierend auf haftungsrechtlichen Gesichtspunkten, wie weit sie bereit sind, Verantwortung zu übertragen.“

Der VDBD nimmt die Rahmenempfehlungen zum Anlass, um auf die Bedeutung der Diabetesberatung in Klinik und Praxis hinzuweisen. „Wir begrüßen die aktuelle Entwicklung, Gesundheitsfachberufe in ihrer Kompetenz zu stärken und ihnen damit mehr Verantwortung zuzusprechen. Gleichzeitig wünschen wir uns aber auch, dass bereits bestehende, funktionierende Strukturen bei der künftigen Versorgungsplanung berücksichtigt werden. Mit den Diabetesberatern und Diabetesassistenten gibt es bereits hochkompetentes Fachpersonal, das mehr genutzt und gefördert werden sollte, um unserem Gesundheitssystem auch in Zukunft zur Verfügung stehen zu können“, erklärt VDBD-Geschäftsführerin Dr. Gottlobe Fabisch. „Dem Druck durch Personalmangel in Klinik und Praxis können wir nur entgegenwirken, wenn die Verantwortung auf mehrere Berufsgruppen verteilt wird – also weg vom berufszentrierten hin zum bedarfsorientierten Denken!“.

In Deutschland ist die Zahl der Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 erneut gestiegen. Allein vom Jahr 2021 auf 2022 gab es einen Zuwachs um 95.450 auf 7,29 Millionen Betroffene. Das geht aus aktuellen Daten des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) hervor. Demnach ist bundesweit der Anteil der Betroffenen in den vergangenen zehn Jahren von 8,04 auf 8,65 Prozent gestiegen. „Deutschland scheint die Zuckerkrankheit nicht in den Griff zu bekommen. Der nationalen Diabetes-Strategie muss endlich mehr Bedeutung zukommen. Sie soll den Menschen helfen, durch einen gesunden Lebensstil diese Krankheit zu vermeiden oder zumindest ihre Auswirkungen zu lindern“, so Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER.

Insbesondere die ostdeutschen Bundesländer sind betroffen

Den bifg-Daten zufolge gibt es starke regionale Unterschiede in der Betroffenheit mit Diabetes mellitus Typ 2. Am weitesten unter dem Bundesdurchschnitt von 8,65 Prozent liegt Hamburg mit 6,1 Prozent. Dagegen kommt die Zuckerkrankheit in den ostdeutschen Bundesländern überdurchschnittlich oft vor. Sachsen-Anhalt hat die meisten Zuckerkranken. Hier wurde bei 13,4 Prozent der Bevölkerung Diabetes mellitus Typ 2 festgestellt. Der Wert liegt 55 Prozent über dem Bundesdurchschnitt – warum ist das so?

Die Ursachen sind hierfür zum Einem die hohe Arbeitslosigkeit und damit auch die fehlenden finanziellen Mittel für gesunde Ernährung sowie auch der zunehmende Facharztmangel zu sehen.

Sachsen-Anhalt scheint die „Zuckerkrankheit nicht in den Griff“ zu bekommen, sagt der Landesgeschäftsführer der Barmer Axel Wiedemann. Hier ist dringend weitere Aufklärung zu leisten. Bei den Altersgruppen weisen die BARMER-Daten vor allem für Ältere hohe und zugleich steigende Betroffenenraten aus. Bei den 70- bis 79-Jährigen gab es demnach in den Jahren von 2013 bis 2022 einen Zuwachs von 24,5 auf 25,9 Prozent. Bei den 80- bis 89-Jährigen veränderte sich die Rate in derselben Dekade von 27,1 auf 29,0 Prozent. Die größte Steigerungsrate innerhalb von zehn Jahren gab es aber in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen. Dort stieg der Anteil von 3,4 auf 3,9 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 14,8 Prozent.

Medikamentenmangel bleibt aktuell

Die Apothekenkammer Sachsen-Anhalt hat deutlich kritisiert, dass es in Deutschland nach wie vor einen Mangel an bestimmten wichtigen Medikamenten gäbe.

Der Präsident der Apothekenkammer Sachsen-Anhalt Dr. Jens-Andreas Münch hat gegenüber dem MDR deutlich gemacht, dass die Politik zwar angekündigt hat, wieder mehr Medikamente in Deutschland produzieren zu lassen. Tatsächlich ist in dieser Sache wenig passiert. Derzeitig sind ca. 501 Medikamente (Stand September 2024) nicht lieferbar, unter anderen auch Diabetesmedikamente, Grippe- und Erkältungsmittel und Antibiotika. Selbst für simple Kochsalzlösungen wird aufgrund des zunehmenden Mangels Alarm geschlagen.

Hier zeigt sich deutlich in welcher Abhängigkeit sich Deutschland befindet, was nicht nur Gas und Strom betrifft. Dies ist auf die fehlerhafte Politik der letzten Jahre zurückzuführen und muss dringend geändert werden. Weil wir über Jahrzehnte unsere Produktionsstrecken ins billige Ausland verlegt haben, sind ungünstige Abhängigkeiten entstanden. Die Billigmentalität ist ein generelles Problem in unserer Gesellschaft und hat nicht nur die Arzneimittel-Hersteller erfasst.

Aktuell wird die Uhr zurückgedreht und in der EU werden wieder Produktionskapazitäten aufgebaut. Das braucht aber Zeit und ist auch nur „einfach“ möglich bei Medikamenten, die keinen Patentschutz mehr haben, also bei den Schmerzmittelklassikern oder vielen Antibiotika.

Hier muss die Politik schnellstens im Interesse der Bevölkerung Möglichkeiten finden und diesem negativen Trend entgegenwirken. Etwas anders ist die Sachlage bei neuen Medikamenten.

Noch ein Wort zu der beabsichtigten „Chroniker Pauschale“.

Bisher wird in der „Chroniker Pauschale“ der zeitliche Aufwand des Arztes abgebildet, der sich um den Menschen mit Diabetes kümmert und die strukturierte Versorgung wie vom DMP vorgegeben organisiert. Jetzt wird der Organisationsaufwand zusammengefasst, der Patient „muss“ nur noch einmal im Jahr zu einem Arztgespräch in die Praxis kommen, damit seine Folgeverordnungen dann ohne weiteren Kontakt fortgesetzt werden können. Bisher war die notwendige Folgeverordnung mindestens einmal im Vierteljahr ein Aufhänger für den persönlichen Kontakt mit dem Patienten. Somit ergab sich automatisch die Gelegenheit, einen HB1c-Wert zu bestimmen, die Blutzuckerwerte anzusehen, auf potenziell schlechtere Nierenwerte zu achten oder ein beginnendes diabetisches Fußsyndrom zu identifizieren. Eine engmaschige Intervention war somit möglich, wenn der Mensch mit Diabetes sich nicht ausreichend um seine chronische Erkrankung kümmern konnte. Wir fordern die Politik auf: Lassen Sie die Menschen mit Diabetes nicht im Regen stehen! Nur gemeinsam können wir das Schaffen. Packen wir es an!

Frank-Burkhard Biester
Landesvorsitzender


 

Bluthochdruck:
Neuer Online-Coach der AOK hilft beim Umgang mit der Erkrankung

Fast 40 Prozent der Sachsen-Anhalter leiden an Bluthochdruck bzw. Hypertonie. Nach Thüringen ist dies die zweithöchste Quote in ganz Deutschland. Die AOK hat deshalb einen neuen Online-Coach veröffentlicht, der Betroffene dabei unterstützt, ihren Blutdruck über gezielte Verhaltensänderungen im Alltag eigenständig zu senken. Das Programm ist für alle Interessierten kostenlos und frei zugänglich.
Laut einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK haben fast 40 Prozent der Sachsen-Anhalter Bluthochdruck und tragen damit den sogenannten „leisen Killer“ in sich, der oft erst Beschwerden verursacht, wenn schon Folgeerkrankungen vorliegen. Darum sei Prävention das A und O, sagt Kay Nitschke, Leiter des Geschäftsbereiches ambulante und stationäre Versorgung bei der AOK Sachsen-Anhalt. „Glücklicherweise können Erkrankte selbst einiges dafür tun, um ihren Blutdruck zu senken. Oft wissen sie allerdings nicht, wie eine Umstellung der Gewohnheiten wirksam und dauerhaft gelingt“, so Nitschke. „Mit dem Online-Coach Bluthochdruck möchten wir schwere Folgeerkrankungen verhindern, indem wir Betroffenen ein wissenschaftlich fundiertes Instrument als täglichen Begleiter an die Hand geben.“

Prof. Dr. Thomas Mengden von der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim, Mitautor der neuen Versorgungsleitlinie Hypertonie in Deutschland und Experte für Bluthochdruck, hat den Online-Coach der AOK wesentlich mitentwickelt. Er sagt: „Zu den wichtigsten Ursachen der Erkrankung gehören Stress, zu viel Salz, Bewegungsmangel, Übergewicht und Alkoholkonsum. Daneben spielen auch das Alter, genetische Veranlagung und hormonelle Faktoren eine Rolle. Bluthochdruck erhöht das Risiko für Herzmuskel- und Nierenschwäche, Schlaganfall, Demenz und Impotenz. Das klingt besorgniserregend, aber mit dem richtigen Wissen über die Erkrankung können Betroffene sich und ihre Gesundheit schützen – und dabei hilft der Online-Coach.“

12 Coaching-Module zu verschiedenen Lebensbereichen

Die Inhalte der insgesamt zwölf Module des Online-Coach Bluthochdruck umfassen deshalb die Bereiche Entspannung, Stress-Management, Motivation, Bewegung und gesunde Ernährung. Zudem informieren Schulungsmodule über die korrekte Blutdruckmessung und -dokumentation, über Risikofaktoren, Ursachen und mögliche Folgen von Bluthochdruck.

Die Schulungsinhalte und Übungen bauen aufeinander auf und können von den Nutzenden in ihrem eigenen Tempo absolviert werden. Anhand von Filmen, Animationen und interaktiven Übungen lernen sie, wie sie ihren Blutdruck durch Entspannungstechniken sowie durch gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung gezielt regulieren. Darüber hinaus bietet das Programm Vorlagen für individuell anpassbare Trainingspläne sowie für die Dokumentation von selbst gemessenen Blutdruckwerten.

Um die neu erlernten Kenntnisse zu vertiefen, können die Nutzenden einerseits Wissens-Tests absolvieren und andererseits den eigenen Lebensstil, beispielsweise in den Bereichen Stressbelastung und Nikotinkonsum, auf den Prüfstand stellen. Damit die Anwender ihre Lebensstil-Anpassungen auch langfristig beibehalten, bietet der Online-Coach eine Motivationsmethode, die den Fortschritt spielerisch durch das Sammeln von Aktivitätspunkten und Zertifikaten dokumentiert. Zudem werden die Nutzenden durch die sogenannte WOOP-Methode zur Selbstmotivation bei Änderungen ihres Lebensstils unterstützt. Sie wurde von der Hamburger Psychologieprofessorin Gabriele Oettingen entwickelt und hat sich in Studien als wirksam erwiesen.

Experten verschiedener Fachrichtungen haben den Coach entwickelt

Entwickelt wurde der Coach in enger Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Experten-Team aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Ernährungs- und Sportwissenschaften. Die Inhalte der insgesamt zwölf Coaching-Module richten sich dabei nach den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften. Der Online-Coach kann eine ärztliche Beratung und Behandlung nicht ersetzen, aber durch zahlreiche Anleitungen zur Verhaltensänderung sinnvoll ergänzen.

Zum Online-Coach Bluthockdruck geht es unter https://aok.de/online-coach-bluthochdruck