Lebensmittelunverträglichkeiten – was tun?
Lebensmittelunverträglichkeiten treten immer häufiger auf. Mittlerweile leidet jede vierte bis fünfte Person unter einer Intoleranz. Doch welche Unverträglichkeiten gibt es und was kann man dagegen tun? Tanja Napiontek, Beratungsärztin bei der AOK Sachsen-Anhalt, beantwortet die wichtigsten Fragen.
Was ist eine Unverträglichkeit?
Unverträglichkeit und Allergie werden oft als Synonyme verwendet. Das ist aber nicht ganz richtig, denn es gibt einen großen Unterschied zwischen den Krankheitsbildern. „Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf Lebensmittel oder Umwelteinflüsse. Bei einer Unverträglichkeit bzw. Intoleranz reagiert das Verdauungssystem mit verschiedenen Beschwerden und zeigt so, dass es bestimmte Nahrungsbestandteile nicht verdauen kann“, sagt Napiontek.
Das Problem bei der Diagnose von Intoleranzen: Die Symptome und Ursachen einer Unverträglichkeit sind von Person zu Person unterschiedlich. Zusätzlich treten Beschwerden erst nach sechs bis 48 Stunden auf. Das macht es schwer nachzuvollziehen, auf welchen Nahrungsbestandteil der Körper mit den jeweiligen Beschwerden reagiert.
Wie äußert sich eine Unverträglichkeit?
Da eine Lebensmittelunverträglichkeit eine Störung im Verdauungssystem ist, zeigen sich dort auch die Hauptbeschwerden. Krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall treten häufig auf. Und auch andere Symptome wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Schluckbeschwerden und Abgeschlagenheit können durch eine Intoleranz ausgelöst werden. Diese Aufzählung ist aber bei Weitem nicht komplett, denn die Beschwerden sind so individuell wie die Unverträglichkeiten selbst.
Die häufigsten Unverträglichkeiten
Zu den häufigsten Unverträglichkeiten bzw. Intoleranzen gehören:
Laktoseintoleranz: Hier reagiert die Verdauung empfindlich auf Laktose und der Bauch bläht sich auf. Vor allem frische Milchprodukte sind problematisch.
Fructoseintoleranz: Hierbei wird die Fructose bzw. der Fruchtzucker aus der Nahrung im Darm nicht ausreichend oder gar nicht aufgenommen. Anzeichen für eine Intoleranz sind vor allem Beschwerden im Magen-Darm-Trakt.
Histaminintoleranz: Histamin ist ein Eiweißstoff, der im Körper unter anderem den Blutdruck, die Darmaktivität und die Produktion von Magensaft reguliert. Er kommt u.a. in lang gereiftem Käse und verarbeiteten Fleischwaren sowie Rotwein und Schokolade vor. Symptome für ein Intoleranz sind u.a. Hautreizungen wie Jucken oder Rötungen, Hitzegefühl, Herzrasen oder Kopfschmerzen.
Glutenintoleranz: Eine Glutenintoleranz, die sog. Zöliakie, ist eine immunologische Erkrankung des Dünndarms. Das in den Getreidesorten Weizen, Dinkel, Gerste und Roggen enthaltene Klebereiweiß Gluten löst eine Entzündungsreaktion im Darm aus, wodurch es zu einer Vielzahl von Beschwerden kommen kann, die überwiegend nicht nur den Darmtrakt betreffen.
Beschwerden nach dem Essen – was nun?
Bei Verdacht auf eine Intoleranz auf Lebensmittelbestandteile sollte der erste Ansprechpartner der Hausarzt sein. In einem persönlichen Gespräch werden dann Symptome, Lebensstil und Familiengeschichte besprochen. Es kann dann Sinn machen, ein Ernährungstagebuch zu führen, um die Ursachen für die Symptome leichter zu definieren. Falls nötig, kann der Hausarzt an einen Facharzt für Gastroenterologie oder Allergologie zur weiterführenden Diagnostik überweisen.
Wie Unverträglichkeiten behandeln?
Es kann eine Eliminationsdiät helfen, bei der man auf die Lebensmittelbestandteile verzichtet, auf die der Körper reagiert. Sie kann auch zur Diagnosestellung hilfreich sein. Man sollte eine solche Ernährungsumstellung aber auf jeden Fall mit seinem Hausarzt absprechen. Zusätzlich können manche Unverträglichkeiten mit Medikamenten behandelt werden. „Bei einer Laktose- oder Histaminintoleranz können zum Beispiel die Enzyme, die dem Körper fehlen, zugeführt werden. Zusätzlich können bei einer Histaminintoleranz Medikamente, sog. Antihistaminika, zur akuten symptomatischen Therapie zum Einsatz kommen“, so Napiontek.
Weitere Informationen zu Unverträglichkeiten gibt es auf der Website der AOK: